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Schrammas Erklärung im Wortlaut
Erklärung des Oberbürgermeisters Fritz Schramma am Sonntag, 29.03.2009 um 14.00 Uhr im Historischen Rathaus
Meine Damen und Herren,
in den vergangenen Tagen ist viel von Verantwortung gesprochen worden. Von politischer Verantwortung, von Führungsverantwortung und davon, wer zu übernehmen sie bereit ist.
Das Unglück am Waidmarkt ist ein Ereignis - so gravierend, dass hinterher nichts mehr so ist wie vorher.
Von Anfang an habe ich es als meine politische Verantwortung angesehen, alles zu tun, damit diese Krise in Köln so verarbeitet werden kann, wie es ihr angemessen ist. Alles zu tun, um den Opfern und Betroffenen zu helfen.
Alles zu tun, um größtmögliche Sicherheit beim Weiterbau der U-Bahn zu garantieren.
Alles zu tun, um die Schäden an unserem von Zerstörung bedrohten Kulturgut zu begrenzen und den Neubau für das Archiv voranzutreiben.
Alles zu tun, damit die Stadtverwaltung wo immer es möglich ist, die Staatsanwalt-schaft bei der Aufklärung unterstützt.
Alles in meiner Macht liegende zu tun, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
Das, meine Damen und Herren, ist mein Verständnis von politischer Verantwortung, die ich im Rahmen des U-Bahn-Projektes trug, trage und auch weiterhin tragen werde.
Die letzten Tage, auch die Ratssitzung am Donnerstag, haben mir sehr deutlich gemacht, dass das Unglück und seine Folgen immer mehr in den Wahlkampf gezogen wird. Es gibt Stimmen, die das begrüßen, die gegen jedes Wahlkampf-Tabu sind. Ich kann diese demokratietheoretische Argumentation nachvollziehen, ich respektiere sie.
Ich teile sie aber nicht. Ich scheue nicht die Auseinandersetzung. Ich bin natürlich der Meinung, dass wir die Dinge, die das Unglück und seine Folgen betreffen, intensiv diskutieren. Intensiv, aber sachlich und fair.
Aber ich bin heute – genau wie unmittelbar nach dem Einsturz des Historischen Archivs – der Überzeugung, dass das Unglück und seine Folgen für Köln etwas ganz außerordentlich Schwerwiegendes ist, etwas, bei dem es sich verbietet, zu den üblichen politischen Ritualen überzugehen. Bei dem es sich verbietet, politischen Profit zu suchen.
Ich bin immer noch der Überzeugung, dass der Respekt vor den Opfern, der Respekt vor den schlimmen Folgen für die Betroffenen, der Respekt vor der kulturellen Katastrophe und der Respekt vor allen, die seit Wochen im Einsatz sind um zu helfen, dass dieser Respekt es erfordert, das Unglück aus dem Wahlkampf, wie er hier in Köln zur Zeit geführt wird, herauszuhalten.
Und ich bin der Überzeugung, dass es nicht gut ist, wenn alles, was der Oberbürgermeister und oberster Chef der Stadtverwaltung jetzt tut, unter wahltaktischen Gesichtspunkten betrachtet und kommentiert wird oder unter dem Generalverdacht steht, wahltaktisch motiviert zu sein.
Vor allem aber bin ich immer noch der Überzeugung, dass die einzige angemessene Art und Weise, wie wir mit der tiefen Wunde umgehen können, die ist, die unzählige Bürgerinnen und Bürger uns vorleben: Indem wir zusammenstehen, uns gegenseitig unterstützen und jeder an seiner Stelle seinen Teil dazu beiträgt, dass wir die anste-henden Aufgaben bestmöglich bewältigen. Sachlich, zielorientiert, überparteilich, zeitnah und transparent.
Denn die Aufgaben, vor die uns das Unglück mit seinen Konsequenzen jetzt stellt, sie sind so groß, dass wir sie nur meistern können, wenn wir zusammen stehen.
Ich habe darum mehrfach im Rat und an anderen Stellen appelliert, dass wir das Unglück, dass wir dieses eine schwerwiegende und hochsensible Thema aus dem poli-tischen Gezänk heraushalten. Dass wir alle an einem Strang ziehen.
