Unwürdiger Auftritt
The Sisters of Mercy - ein Mythos wird demontiert
Von Helmut Löwe
Einst Wegbereiter für eine neue Stilrichtung in der Musik, heute eine Rockband, wie es sie wie Sand am Meer gibt. Mit einem uninspirierten, lust- und lieblosen Auftritt im Kölner E-Werk taten The Sisters of Mercy sich und ihren Fans am Freitag keinen Gefallen.
Gut 18 Jahre ohne ein neues Studioalbum - "Vision Thing", drittes Album der Sisters of Mercy, erschien 1990 -, trotzdem ein noch immer starker Run auf Tickets. Die Hallen sind zwar kleiner geworden - nicht mehr die Düsseldorfer Philipshalle wie in den 90er Jahren hielt her, sondern das E-Werk an der Schanzenstraße - aber die Atmosphäre eines Sisters-Konzertes war schon immer ein Magnet. So war es denn auch kaum eine Frage, dass die alte Industriehalle ausverkauft war. Wave- und Gothic-Fans sind treue Fans. Doch ob die Treue auch nach dem Kölner Auftritt noch anhält?
Langeweile und Tristesse auf und vor der Bühne
Denn allzu schnell wurde deutlich, dass von der einstigen Klasse der Sisters of Mercy nicht mehr viel übrig ist. Ein langweilig heruntergespieltes Set, magere Lautstärke, fast teilnahmlos agierende Protagonisten auf der Bühne, deren Lustlosigkeit mehr und mehr auf das Publikum überging. Selten sieht man plaudernde Grüppchen zusammenstehen, die lieber einer angeregten Unterhaltung denn dem bezahlten Konzert folgen. Während sich Eldritch, wie man es kaum anders von ihm kennt, langsam durch den Nebel bewegte, versuchten sich Chris Catalyst und Ben Christo in Rockstarposing, wie man es von x-beliebigen anderen Bands bereits gesehen hat. Wäre da nicht der unnachahmliche Gesang Eldritchs gewesen, hätte man meinen können, irgendeine Rockband würde sich an den Songs von The Sisters of Mercy versucht haben.
Und das in einer Art schlechten Kopie: technisch zwar absolut auf der Höhe, verwurstete die Saitenfraktion leider die so besonderen Titel aus der Anfangszeit von The Sisters of Mercy zu einem unwürdigen Rockbrei. Songs, ja beinahe schon Hymnen wie "Marian", "First and Last and Always" oder "Floorshow" wurden durch melodische Gitarrenläufe weichgespült, von Chorgesang breitgetreten, durch den Standard-Rock-Fleischwolf gedreht. Kaum zu glauben, dass "This Corrosion" vom Album Floodland, einst von der Hand eines Jim Steinman zu einer Rockoper à la Meat Loaf verproduziert, noch allerweltspoprockiger klingen kann, als im Original.
Selbst der immerwährende dichte Bühnennebel konnte das bittere Schauspiel nicht ganz und gar ungesehen machen. Und ungehört leider schon gar nicht. Schade, schade, der große Mythos der Sisters of Mercy ist gehörig ins Wanken geraten. Und wenn das Bandmanagement den Pressefotografen die Arbeit durch undurchsichtige Vereinbarungen erschwert sowie versucht, sich durch Knebelverträge die Urheberrechte an Fotos zu sichern, gibt es noch nicht einmal bildliches Zeugnis des Abgesanges.
Zwei Highlights sollen jedoch nicht vergessen werden: Zum einen "Alice", das ein wenig den früheren Glanz und die Qualität der Sisters-of-Mercy-Songs transportieren konnte. Zum anderen die Hallenbeleuchtung, die dem Spuk nach 80 Minuten ein Ende bereitete. Ratlosigkeit, Bestürzung und Enttäuschung war anschließend auf vielen Gesichtern im Publikum zu sehen.
Ach, Andrew Eldritch, was ist bloß aus deiner einst so fantastischen Band geworden?
(Erstellt am 8. März 2009 - 13:18 Uhr; aktualisiert 4. November 2011 - 16:45 Uhr)
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Vorheriger Artikel: Staatsanwaltschaft weitet Ermittlungen aus
Kommentare
Also ich fand das Konzert
Also ich fand das Konzert klasse.
Wir sind zu dritt nach Köln gefahren und haben unser erstes und bestimmt nicht letztes Sisters Konzert gesehen.
Sound war okay, die Stimme war grandios.
Klar war es keine große Show, aber das konte man auch nicht erwarten. Ich denke das Publikum war zufrieden und sie werden alle wiederkommen.
Die neuen versionen fand ich persönlich ganz gut, rockiger wie noch vor Jahren. Bis demnächst.
