Wo hoch viel höher ist
Über Klettereisen und -griffe auf Europas höchsten Kletterturm
Weithin sichtbar ist der rot gestrichene ehemalige Getreidespeicher in Brühl nahe Köln - Europas höchster Kletterturm. Auf 45 Meter kann man sich über Klettereisen, Klettergriffe, Hängeleitern und Netze nach oben arbeiten. Und den schwindelerregenden Anblick tief hinab ertragen. Denn von hoch oben ist hoch viel, viel höher als von unten.
Von Helmut Löwe
45 Meter sehen ganz schön hoch aus, wenn man an der Wand des ehemaligen Getreidesilos in Brühl entlang nach oben schaut. Wenn man jedoch aus genau dieser Höhe hinabblickt in die Tiefe, dann ist "hoch" noch viel, viel höher. Denn auf 45 Metern Höhe ist die oberste Plattform an der Außenwand von Europas höchstem Kletterturm angebracht, von der aus man in die Ferne bis weit hinter Köln blicken kann - oder tief, tief nach unten, dass es einem schwindelig und leicht schwummrig im Bauch wird.
Video: Schwindelalarm - Kraxeln in 45 Metern Höhe
Bis man aber die oberste der etwa 40 lediglich einen halben Quadratmeter großen Plattformen erreicht hat, muss man sich über einen an der Wand angebrachten "Klettersteig" nach oben arbeiten. Da heißt es, sich Meter um Meter empor hangeln, ziehen, klettern - das geht ganz schön in Arme und Beine. So manch einer, der durch die Wand der "Roten Riesen" - das Gebäude ist knallrot gestrichen, etwa so wie das Rathaus von Bad Münstereifel - gekraxelt ist, wird am kommenden Tag Muskelkater haben. Vielleicht sogar an Stellen, an denen bislang gar keine Muskeln vermutet wurden.
Gut gesichert Meter um Meter nach oben
Als Erstes streift man sich Gurtzeug über, zieht Handschuhe an und einen Helm auf. Dann geht es ab ans Stahlseil, an dem man durch ein sogenanntes "kommunizierendes Klettersteigset" gesichert ist. Dies besteht aus zwei ummantelten Bandschlingen mit jeweils einem Spezialkarabiner; beide Karabiner sind ins Sicherungsseil eingehakt. Durch ein besonderes System lässt sich aber stets nur einer der Karabiner lösen, man ist also immer mit mindestens einem Karabiner gesichert. Und das, bis man den kompletten Parcours durchklettert hat, wieder auf dem Boden angelangt ist.
Auf den ersten Metern gewöhnt man sich nahe dem Boden an die Fortbewegung im Gurtzeug und mit Sicherung auf schmalem Holm und schmaler Bohle. Dann geht es an Klettergriffen empor auf das erste Stahlpodest in etwa sieben Meter Höhe. Ab dann gibt es eigentlich kein Zurück mehr - zumindest, wenn man nicht kneifen, sondern ganz hinauf will. Man kämpft sich über noch mehr Klettergriffe und Steigeisen nach oben. Hängebrücken, Netze und Leitern wollen überwunden werden, durch die man einen direkten Blick auf den Boden 20, 30, 40 Meter unter einem hat. Schwindelfest und trittsicher sollte man schon sein, wer unter Höhenangst leidet, ist in der roten Wand nicht gut aufgehoben.
Per Basejump in die Tiefe
Für jene, die sich nicht ganz so hoch hinaus trauen, ist ein zweiter Parcours das Richtige:. Dieser erreicht etwa 20 Meter Höhe und ist nur etwa halb so lang. Ein weiterer Parcours ist im Bau; mit weniger verschieden gestalteten Abschnitten, aber anspruchsvoller. Im Sommer soll der dritte Parcours am Kletterturm fertig sein. Wer eine andere Form von Adrenalinattacke haben möchte, stürzt sich aufs "House Running". Aus ebenfalls 45 Metern Höhe läuft man senkrecht an der Wand hinunter. Ob rasant in hohem Tempo oder in aller Ruhe mit Sprüngen weg von der Wand oder Drehungen bleibt jedem selbst überlassen. Davor steht aber ebenfalls der Weg nach oben an - nicht über den Klettersteig, sondern über 182 Stufen im Turm.
Geöffnet ist der weithin sichtbare rote Kletterturm an der Kurfürstenstraße 60 in Brühl von Freitag bis Sonntag. Der Ausflug in die Kletterwand kostet 24 Euro, "House Running" kostet 45 Euro.
(Erstellt am 10. Mai 2012 - 11:48 Uhr; aktualisiert 11. Mai 2012 - 20:59 Uhr)
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