"Anstoß für ein neues Leben"
Oliver Kahn besucht Kölner Strafgefangene
Torwart-Legende Oliver Kahn hat als Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung die JVA Köln besucht. Der 67-malige Nationalspieler ehrte die Gewinner des Sepp-Herberger-Pokals und machte den jugendlichen Häftlingen Mut für ihr weiteres Leben.
Von Cora Finner
Oliver Kahn - ein nachdenklicher Torwarttitan hinter Gittern (Foto: Cora Finner)
Oliver Kahn hat als Fußballer fast alles erreicht: Er war Europameister, Seriensieger mit dem FC Bayern München und hat die Champions League gewonnen. „Ich hatte in meinem Leben sehr viel Glück. Es ist mir ein Bedürfnis, das was ich an Positivem erfahren habe, weiter zu geben“, sagte der ehemalige Torwart bei seinem Besuch in der Justizvollzugsanstalt Köln. Kahn war als Botschafter der DFB-Stiftung „Sepp Herberger“ nach Köln gekommen: Dort wurde am Samstag das dritte Finalturnier im Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ ausgetragen.
Für die jugendlichen Straftäter war es eine tolle Sache, einem so herausragenden Sportler mal persönlich zu begegnen. „Sonst sieht man solche Leute nur im Fernsehen. Das ist echt ein cooles Gefühl“, sagte der 21-Jährige Nico aus der JVA Iserlohn begeistert. Und auch für Anika war der Besuch des „Torwart-Titans“ etwas ganz besonderes. „Das macht einem Mut für`s weitere Leben, und natürlich auch beim Fußball“, so die 22-Jährige.
Und genau darum geht es bei dem Projekt. „Durch den Fußball wollen wir den Jugendlichen das Gefühl geben, dass sie trotz ihrer schweren Situation noch etwas aus ihrem Leben machen können“, so Kahn. „Wir wollen ihnen zeigen, was es bedeutet sich ein Ziel zu setzen.“ Gleichzeitig sollen durch den Sport persönlichkeitsbildende und soziale Fähigkeiten vermittelt werden, die später eine Rückkehr in das gesellschaftliche Leben erleichtern.
Siegburg gewinnt das Turnier – aber Spaß hatten alle
"Da ist das Ding": Kahn überreicht den Jungs aus Siegburg den Pokal (Foto: Cora Finner)
Aber nicht nur für die Jugendlichen, auch für den Nationaltorhüter war es ein tolles Erlebnis: „Ich mache solche Geschichten immer sehr sehr gerne und ich hab auch selbst viel Spaß gehabt.“ Und Kahn sieht sogar durchaus Parallelen zwischen seinem Sportlerleben und dem der Jugendlichen: "Wichtig ist, dass man aus Niederlagen und Rückschlägen lernt, dass man nicht anderen die Schuld gibt, sondern selbst besser wird."
Einen kleinen Rückschlag gab es am Samstag für das Team der JVA Hövelhof. Der Titelverteidiger verlor das Finale um den Sepp-Herberger-Pokal mit 0:2 gegen die Jungs aus Siegburg. Aber der Ärger über die Niederlage war schon bald verflogen – schließlich gab es neben einer Trophäe auch noch ein Autogramm von einem echte Nationaltorhüter.
Die Sepp Herberger-Stiftung hat das Projekt für den Jugendstrafvollzug 2008 ins Leben gerufen. In dem Langzeitprojekt "Anstoß für ein neues Leben" bilden in den sechs Jugendjustizvollzugsanstalten von NRW Strafgefangene im Alter von 14 bis 24 Jahren jeweils eine Fußballmannschaft. Neben Oliver Kahn engagieren sich hierbei unter anderem auch Lukas Podolski, Klaus Fischer, Heiko Herrlich und Steffi Jones.
(Erstellt am 4. September 2010 - 17:57 Uhr;
aktualisiert 4. September 2010 - 19:27 Uhr)
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