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Innenminister besuchte UPS

So kam die Paketbombe unbemerkt durch den Kölner Flughafen

Nach der Umschlagung einer Paketbombe am Köln-Bonner Flughafen denkt die Bundesregierung nun über schärfere Sicherheitsbestimmungen nach. Doch wie konnte die explosive Ladung den Frachtbereich unbemerkt passieren?

Das verdächtige Paket aus Jemen erreichte den Adenauer-Airport am Donnerstagabend gegen 22:00 an Bord eines Frachflugzeugs. Es war von Jemen aus mit dem weltweit tätigen Kurierdienst UPS verschickt worden. Dass die an eine jüdische Einrichtung in Chicago adressierte Sendung in Köln landete, war letztlich Zufall. Es hätte genauso gut Frankfurt oder Leipzig treffen können. Köln/Bonn ist der zweitgrößte deutsche Frachtflughafen.

Während sich das Paket seinen Weg durch die Förderbänder der Sortieranlage bahnt, erhalten Beamte vom Bundeskriminalamt (BKA) am Freitagmorgen gegen 1:34 Uhr einen Tipp aus Saudi Arabien. Es gäbe Hinweise auf Anschlagspläne. Die saudischen Behörden können den Deutschen anhand der UPS-Paketseriennummern genaue Hinweise über den Frachtweg des Pakets und den Empfänger geben.

Mit diesen Informationen beraten sich die Sicherheitsexperten. Zu dieser Zeit verlässt die Paketbombe gegen 2:04 Uhr den Flughafen bereits in Richtung East Midlands, Großbritannien. Um 3:00 Uhr untersagt die Bundespolizei Köln-Bonn den Weitertransport - zu spät. Als die Beamten das bemerken, informieren sie ihre britischen Kollegen. Die können das Paket schließlich sicherstellen. Sein Inhalt: Hochexplosiver PETN-Sprengstoff, der mittels eines Handys ferngezündet werden sollte. Er war in handelsüblichen Druckerpatronen versteckt.

Am Montag besuchte Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Köln den Ort, an dem das Paket umgeschlagen wurde. Im UPS-Frachtzentrum werden jede Sekunde 30 Pakete vollautomatisch sortiert, eine Kontrolle ist bei dieser Schlagzahl kaum möglich. "Das System ist so, dass man sich auf den sicheren Abflughafen verlässt. Jedes Paket, das von Deutschland in alle Welt transportiert wird, wird geröntgt", so Maizière. Deutschland sei vor allem ein Umschlagplatz für Pakete aus dem Ausland. Würde in Deutschland die Pakete alle noch einmal kontrollieren, "dann würde der internationale Frachtverkehr zusammenbrechen".

Dennoch will De Maizière potentielle Sicherheitslücken im Frachtverkehr schließen. Noch am Montagabend richtete er eine Taskforce, die Vorschläge für mehr Sicherheit an deutschen Flughäfen erarbeiten soll. (sp/Foto: dapd)

(Erstellt am 2. November 2010 - 11:58 Uhr; aktualisiert 2. November 2010 - 14:44 Uhr)


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