650 Jobs in Köln gefährdet
Toyota zieht sich aus der Formel 1 zurück
Das japanisch-deutsche Rennteam Toyota steigt aus der Formel 1 aus. Das verkündete der japanische Konzern am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Tokio und begründete den Abschied aus der Königsklasse mit den "momentan schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen".
Der größte Automobilhersteller der Welt war seit 2002 in
der Formel 1 vertreten, hatte in dieser Zeit aber vergeblich auf einen
Sieg und den WM-Titel gehofft. Bereits vor einigen Wochen hatte Toyota
auf die Vertragsverlängerung mit Fahrer Timo Glock (Wersau) verzichtet,
der Hesse steht vor einem Wechsel zu Renault.
Von der Entscheidung ist auch das Entwicklungszentrum der Toyota Motorsport GmbH in Köln-Marsdorf betroffen. Toyota-Motorsport-Präsident John Howett betonte aber in einem Telefongespräch mit Kölns OB Jürgen Roters, dass man derzeit nicht plane, den Entwicklungsstandort Köln aufzugeben oder zu verkaufen. Der Toyota-Vorstand werde in den nächsten Wochen entscheiden, welche Abteilungen des Entwicklungszentrums weiter betrieben werden sollen und ob möglicherweise andere Entwicklungsaktivitäten in Köln angesiedelt werden sollen.
650 Arbeitsplätze in Gefahr
Erst dann herrscht auch Klarheit darüber, wie viele der bislang rund 650 Arbeitsplätze in der Kölner Motorsportabteilung endgültig wegfallen. Den betroffenen Mitarbeitern will die Toyota Motor Corporation umfassende Hilfestellung leisten.
„Der Verbleib des Toyota Entwicklungszentrums in Marsdorf ist wichtig für den Automobil-Standort Köln“, unterstreicht Oberbürgermeister Jürgen Roters. „Die Stadt Köln wird alle ihr möglichen Rahmenbedingungen schaffen, damit der Standort effizient weiterentwickelt werden kann. Wir haben ein großes Interesse daran, dass Marsdorf Zentrum der automobilen Zukunftstechnologie bleibt.“
„Die Entscheidung von Toyota ist angesichts der aktuellen Entwicklung der Formel 1 und dem bereits erfolgten Rückzug anderer Rennställe nachvollziehbar“, erklärt Wirtschaftsdezernent Dr. Norbert Walter-Borjans. „Wichtig ist aber, dass das herausragende technische Know-how in Marsdorf für die Stadt und das Unternehmen nicht verlorengeht.“ So sei es etwa eine Überlegung wert, ob Toyota die technische Kompetenz am Standort Marsdorf nicht künftig für Entwicklungen im Oberklasse-Segment einsetzen könne. „Das dort vorhandene Ingenieurswissen und das Siegel ,made in Germany’ könnten gerade für die Vermarktung von Spitzenprodukten sehr gut genutzt werden.“
Durch den Rückzug von Toyota, der schon seit Monaten erwartet worden war, rückt das BMW-Nachfolgeteam von Peter Sauber ins Starterfeld für 2010 auf. Im vorigen Jahr war Toyotas japanischer Konkurrent Honda aus der Königsklasse ausgestiegen, das Nachfolgeteam Brawn holte in dieser Saison die Konstrukteurs-WM und durch den Briten Jenson Button auch den Fahrertitel.
(Erstellt am 4. November 2009 - 11:05 Uhr; aktualisiert 5. November 2009 - 10:12 Uhr)
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