Meine Appelle stießen auf taube Ohren. Stattdessen wird weiter spekuliert, verdächtigt, verunglimpft, vorverurteilt. Offensichtlich ist vielen der Wahlausgang wichtiger, als das langfristige Wohl unserer Stadt. Offensichtlich gibt es viele, die keine Tabus kennen – und das nicht aus demokratietheoretischen Erwägungen heraus sondern aus wahltaktischen Gründen.
Ob das hinsichtlich des Wahlausgangs erfolgversprechend sein kann, sei dahin ge-stellt. Ich glaube jedenfalls, dass die Bürgerinnen und Bürger dieses Gezänk nicht wollen. Ich glaube, dass sie sehr wohl unterscheiden zwischen der politisch motivierten Suche nach Sündenböcken und dem ehrlichen Willen, die Wahrheit ans Licht zu bringen und diese Stadt – gerade auch in dieser Krise – zu gestalten.
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter meiner Verwaltung, da bin ich sicher, wollen einen solchen Wahlkampf nicht. Denn er lähmt die nötigen Entwicklungen in unserer Stadt, er lähmt die Umsetzung der getroffenen und anstehenden großen Entscheidungen, und das ist das letzte, was wir jetzt gebrauchen können.
Diese Art, mit dem Unglück umzugehen, diese Art und Weise, es im Wahlkampf zu verwerten, schadet unseren Bürgerinnen und Bürgern, sie schadet der Stadt.
Mein Auftrag als Oberbürgermeister ist es, Schaden von dieser Stadt und ihren Bürgern fernzuhalten. Darum bin ich Tag und Nacht bemüht – 365 Tage im Jahr. Das ist mein Job, das ist mein Amt, das ich als direkt gewählter OB und 1. Bürger von den Kölnerinnen und Kölnern als Mandat erhalten habe.
Und weil ich alles tun will, dieser Verantwortung gerecht zu werden, habe ich mich, haben wir uns entschlossen, meine Kandidatur als Oberbürgermeister für die nächste Legislaturperiode zurückzuziehen. Denn nur so sehe ich die Möglichkeit, das Unglück am Waidmarkt aus dem Wahlkampf heraus zu nehmen.
Diese Entscheidung ist mir – das können Sie sich vorstellen – sehr schwer gefallen.
Denn dieses Amt – ein höchst ehrenvolles in der 4. größten Stadt Deutschlands – trage ich voller Respekt und Zuneigung, mit Stolz auf diese großartige Vaterstadt und auch mit einer Freude, für diese Stadt und ihre Menschen arbeiten zu dürfen. Köln ist ein – Köln ist mein Traumjob.
Ich bin überzeugt, dass ich gemeinsam mit vielen anderen hier als Oberbürgermeister viel für die Stadt erreicht habe. Ich kann auf viele Erfolge zurückblicken, aber dies ist nicht die Stunde, das zu erörtern.
Und ich hatte noch viele Pläne, die weit über den 20. Oktober hinausgehen. Pläne für mehr Familienfreundlichkeit, für eine dynamische Stadt im Aufbruch, für eine Stadt, in der sich die Menschen wohlfühlen. Und eigentlich mache ich auch gerne Wahlkampf, traue mir auch zu, zu gewinnen, gegen diese Gegner allemal.
Vor allem aber – und das habe ich auch in meiner Nominierungsrede betont – sind es die Menschen in dieser Stadt, sind es die vielen wunderbaren Begegnungen, die mich motivieren und die in mir den Wunsch wachsen ließen, noch einmal anzutreten. Den vielen Menschen, die mir und meiner Familie gerade auch in den letzten Tagen und Wochen Zuspruch und Unterstützung entgegengebracht haben, sage ich Dank!
Aber gerade den Menschen in dieser Stadt bin ich es schuldig, jetzt das zu tun, was für die Stadt wesentlich ist: Alles zu tun, was in meiner Macht steht, um gemeinsam mit ihnen die Krise zu bewältigen. Alles zu tun, um Schaden von der Stadt abzuwenden, der dadurch entsteht, dass das Unglück in dieser Art und Weise in den Wahlkampf gezogen wird und insofern auch das Ansehen unserer Stadt nach innen und außen Schaden nimmt. Entscheidend ist meine Sorge um die Menschen, um die politische Kultur in Köln, um eine gut funktionierende Administration.
