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FC-Mitgliederversammlung

Große Mehrheit für die neue Satzung, Denkzettel für Overath

Die Mitglieder des 1. FC Köln haben am Dienstagabend mit großer Mehrheit die von Präsident Werner Spinner vorgestellte neue Satzung angenommen. Einen Denkzettel gab es dagegen von den knapp über 1.000 Anwesenden für den ehemaligen Vorstand um Wolfgang Overath. Wie bereits 2010 wurde ihm die Entlastung verweigert.

Von Cora Finner 

Nur einen Tag nach dem 2:2 gegen Eintracht Braunschweig stand am Dienstag beim 1. FC Köln die Mitgliederversammlung auf dem Programm. Von Enttäuschung über den unglücklichen Last-Minute-Ausgleich war bei den zunächst 1.045 anwesenden Mitgliedern in der Lanxess-Arena nichts zu spüren. Im Gegenteil: Mit großem Applaus wurde FC-Trainer Holger Stanislawski und die Mannschaft, die an diesem Abend vollständig anwesend war, empfangen. Los ging es pünktlich um 19 Uhr traditionell mit der FC-Hymne. Zusammen mit vielen Fans schwenkte auch das Vorstands-Trio um Präsident Werner Spinner enthusiastisch den Vereinsschal. Von Krawallen vergangener Tage war hier nichts zu spüren.

Den bis dato größten Beifall erhielt der Coach, der den Anfang am Rednerpult machte. Das allerdings nur, weil er „unter der Androhung meinen Arbeitsplatz zu verlieren“, vom Präsidium dazu „genötigt“ worden sei, wie Stanislawski mit einem Schmunzeln sagte. Er betonte nochmal, wie viel Spaß ihm die Arbeit mit dem Team mache und kündigte an, ins Winter-Trainingslager auch drei, vier jüngere Spieler mitzunehmen. „Wir sind jetzt in der Tabelle in ruhigerem Fahrwasser und können daher dem ein oder anderen jungen Spieler Einsatzzeiten geben“, so der Hamburger. 

Mitglieder verweigern Overath und Co. die Entlastung 

Einer der wichtigsten Tagespunkte war die Entlastung des Vorstands für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2012. Betroffen davon war auch der alte Vorstand um Ex-Präsident Wolfgang Overath, der auf der Mitgliederversammlung am 13. November 2011 völlig überraschend von seinem Amt zurückgetreten war. Zwar konnten oder wollten Overath und seine Stellvertreter Friedrich Neukirch und Jürgen Glowacz nicht persönlich anwesend sein, äußerten sich jedoch in einer schriftlichen Erklärung zu ihrer Amtszeit. Das kam bei den Mitgliedern nicht gut an. Zum ersten Mal waren vereinzelte Pfiffe und Buh-Rufe in der Arena zu hören.

Das ehemalige Präsidium dankte zunächst den Geschäftsführern Claus Horstmann und Oliver Leki, „dass unser Vertrauen nie enttäuscht wurde“. Außerdem nahmen sie zum aktuellen Schuldenberg des FC von rund 30 Millionen Euro Stellung. Die Aussage, dass dieser für einen Bundesligisten „kein bemerkenswerter Betrag“ sei, sorgte für Gelächter unter den Anwesenden. 

Nachdem auch das aktuelle Präsidium und Verwaltungsrats-Chef Werner Wolf die Saison haben Revue passieren lassen, wurde schließlich über die Entlastung des Vorstands abgestimmt – und das, anders als von FC-Präsident Spinner gewünscht, getrennt voneinander. Wie bereits im Jahr 2010 gab es dabei auch heute wieder einen deutlichen Denkzettel der FC-Mitglieder für den alten Vorstand um Overath. Insgesamt 76,14 Prozent verweigerten die Entlastung. Dagegen sind die Fans mit der Arbeit von Spinner und den Vize-Präsidenten Markus Ritterbach und Toni Schumacher offenbar zufrieden. Der neue Vorstand wurde mit überwältigender Mehrheit von 96,11 Prozent entlastet. 

Über 96 Prozent stimmen für die neue Satzung 

Nach mehr als dreieinhalb Stunden war der wichtigste Punkt des Abends an der Reihe: Die Abstimmung über die neue FC-Satzung. Sie ist nach einer halbjährigen Planungsphase entstanden, beteiligt war neben dem aktuellen Vorstand auch ein 18-köpfiges Mitgliedergremium. Zentrum der neuen FC-Regierung ist der „gemeinsame Ausschuss“, ein siebenköpfiges Gremium, dem die drei Vorstandsmitglieder, der Aufsichtsratsboss, der Chef des neu zu bildenden Beirats sowie aus dem ebenfalls neuen Mitgliederrat der Vorsitzende und sein Stellvertreter angehören. Die neue Vereinsordnung stärke die Rechte der Mitglieder, wie Spinner erläuterte. „Der Vorstand muss die Mitglieder des gemeinsamen Ausschusses überzeugen, um seine Vorstellungen umzusetzen. Wenn der Vorstand keine Mehrheit hat, darf er die Maßnahmen nicht durchführen“, so der Präsident. 

Die neue Satzung benötigte 75 Prozent Zustimmung der mittlerweile 1.125 stimmberechtigten Mitglieder, um angenommen zu werden. Diese Hürde sollte kein Problem darstellen, wie sich schnell herausstellte. Die Erleichterung war dem Vorstand deutlich anzumerken, als das Ergebnis auf der Videoleinwand aufleuchtete: Mit 96,01 Prozent der Stimmen wurde die neue Satzung angenommen. 

DFL-Papier sorgt für Unmut 

Als letzter Tagesordnungspunkt ging es um das von der DFL vorgestellte Sicherheitspapier, über das am Mittwoch in Frankfurt abgestimmt wird. „Ich bin gegen ein Verbot von Stehplätzen“, hatte Spinner bereits am Anfang der Mitgliederversammlung klar gestellt. Außerdem halte der FC nichts von Kollektivstrafen für Fanclubs oder Ganzkörperkontrollen in Containern und Zelten, so der 64-Jährige. Viele der 16 Punkte werden jedoch bereits heute vom 1. FC Köln umgesetzt, weshalb der Verein das neue DFL-Papier zu großen Teilen unterstützt.  

Dieser Standpunkt stieß auf wenig Gegenliebe bei den Mitgliedern. In zahlreichen Wortbeiträgen forderten sie ein klares „Nein“ zum DFL-Papier. Das zeigte auch die abschließende Abstimmung, in der sich die Mitglieder mit 53,94 Prozent gegen die Position des FC und damit gegen das DFL-Papier entschieden. Dieses Ergebnis werde der Verein bei der Diskussion am Mittwoch berücksichtigen, versprach Spinner, der damit nach knapp vier Stunden die Sitzung beendete. (Fotos: Cora Finner) 


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