Liebster Freund , Ein
Liebster Freund ,
Ein heftigdeftiger Artikel über die Heroen unserer ausgehenden Adoleszenz . Bedenke aber ,auch du bist sterblich .Und du hast es Ihnen gegeben , aber sowas von gegeben . Heftige Reaktionen provoziert und direkt auf die Fresse gekriegt von den rosabebrillten Amensagern und Gralshütern dieser Zeit .Allein für "allerweltspoprockiger " gebührt dir schon fast der Pulitzer - Preis .Und dann :
"Baby buy an anaconda , baby buy a thing to wear..."
Grüsse
Schlecht oder gut, seid
Schlecht oder gut, seid froh, dass ihr überhaupt da wart! Bin gerade nach Deutschland gezogen und erstens konnte ich es garnicht glauben, dass ein Sisters of Mercy Konzert angesagt war und zweitens war das Konzert schon längst ausverkauft zu dem Zeitpunkt wo ich genug Geld zusammen hatte! :-(
Tja, so können Meinungen
Tja, so können Meinungen auseinander gehen.
Freut mich für alle, denen es gefallen hat - ehrlich - ist ja auch Geschmackssache.
Die 15 Leute vorm Zaun habe ich auch gesehen (denke die hätten auch zu jeder anderen Musik gefeiert)
Ich habe oben gestanden und mich die ganze Zeit gefragt, warum da Gesang war und Eldritch seinen Mund nicht bewegt.
Ich kann dem einen Vorredner nur Recht geben: es war vieles nicht echt.
Das sonst alles vom Band kommt ist man ja gewöhnt.
Dennoch war es kein Stil, den Eldritch dort fabriziert hat, sondern schon ein kleines Stück Armut.
Ich kann den Zeitungsartikel nur bestätigen - und ich bin ein riesen-Fan, deswegen tut es ja auch weh - es sah aus, als wenn eine Coverband ihren Mund zu alten Sisters-Stücken bewegte.
(lag evtl. auch den beiden anderen Gestalten)
Und die Stücke waren alle mit gleichen Rhythmus und dem gleichen Melodie-Brei unterlegt und das deutlich leiser als bei iLiKETRAiNS.
Als großer Fan - mit rosa-roter Brille und dem Wissen was mich wohl erwartet - fand ich es nicht so schlecht wie oben beschrieben , viel schlimmer, ich fand es langweilig.
"Ich habe einen gut
"Ich habe einen gut gemischten Sound gehört" schreibt da jemand. Na, ich weiß nicht. Ich fand das Konzert keineswegs schlecht, ich habe nicht erwartet, dass Andrew Eldritch viel mit dem Publikum spricht und die Konzertkritiken der letzten Jahre haben mich eher etwas grauenvolles, ja eine Demontage erwartet. Aber das war es nicht! Nur dem Herrn hinterm Mischpult empfehle ich eine Umschulung. Denn der hat seine Arbeit einfach nicht gemacht. Aber es waren so ziemlich alle Songs dabei, die der Besucher eines solchen Konzertes erwarten kann, Dr. Avalanche und auch die Nebelmaschine gaben auch alles, Eldritch war wie man es von ihm erwartete. Ich habe keine Sekunde bereut dort gewesen zu sein!
Hier versucht sich offenbar
Hier versucht sich offenbar ein no-name Journalist aus der rheinischen Provinz durch Kritik an einem großen Namen zu profilieren. Oder wir waren nicht auf dem gleichen Konzert.
Was hätte der Autor des obigen Verrisses geschrieben, wenn er tatsächlich einen 1:1-Abzug zwanzig Jahre alter Sisters-Alben geboten bekommen hätte? Man hätte die Band als Kopie ihrer selbst gekreuzigt.
Statt dessen hat Köln eine moderne, intelligente Rockband mit großartigen neuen Stücken gesehen. Und das war gut so. Die Sisters werden auch bei der nächsten Tour ohne Studioalben die Hallen auserkaufen und das nicht ohne Grund.
Habe mich mit mehreren
Habe mich mit mehreren Leuten während des Auftritts und nach diesem unterhalten: Die Meinungen zum Konzert waren eher negativ. Ich selbst war absolut nicht überzeugt von dem, was sich da vor meinen Augen und Ohren abspielte.
Wenn ich zu einem The Sisters Of Mercy-Konzert gehen, will ich nicht irgendeine "moderne, intelligente Rockband" sehen und hören, sondern jemanden, der seine Songs, die zum großen Teil absolut klasse sind, überzeugend rüberbringt! Und das war nicht der Fall.
Und wo die "großartigen neue Stücke" gewesen sein sollen... Ich hab's wohl verpasst. Schade ums Geld.
Unglaublich, was sich
Unglaublich, was sich heutzutage alles Journalist schimpft. Ich weiß ja nicht, auf welchem Konzert Sie, werter Berichteverfasser, anwesend waren. Auf jeden Fall nicht auf einem, bei dem es SO abging:
http://www.youtube.com/watch?v=0RSCLK646Nk
Sehen alle in der Tat gelangweilt aus. Wer weiß, wo SIE waren?
Hier vielleicht?
http://www.youtube.com/watch?v=tT3dElA_LFc
Das würde wohl eher passen.