Es gibt einen Satz, den ich noch von Harry Blum habe: „Wenn du in die Arena steigst, musst du damit rechnen, das du staubige Füße bekommst.“
Ich habe diesen Satz während der vergangenen Jahre immer im Herzen getragen. Und ich habe, das will ich hier betonen, keine Angst vor staubigen Füßen. Denn sie werden mehr als aufgewogen durch die große Ehre, meiner Vaterstadt zu dienen. Am 17. September 2000 habe ich die größte Verantwortung angenommen, die man in Köln übertragen bekommen kann.
Ich habe geschworen, meine Aufgabe „nach bestem Wissen und Können wahrzu-nehmen, das Grundgesetz, die Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen und die Gesetze zu beachten und Ihre Pflichten zum Wohle der Stadt Köln zu erfüllen."
Ich werde bis zum letzten Tag meiner Amtszeit diese meine Pflichten und Aufgaben engagiert erfüllen. Ich werde bis zum 20. Oktober dieses Jahres meiner mir von den Kölnerinnen und Kölnern übertragenen Verantwortung nachkommen – mit Anstand, Würde und Freude, mit Herz und Verstand.
Denn es gibt noch so viele Dinge zu tun, so viele Entscheidungen zu fällen, auch solche, die ins nächste und übernächste Jahrzehnt hineinreichen. Die Entscheidung, nicht mehr anzutreten, gibt mir den nötigen Raum, mich voll auf diese Dinge und Entscheidungen zu konzentrieren. Und ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung dazu beiträgt, dass die politisch Handelnden sich der Größe unserer Aufgaben nach dem Unglück bewusst werden und ihrer Verantwortung gerecht werden. In diesem Sinne wünsche ich mir einen Neuanfang für die politische Kultur in unserer Stadt.
(Erstellt am 29. März 2009 - 15:28 Uhr; aktualisiert 29. März 2009 - 15:34 Uhr)
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Vorheriger Artikel: CDU sucht Schramma-Nachfolger
Kommentare
Schade Fritze! All die, die
Schade Fritze! All die, die sich jetzt freuen, jubeln und selbstegefälliges Jubeln ausbrechen, DIE GRÜNEN UND IHRE MORITZ, werden erleben, dass ihr Linientreuer Ob-Kandidat nie die Beliebtheit eines Schrammas erreichen wird!
Gebrtaucht habt ihr Grünen ihn, für euern unsäglichen Bau einer Mosche. Da war er gut genug. Würdet ihr doch nur ausm Rat verschwinden!
Pfü allen verantwortlichen die jetzt noch auf ihren Pöstchen sitzen. Ich hoffe nur Schramma wirft sie alle noch raus, bevor er leider geht.
Es ist einfach nur
Es ist einfach nur erschreckend,jetzt hat es unseren OB Herrn Schramma erwischt.
Aber das bleibt leider nicht aus wenn man sich
mit den Herrn Dezernenten und KVB lern solidarisiert
anstatt diese Positionen mit potenten und charakterlich seriösen Leuten zu besetzen.
Kölner Dezernenten , KVB Vorstände , Ypsilanti , Beck,
Müntefering etc. alle in einen Sack und mit dem Knüppel drauf---man trifft immer den Richtigen.
Quo vadis Köln , Quo vadis Deutschland
Es ist einerseits
Es ist einerseits traurig,dass es mit dem über die
Grenzen Kölns angesehenen OB so weit gekommen ist.
Jedoch muss er sich leider vieles selbst zuschreiben.
Wenn er seit Jahren mit den Herrn Dezernenten und sogenannten Führungskräften der KVB,
( ich würde gern die schlimmsten Titulierungen gebrauchen )reine
Pössjensjäger wie man in Köln sagt ( denen unsere
Heimatstadt Köln absolut dritt oder viertrangig ist
die ihre Energie nur einsetzen
um ihre Pössjen zu verteidigen und behalten.
Alles Leute vor denen man als Bürger keine Achtung haben kann.
Wenn Herr Schramma sich mit diesen auf auf eine Stufe
stellt und solidarisiert muss er sich nicht wundern,wenn Ihn die Hunde beissen.
Herr Schramma hat sich viel für Köln eingesetzt
und Köln wieder zu zu einem besseren Namen in
Deutschland verholfen,jetzt aber das Pendel wieder
voll in die entgegengestzte Richtung ausschlägt.
Das schlimmste aber was Herr Schramma Köln angetan
hat ist den Bau der Moschee intensiv gegen den Willen der Kölner mit den Grünen zu forcieren.
