Schauspiel-Sanierung
Roters wirft Bürgerinitiative Täuschung vor
Die von der Bürgerinitiative "Mut zu Kultur" durchgesetzte Sanierung des Kölner Schauspielhauses wird erheblich teurer als geplant. Oberbürgermeister Jürgen Roters macht der Initiative nun schwere Vorwürfe: Sie sei leichtfertig mit den Zahlen umgegangen. Genau das gleiche wirft das Bündnis auch der Stadt vor.
Das Debakel um das Kölner Schauspielhaus geht weiter. Die von der Bürgerinitiative "Mut zu Kultur" vorgeschlagene und schließlich durch den Rat beschlossene Alternative zu einem Neubau von Schauspielhaus und Oper ist offenbar finanziell weniger günstig als gedacht. Eine Sanierung sei erheblich preisgünstiger, hatte die Initiative vorgerechnet, in Zeiten knapper Kasse solle auf einen kostspieligen Neubau verzichtet werden. Nun erweisen sich diese Argumente als Eigentor: Nach einer externen Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse der Stadtverwaltung nun vorliegen, wird eine Sanierung rund 253 Millionen Euro kosten und rückt damit weiter in die Nähe der Summe des von der Stadtspitze favorisierten Neubaus, der rund 290 Millionen Euro kosten sollte.
Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters, der stets den Neubau favorisiert hatte, ist nun sauer. Im Gespräch mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" wirft der OB der Bürgerinitiative Täuschung und Trickserei vor. "Die Bürgerinitiative Mut zu Kultur hat uns in ein Desaster geführt", so Roters. Diese sei "leichtfertig mit Zahlen umgegangen" und habe der Kölner Bevölkerung "Sand in die Augen gestreut". Das Ergebnis sei jetzt ein "großes Dilemma" mitten in der Haushaltsplanung.
"Mut zu Kultur": Stadt vergleicht Äpfel und Birnen
Die Bürgerinitiative "Mut zu Kultur" wirft in einer Stellungnahme nun ihrerseits der Stadtspitze Manipulation vor: "Nicht nur die Angaben unserer Schätzung werden falsch wiedergegeben, sondern auch Äpfel mit Birnen verglichen". Die Zahlen müssten erst aufbereitet werden, damit ein sachlich richtiger Vergleich überhaupt möglich wäre. So seien in der Planung der Initiative deutlich größere Kellerräume unter dem Offenbachplatz enthalten. Weiterhin seien die Kosten für ein Produktionszentrum, einen Orchestersaal und die Interimsbauten gar nicht Teil der Berechnungen gewesen. Bei der ursprünglichen Schätzung habe es sich außerdem nicht um die Ausführungsplanung, sondern um einen in kürzester Zeit entwickelten Testentwurf gehandelt.
Neubau wird trotzdem nicht mehr diskutiert
Die Entscheidung Sanierung statt Neubau gilt jedoch nach wie vor. Bei SPD, CDU und FDP sieht man keinen Anlass, die Neubauidee nun wieder aus der Versenkung zu holen. Für Verärgerung sorgt auch, dass sich der gesamte Ablauf nun noch weiter verzögern könnte. Opernintendant Uwe Eric Laufenberg befürchtet, dass der Betrieb im baufälligen Haus nun noch bis 2012 weitergehen muss, eine Übergangslösung für die Oper könnte sogar bis 2015 andauern.
Der Kölner Stadtrat hatte sich am 13. April 2010 von der Initiative überzeugen lassen, dass eine Sanierung kostengünstiger durchgeführt werden könne. Das Bündnis "Mut zu Kultur" hatte zuvor ein Bürgerbegehren im Juli 2010 durchgesetzt, bei dem die Kölner selbst über die Zukunft ihres Schauspielhauses abstimmen sollten. Weil CDU, Grüne, Linke, "Deine Freunde", Bürger Bündnis und pro Köln jedoch im Rat für die Sanierung stimmten, wurde das Bürgerbegehren hinfällig.
(Erstellt am 16. August 2010 - 12:21 Uhr; aktualisiert 20. August 2010 - 13:15 Uhr)
Schon gelesen?
Vorheriger Artikel: Tickets für K'Naan ("Wavin' Flag") zu gewinnen
Kommentare
Hm 252 Mio = Sanierung - 290
Hm 252 Mio = Sanierung - 290 Mio = Neubau (bei beiden ist mit höheren Endkosetn zu rehcnen) - aber es bleibt rechnerisch eine ersparnis von 38 Mio € (= 13 % der Kosten eines Neubaus). Ist wohl für die Stadt Kleingeld oder?
Um es mit Heinz Rühmann zu
Um es mit Heinz Rühmann zu halten, 'schmunzeln und wundern'...
Nun Mut zur Kultur haben wir ja in Köln, schauen wir uns nur den verirrten Künstler aus Oeynhausen mit dem Rasenmäher an. Doch warum ärgern Herr Roters? Sind wir nicht viel schlimmer mit U-Bahnbau dran? Um den ist es auch sehr still geworden.....
Vielleicht sollten wir uns ein Original aus dem Raum Frankfurt ausleihen, Dr. Schneider heißt der gute Mensch und berät gerne...









Kommentar hinzufügen