Schwarze Szene in Köln

Skurrile Besucher, wummernde Beats - das Amphi Festival

Latexminis, Schweißerbrillen, Militärjacken und barocke Kleider: Bei Electropop, Industrial und Dark-Rock feierten am Wochenende die Anhänger der Schwarzen Szene in ausgefallenen Outfits am Kölner Tanzbrunnen auf dem Amphi Festival. koeln.de zeigt die Bilder.

Bildergalerie: Die Fans des Amphi-Festivals 2010 am Samstag

Bildergalerie: Die Fans des Amphi-Festivals 2010 am Sonntag

Über 30 Bands traten am Wochenende auf zwei Bühnen im Kölner Tanzbrunnen auf. Die Musik an dem Ort, wo die Bläck Fööss mit kölschen Klängen Stammgast sind: Electropop, Gothic, Industrial, EBM und Dark Wave - Sounds fernab des Hitparadeneinerlei.

Headliner am Samstagabend waren And One, deren Frontmann Steve Naghavi seine Fans mit einer Coverversion des A-ha-Klassikers "The sun always shines on TV" überraschte. "Wollt ihr den totalen Steve?", fragte der in Tarnkleidung rastlos auf der Bühne hin- und herhetzende Sänger - und die damit verbundene volle Packung der Elektropopper bekamen die etwa 16.000 Besucher denn auch sofort.

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Synth-Rock mit Gymnastikeinlage

Zuvor hatte Dark Wave-Legende Anne Clark ("Our Darkness", "Sleeper in Metropolis") einen Querschnitt durch ihre 28-jährigen Karriere präsentiert. Zusammen mit ihrer Band ließ Clark es behäbig angehen: ruhig stand sie hinter ihrem Mikroständer und legte einen folkbetonten Auftritt hin. Ganz anders dagegen The Crüxshadows zeitgleich im Staatenhaus. Zum Synth-Rock des US-Amerikaner legten die zwei knapp bekleideten Tänzerinnen eine echte Gymnastikstunde hin. Davon angesteckt fühlte sich der mit Handscheinwerfern bewaffnete Sänger Rogue zu Ausflügen aufs Bühnengerüst und mitten hinein in die Zuschauer berufen.

Dass die elektronische New Wave-Bewegung vor allem in den 1980er-Jahre verankert ist, bewiesen auf humoristische Weise auch "Welle:Erdball". Sie spielten sich munter durch die Neue Deutsche Welle und ließen Hymen wie "Ein Jahr (Es geht voran)" (Fehlfarben) und "Fred vom Jupiter" (Andreas Dorau) im Minimal-Elektrogewand wieder auferstehen. Mit einer Coverversion von Nicoles "Ein bisschen Frieden" bewies die Band außerdem Mut zum Trash. 

Tanz der Vampire 

Beim Auftritt der Berliner Blutengel fühlte man sich an den Tanz der Vampire erinnert. Denn der Düsterpop und der Gesang von Chris Pohl, Constance Rudert und Ulrike Goldmann schafften die passende Atmosphäre für die vier Tänzerinnen, die sich in Spitzencorsage, Straps und Tüll gekleidet zur Musik und über den Boden wanden.

Dass nicht nur die Finnen Apocalyptica Metal und Klassik aufs Trefflichste verweben können, bewiesen die Berliner Coppelius am Sonntag. Die Band eröffnete ihren Auftritt mit einer gelungenen Coverversion von Iron Maidens "Phantom Of The Opera" von deren Erstling. Cello, Kontrabass, Schlagzeug und Klarinetten können also außerst druckvoll klingen, wenn man sie nur lässt. Und nicht nur musikalisch, auch optisch machte die Truppe mit ihren Gehröcken, Vatermördern und Zylindern so Einiges her.

Wummernder Industrial gegen Regenschauer

Weniger mit handgemachter Musik denn mit schwerem und wummerndem digitalen Sound gaben sich auf der Open-Air-Bühne zum einen Rabia Sorda und wenig später Combichrist ab. Hocico-Sänger Erk Aicrag machte mit seinem Sideproject Rabia Sorda im gleichen Stil wie Hocico weiter - laut, krachig, ungestüm und industrialnah. Und wer später glaubte, der zu Beginn des Combichristauftrittes einsetzende Regen würde die Zuschauer vertreiben, sah sich getäuscht: Zur aggressiven und industrialbeeinflussten EBM wurde dem Niederschlag zum Trotze reichlich getanzt.

Headliner waren auf der Open-Air-Bühne VNV Nation, die mit einer Mischung aus EBM und Future-Pop für schweißtreibende Momente sorgten. Im Staatenhaus legten Eisbrecher, mittlerweile Stammgäste des Amphi Festivals, mit gitarrenlastigem Electrorock mächtig los und beschlossen die Auftritte der Bands.

Sehen und gesehen werden

Die gut 30.000 Besucher widmeten sich an den beiden Tagen allerdings nicht nur der Musik. Denn wie das Wave-Gotik-Treffen oder das M'era Luna auch ist das Amphi nicht lediglich ein Musikfestival, sondern ein Zusammenkommen der "Schwarzen Szene". Man sieht ausgefallene und an Cyborgs, Vampire oder den Kleiderstil des 18. und 19. Jahrhunderts angelehnte Kostümierungen und Outfits und wird ebenso gesehen.

Darüber hinaus gab es an einer Vielzahl von Verkaufsständen alle jenes, was der Waver, Goth oder Cyberpunk an Ausstattungsutensilien benötigt: Plateauschuhe, Lack- und Lederhosen, -röcke und -shirts oder spitzenbesetzte Kleider und Accessoires. 

Der Termin für das Amphi Festival im kommenden Jahr steht bereits: Am 16. und 17. Juli 2011 steigt das Musikspektakel im Kölner Tanzbrunnen.

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Skurrile Besucher, wummernde Beats - das Amphi Festival
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