In diesem Sinne
Och wat wor dat fröher schön doch in Colonia---
Dat kütt nie mieh widder---leider leider
ich finde Sie sind ein
ich finde Sie sind ein großartiger Bürgermeister der Stadt Köln all die Jahre gewesen und sollen es auch weiter sein, geben Sie bitte nicht auf es geht immer weiter im Leben, ob es Niederlagen oder Höhenlagen sind, kämpfen Sie fürs Volk, denn dieses wird Ihnen dankbar sein.
viele Grüße
Sylvia Hebestreit
Dieser wehleidige Abgesang
Dieser wehleidige Abgesang soll wohl darüber hinwegtäuschen, dass Herr Schramma für unsägliches Versagen in seiner Verwaltung eine politische Verantwortung hat, die seinen Rücktritt unvermeidlich machen. So wird ein Schuh draus, verdammt noch mal!
Gut, daß er nicht
Gut, daß er nicht zurückgetreten ist. Dann kann er noch ein paar unfähige, feige Leute aus der Verwaltung uneehrenhaft entlassen und zeigen, was Verantwortung heißt. Hoffe nutzt er diese Chance. Er ist eigentlich nur Opfer und tut mir leid.
Es ist nicht mehr
Es ist nicht mehr auszuhalten, dieses ist jetzt der Höhepunkt, da muss Herr Schramma erst zurücktreten, anstatt die Kölner verantwortungslosen Betriebe zur Rechenschaft gezogen werden, weil die Abfindung zu teuer ist für Herrn Fenske und Konsorten!
Wer hat sich denn bei Center TV in die Sendung gesetzt, eine Stunde lang geduldig Fragen beantwortet? Egal was andere sagen, ich fand, es kam glaubhaft rüber!
Dieses Kölsche politische Geklüngel geht an die Substanz und ist zutiefst erschütternd.
Wenn schon niemand die Verantwortung für dieses DIlemma übernehmen will, was sinnbildlich für diese Stadt ist, dann fordern die Bürger doch wenigstens endlich RECHENSCHAFT gegenüber der Öffentlichkeit.
Ich kann nur hoffen, dass ich wenn ich im Juli aus dem Ausland wiederkomme, das DILLEMMA`endlich aufgeklärt ist. Von außen her betrachtet ist das Ganze nur noch peinlich, lächerlich und zutiefst erschütternd. DA fahre ich lieber Rad und mache meinen Wahlkreuz bei den GRÜNEN, großartig!!!
Center TV, da hat sich
Center TV, da hat sich Schramma sicherlich richtig tiefgehenden Fragen stellen müssen. Weichspüler-Journalismus zu begegnen kann jeder!
[...]Und eigentlich mache
[...]Und eigentlich mache ich auch gerne Wahlkampf, traue mir auch zu, zu gewinnen, gegen diese Gegner allemal.[...]"
Ohne Worte.
Unser OB macht es sich sehr
Unser OB macht es sich sehr leicht, nur mit wahlkampftaktischen Argumenten seinen Rückzug zu begründen.
Er ist nun mal der Chef der Verwaltung und damit in erster Linie verantwortlich. Wenn er jetzt auf seine Mitarbeiter einschlägt, zeugt dann von mehr als schlechten Führungsstil. Aber woher soll er das auch haben.
Hier zeigt es sich wieder, dass die Zusammenlegung der Ämter des OB (früher nur Repräsentant) und des Oberstadtdirektors, als Leiter der Verwaltung, keine gute lösung darstellt. Herr Schramma, wäre sicherlich ein sehr guter OB des früheren Zuschnitts gewesen, aber als Chef der Verwaltung ist er wenig geeignet. Ein Oberstudiendirektor hat eben eine andere Vorbildung als ein Verwaltungschef es haben muss.
Das sollte zukünftig bei der Auswahl der Kandidaten durch die Parteien bedacht werden, schunkeln kann man im Schnellverfahren lernen.
So gesehen hat die SPD bei der Bestellung ihres Kandidaten bereits einen hervorragenden Verwaltungsmenschen ausgesucht. Die CDU hat ja nun noch eine Chance bekommen.
es ist eine entscheidung von
es ist eine entscheidung von herzen um köln das best mögliche zu geben, so wie es jeder verantwotungsvolle mensch in seinem umfeld fordern und machen sollte!
so sehe ich das auch
so sehe ich das auch









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