Einen schönen Tag noch
Ach, und bevor ich es vergesse: Das Studium für Journalistik wird staatlich gefördert! Packen Sie´s an! Ich glaube an Sie!
Ich finde diesen Artikel
Ich finde diesen Artikel völlig daneben.
Von Andrew hat man, was hier als Lust und Lieblosigkeit interpretiert wird, nie anderes gesehen und entspricht eher einer bewusst coolen und arrogant wirkenden Außendarstellung, die aber so übertrieben ist, dass es eindeutig eher die Folge eines selbstironischen persönlichen Stiles ist. Andrew hechelt eben nicht der Herde hinterher. Im Gegenteil kam von ihm, im Vergleich zu früher, viel Dank an das Publikum. Die Songs waren nicht die Originalversionen, aber was macht das schon? Sein Gesang hätte lauter sein können, aber Andrew war auf der Bühne und so lieben wir ihn. Vorne ging es ab und wir hatten jede Menge Spass. Tristesse? Von welchem Konzert ist hier die Rede? Die Menge hat getobt vorne. Auch hier gilt wie bei vielem: Man muss es zulassen können, dass es einem gefällt. Und quatschende Gruppen von Leuten im Publikum mögen vielleicht hinten gewesen sein, aber diese um sich greifende Unart ist flächendeckend bei Konzerten zu beobachten. Man muss sich eben überlegen, ob man bei den Sisters Spass haben will, ob man kühl analysierend verreissen will oder ob man nur quatschend dabeigewesen sein will. Ich gehöre zu ersteren und bei solchen Leuten sieht man auch nach dem Konzert den Glanz in den Augen. Andrew ist eine Klasse für sich und nicht vergleichbar.
Also für den Fall das wir
Also für den Fall das wir auf dem gleichen Konzert waren: Ich habe eine sehr begeistert feiernde Meute am Zaun vorne erlebt. Ich habe wie immer lebhaft mit dem Publikum kommunizierende Gitaristen Ben Christo und Chris Catalyst erlebt und einen Andrew Eldritch der seine Stimme wiederfindet seit er aufgehört hat zu rauchen.
Ich habe einen gut gemischten Sound gehört und sauber gespielte Soli. Die etwas heruntergedrehte Lautstärke ist Tribut an den Gehörschutz nach EU Gesetzen und die Sauberkeit des Klanges!
Davon kriegt man natürlich nichts mit wenn man sich, weil einen die Redaktion da hin geschickt hat, gelangweilt an der Bar rumdrückt und unter den letzten Reihen aufhält. (Der Artikel hinterlässt bei mir, der ich die Moshpit und die Party erlebt habe genau diesen Eindruck!) Das da mehr geredet als das Konzert beachtet wird ist eher normal, und sollte für den Autor solcher Artikel eher selbstverständlich sein wenn er die Kompetenz beansprucht über ein Konzert oder eine Band zu urteilen..
Was richtig ist: I Like Trains waren eine pure Freude, die viele der The Sisters of Mercy Fans für sich gewonnen haben.
Wie gesagt, die Party ist im Konzert vorne. Da ist es aber eventuell etwas zu anstrengend für verschiedene Autoren..
Au mann Leute. Es war doch
Au mann Leute.
Es war doch wohl offensichtlich, dass die Stimme von Eldritch zu 90% vom Band kam.
Und in den Passagen, wo er selbst gesungen hat klang es fürchterlich.
Nehmt mal Eure rosa Brille ab.
Ich war seit den 80ern absoluter Fan dieser Band, aber dieses Konzert war eine absolute Frechheit!
Ach Du Scheisse...jetzt
Ach Du Scheisse...jetzt kommen die Playback-Rufe. Lächerlich Leute...lächerlich...
Eldritch hat noch nie Playback performed, ausser bei TV Auftritten und selbst doort hat er zusammen mit Ofra Haza schon live den Tempel der Liebe geträllert.
Youtube ist da ne tolle Plattform.
Stimme vom Band *lol*
Vom Band kommen die Drums, der Bass und die Keys...
Danke für die offenen
Danke für die offenen Worte. Als einer der (zugegebenermaßen nicht völlig) indignierten Zuhörer bzw. Zuschauer dieses Abends bin ich eigentlich ganz froh, meine Bewertung, die ja immerhin doch noch durch eine gehörige Portion Nostalgie leicht oberhalb der Kategorie "gänzlich indiskutabel" eingeordnet war, einer dezenten Nachjustage unterziehen zu können.
Was in dem Beitrag allerdings leider gänzlich zu kurz kommt, nein: schlicht unerwähnt bleibt, das ist der Auftritt der herausragenden iLiKETRAiNS (ebenfalls aus Leeds, nebenbei bemerkt) im Vorprogramm. Deren gerade mal fünf Stücke umfassendes Set hatte im Vergleich zum Topact praktisch alle Qualitäten, die man sich vom Headliner so vergeblich erhofft hatte: Stil, Inspiration, Leidenschaft...










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