Langweilige Inszenierung
Schauspiel Köln macht "Dantons Tod" zum Gähnmarathon
Stümperhaft, staubtrocken und gähnend langweilig – mit der Inszenierung von „Dantons Tod“, die am Samstagabend Premiere im Schauspielhaus hatte, bietet Regisseur Laurent Chétouanne allenfalls besseres Schultheater. Das Publikum dankte es ihm mit lauten Buh-Rufen.
Von Julia Schmitz
Eigentlich bietet das Drama Georg Büchners, das einzige, welches noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde, genügend spannenden Stoff für eine Theaterinszenierung: die riskanten Grabenkämpfe zwischen den Anhängern Dantons und den Anhängern Robespierres am Vorabend der Französischen Revolution, die innere Zerrissenheit der Protagonisten, die persönlichen Schicksale, die Angst vor dem Tod durch die Guillotine.
Doch Regisseur Laurent Chètouanne, der bereits mit seiner "Faust"-Inszenierung für Furore sorgte, lässt das Stück zu einer Farce verkommen, zerstückelt es in sinnlose Einzelteile. Wer sich nicht gut auskennt in dem Drama des Deutschen Vormärz wird schnell den roten Faden verlieren – vorausgesetzt, er hat ihn überhaupt gefunden. Denn eine einfache Orientierung wird dem Zuschauer nicht gestattet: Die Charaktere werden nur zögerlich und erst spät bei ihrem Namen genannt, wechseln ihre Identität ohne dies durch einen Kostümwechsel zu verdeutlichen. Es entsteht eine unglaubliche Langeweile.
Zuckungen wie in einer Aerobic-Stunde
Hinzu kommen die unglaublich anstrengenden Zuckungen und Verrenkungen der Schauspieler, die offensichtlich in keinerlei Zusammenhang mit dem Geschehen stehen und an eine Aerobic-Stunde für Anfänger erinnern. Stattdessen bewirken sie, dass man die Worte der Charaktere, die ohnehin seltsam emotionslos gesprochen werden, nur noch schlechter versteht – und als Zuschauer gänzlich die Lust an der Inszenierung verliert.
Dass einzige, was die nach knapp zweieinhalb Stunden noch anwesenden Besucher auf ihren Plätzen hielt, war die Hoffnung auf eine kraftvolle, heroische Enthauptung Dantons, schließlich bestand die einzige Requisite der spartanischen Bühne aus einer überdimensional großen Guillotine. Doch auch hier Enttäuschung: Das Beil fällt, das Licht geht aus. Ende. Das Publikum bedankt sich mit verhaltenem Applaus und lauten Buh-Rufen. Zu Recht.
(Erstellt am 17. Januar 2010 - 0:04 Uhr; aktualisiert 17. Januar 2010 - 12:23 Uhr)
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Kommentare
... und wenn das alles so
... und wenn das alles so stimmt, wie unten beschrieben *schauder*, dann passt es ja wirklich wie die Faust aufs Auge, dass wir Kölsche nun unser super-duper tolles neues Glitzerkram-Schauspielhaus aufs Auge gedrückt kriegen - für 300 Mios, gelle?
Dann haben wir wirklich alles: alter, fader Wein (oder ists schon Wasser?) in neuen, teuren Schläuchen...
Na denn Prost!
ja..es war einfach zum
ja..es war einfach zum heulen...eine regelrechte Schande. Amateurhaft und langweilig weil Fantasielos.
Eigentlich war das klar.
Eigentlich war das klar. Frau Beier und ihr Programm sind vollkommen überschätzt. Spätestens seit Peer Gynt und King Lear. Dieses post-dramatische, dekonstruktivistische Theater ist unerträglich, vor allem dann, wenn es laufend marthalert, goscht und castorft, daß sich die Balken biegen! Und: wer ist überhaupt Laurent Chètouanne - ein Möchtegern-Epigone, substanzlos, schrill - aber langweilig. Daß in Ihrer Kritik nicht mal der Danton-Darsteller, Dreh- und Angelpunkt des Stückes, überhaupt genannt wird, spricht Bände. Daß Frau Beier sich zum Neubau des Schausiels hat angeblich überrumpeln lassen, dann öffentlich dagegen autrat, dann die nächste Kehrtwende vollzog und die Entscheidung für den Neubau mitträgt - klar! was soll sie auch gegen die Ratsentscheidung machen -, zeigt: hier wurde jemand zur Intendantin gekürt, die ihr Fähnchen im Winde dreht, um nur ihre Pfründe zu sichern nach dem Motto: wie es Euch gefällt!
Sehr richtig. Wieder einmal
Sehr richtig. Wieder einmal dürfen wir Zuschauer den Kopfgeburten eines Regieteams beiwohnen (diesmal 'Chétouane'), das aus einem großartigen Stück Theaterliteratur, eine flächige, bräsige, dummdreiste Inszenierung macht.
Versatzstücke der Beliebigkeit, endloses, tonloses Nuscheln. Den Zurückgebliebenen möchte man zurufen: Kündigt die Übereinkunft auf, dass Publikum gequält werden muss. Es muss nicht. Und die Schauspieler möchte man zum Widerstand aufrufen, wenn immer wieder von ihnen verlangt wird, ihre Kunst zu vergessen.
Die Menschen, die ich im Foyer traf, Enttäuschte, die das Theater lieben, fanden, wie ich, den erreichten Wendepunkt auch kritisch für die Intendantin in ihrer zweiten Spielzeit. Die Frage taucht auf, was mittlerweile der Unterschied sein soll zwischen der von der Presse in Bausch und Bogen heruntergeschriebenen Ära Marc Günthers, zu der in Bausch und Bogen hinaufgeschriebenen Ära Karin Beiers. Der Gemischtwarenladen experimentalistischer Zumutungen diverser, prätentiöser Regieteams hinterlässt nur noch Ärger.
Dieses Theater hat keine Zukunft. Denn es findet auf lange Sicht ohne Zuschauer statt.









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