Wahrheit unerwünscht
Theater im Bauturm inszeniert "Draußen vor der Tür"
"Ein Stück, das kein Theater spielen will und kein Publikum sehen will", heißt es im Untertitel des 1947 erschienen Dramas "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert. Das Theater im Bauturm hat sich des schwierigen Themas dennoch angenommen - und erntete minutenlangen tosenden Applaus bei der Premiere am vergangenen Samstag.
von Julia Schmitz
So manch einer mag genug haben von der andauernden Auseinandersetzung mit den Gräueln des Zweiten Weltkrieges. Doch ein Blick in die Nachrichten genügt, um zu erkennen: Das Thema Krieg ist präsenter denn je. Die Geschichte des Kriegsheimkehrers Beckmann erhält eine bedrohliche Aktualität.
Beckmann, 25 Jahre jung, kehrt nach drei Jahren an der Front und in sibirischer Kriegsgefangenschaft zurück ins zerbombte Hamburg. Doch den Platz an der Seite seiner Frau hat längst ein anderer Mann eingenommen, sein Sohn liegt unter den Trümmern begraben und seine Eltern, überzeugte Nazis, haben sich zum Kriegsende umgebracht.
Selbstmord unerwünscht
Verzweifelt und lebensmüde wirft Beckmann sich in die strömende Elbe. Doch die - vollgefressen durch ähnlich denkende Selbstmörder - wirft ihn an den Strand zurück. Soll er doch sein Leben erstmal leben! Bereit, dem Ganzen noch eine Chance zu geben, zieht er durch die nächtliche Stadt, mit seinem steifen Bein und seiner Gasmaskenbrille als Außenseiter abgestempelt.
Gott mit Wattebauschbart
Dem Theater im Bauturm ist eine wundervolle Umsetzung des niederschmetternden und expressionistisch angehauchten Stückes gelungen. Mit nur vier Schauspielern für knapp zehn Rollen und wenigen Requisiten sind die Zuschauer angehalten, ihre eigene Vorstellungskraft zu nutzen, sich in die Situation hineinzuversetzen und die Kulisse lebendig zu machen.
Die Schauspieler stehen ihnen dabei tatkräftig zur Seite: Ingo Heise als verzweifelter Beckmann verbindet die Kluft zwischen depressiver Hoffungslosigkeit und manischem Tatendrang auf geniale Art. Andreas Debatin als alter Mann respektive Gott mit Wattebauschbart oder als ins Komische verdrehte Oberst mit Pinocchio-Lügennase lockert die Thematik humorvoll auf, Claudia Braubach und Michael Schories runden das Stück zu einem mitreißenden Ganzen ab.
Sehenswert für all diejenigen, die sich nicht scheuen vor einem teilweise schwer verdaulichen, jedoch hinreißend umgesetzten Theaterabend!
(Erstellt am 25. Januar 2009 - 12:56 Uhr; aktualisiert 26. Januar 2009 - 10:10 Uhr)
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