Gefeierte Premiere

Stunksitzung 2011: Temporeich, akrobatisch und zum Mitsingen

Der Rosenmontagszug künftig in der U-Bahn, Schuldnerberatung für Angela Merkel, Gott unter dem Einfluss der Lobbyisten, ein neues Herrchen für einen ausgesetzten Blauen Funken und mitreißende Musik: Die Premiere der diesjährigen alternativen Karnevalssitzung wurde im E-Werk begeistert gefeiert.

Bildergalerie: So schön schräg ist die Stunksitzung 2011

Von der Stunksitzung bekamen die „Bläck Fööss“ das originellste Geschenk zum 40. Bandjubiläum. Mit großer Gelenkigkeit und viel Phantasie stellten fünf Ensemblemitglieder die Kölschsänger nach: Ein nackter Fuß wurde zum Gesicht der Musiker, er ragte aus einem Hemdenkragen heraus, aus den Ärmeln kamen die Hände – und fertig waren Hartmut Priess, Bömmel Lückerath & Co. Und natürlich sang das Publikum mit. Die akrobatische Hommage ist einer der Höhepunkte der diesjährigen Stunksitzung. Am Samstagabend wurde die Premiere im E- Werk begeistert gefeiert.

Die zwölf Schauspieler und Kabarettisten unter „Führung“ von Präsidentin Biggi Wanninger plus den Musikern von „Köbes Underground“ waren noch spielfreudiger, als man sie ohnehin schon kennt. Die Sketche waren unterhaltsamer und kürzer, das Programm somit insgesamt temporeicher. Mitreißend wie immer die Musik und die Nummern, die das Publikum zum Mitsingen animierten. Da verwandelten sich etwa kölsche Melodien in Hits der Beatles – die Rufe nach Zugabe blieben nicht nur hier ungehört.

Das vergangene Jahr bot genügend Stoff für einen närrischen Rückblick und entsprechende Lösungsvorschläge. So erhielt das Ehepaar Merkel Besuch von RTL-Schuldenberater Zwegat mit dem Rat an die Bundeskanzlerin, doch Privatinsolvenz anzumelden. Dann könne sie in sieben Jahren einen neuen Staat übernehmen, am besten Phantasialand. Lobbyisten mischten beim Entwurf der Zehn Gebote mit, woraufhin Gott sogar das Tötungsverbot zugunsten der Auto-, Gesundheits-, Energie- und Waffenindustrie auflockerte, danach aber entnervt aufgab.

Theo Sarrazin tauchte in Poll auf: Der geschwärzte Kölner Stadtteil, einst bekannt durch den Karnevalsverein Poller Negerköpp, wehrte sich gegen seine Abschaffung durch „genetisch bedingte Schminkverweigerer“.

Hartz IV-Empfänger schlafen bei IKEA

Weil Hartz IV nur noch als Sachleistung ausgezahlt wird, müssen sich die Empfänger bei IKEA einquartieren, wobei sich so mancher in den Möbeln verhakt. Deftig und bisweilen hart am Rand der Zote war der Sketch um den weinseligen Ex-Bischof Mixa und den Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche – da fehlte es doch an Pfiff, aber vielleicht ist das auch der Sache angemessen. Vergeblich versucht die Mutter Gottes ihren Sohn (oder Enkel?) Jesus und dessen Freund Mohammed zu friedlichem Spiel zu bewegen, doch selbst das gute Beispiel Buddha scheint da nicht zu helfen.

Ein Lieblingsthema war wieder einmal der Karneval. In einer TV-Switch- Orgie wurde ein neues Zuhause für einen blauen Funken (köstlich Ozan Akhan) gesucht, der unter Karnevalsentzug leidet und Aschermittwoch ausgesetzt wurde, eine Mutter suchte bei Seelenklempnerin Kallwass Hilfe für ihre Tochter, die als Funkenmariechen unter lauter Männer gefallen war, und in der dritten TV-Seelenschau will der Bauer aus dem Dreigestirn endlich als Frau akzeptiert werden. Ein klassisches Krätzchen-Trio besang den entzauberten Wetterfrosch Kachelmann. Schließlich der Vorschlag, den Rosenmontagszug in die U-Bahn zu verlegen – dann sei er schneller zu Ende. Die Mottowagen seien ja eh schon unterirdisch.

Die traditionellen aufwändigen Höhepunkte kamen in der zweiten Hälfte.

Das war nicht nur die Hommage an die Bläck Fööss, sondern auch die Riesen-Wippe, auf der die Roten Funken, frisch vom China-Trip mit OB Roters zurück, die frisch erworbene Philosophie des „Zen und die Kunst auf sein Kölsch zu warten“ in de Praxis umsetzten und dabei akrobatisch und ohne Sicherheitsleine von Ying zu Yang schwankten.

Poetisch wurde es zum Schluss, als in einem zauberhaften „Ballett“ die Menschen als kleine Moleküle im großen Weltall die Liebe und ihre Folgen darstellten – das alles von oben mit einer Kamera aufgenommen und zeitgleich auf eine Leinwand projeziert.

Offiziell sind alle Stunksitzungen bis zum 8. März ausverkauft. Doch gibt es auf www.stunksitzung.de die Rubriken Kartentauschbörse und Last-Minute-Tickets. Vielleicht hat man da ja Glück, doch noch eine Karte zu erwischen....

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Kommentare

Es ist alles geschrieben und

Es ist alles geschrieben und gesagt, aber die Premiere fand bereits am Mittwoch 05.01.2011 war und nicht erst am Samstag statt ;-)

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