Pyrotechnikexzess

Rammstein: Feuer, Flammen, Explosionen und Köln Alaaf

Wenn die Berliner Band Rammstein auftritt, dann hat Pyrotechnik Hochkonjunktur: Mit Feuersäulen, Flammenwerfern und ohrenbetäubenden Explosionen penetrierte das Sextett am Sonntagabend eine ausverkaufte und begeisterte Lanxess-Arena.

Von Helmut Löwe

Meterhohe Flammensäulen von oben, unten, rechts und links. Ohrenbetäubende Explosionen, deren Knall einen zusammenzucken lässt. Und ein Funkenregen, der auf die Protagonisten herabregnet. Der pyrotechnische Ausnahmezustand gehört nicht zu einem Hollywood-Actionblockbuster à la "Terminator", sondern zum Konzert des Berliner Sextetts Rammstein am Sonntagabend in der Kölner Lanxess-Arena.

Wenn die Musikertruppe um Sänger Till Lindemann auf ihrer "Liebe ist für alle da"-Tour (kurz "LIFAD"-Tour genannt) durch die größten Konzerthallen Europas reist, dann ist klotzen angeagt und nicht kleckern. Nicht unbedingt musikalisch, da bauen Rammstein auf eine bewährte Mischung aus Industrial, Metal und Einsprenklern aus Rock und Pop, und decken so einen Musikgeschmack der relativ breiten Masse ab. Aber showtechnisch, da kann der Band so schnell keiner etwas vormachen. Das Publikum im ausverkauften Henkelmännchen bekommt reichlich was geboten fürs Eintrittsgeld.

Während andere durch ausgefeilte Gitarrensoli auftrumpfen, mit ausgeklügeltem Gesang oder kompositorischen Glanzleistungen von sich reden machen, blasen einen Rammstein ganz einfach mit einer solchen Menge Brandbeschleuniger weg, wie sie die US-Rocker Kiss während einer ganzen Tournee nicht verbrauchen. Und das nahezu ohne Unterlass das gesamte 100-minütige Konzert über. So viel an Feuer, Flammen und Explosionen bekommt man sonst bei keinem anderen Künstler geboten, es sei denn, die Konzerthalle würde in die Luft fliegen. 

Gefundenes Fressen für die Sittenwächter

Nachdem sich die beiden Gitarristen Richard Kruspe und Paul Landers mit Äxten auf die Bühne vorgearbeitet haben und Lindemann in roter Latexschürze, eines irren Pathologen gleich, nach vorne tritt, beginnt das wilde und heiße und laute Treiben, das immer wieder die Sittenwächter auf den Plan ruft und die Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Wobei man den Aufruhr, den die wirren Texte verursachen, die Lindemann in stoischem Sprechgesang zwischen die Musik herauspresst und dabei das "Rrrrrrr" so wunderbar rollt, nicht wirklich verstehen kann. 

Ja, Rammstein spielen mit Szenarien aus Sex, Gewalt, Trieb und Perversion, doch meist in einer solch exorbitant übertriebenen Art, dass man so was ja wohl kaum für bare Münze nehmen kann. Oder wie sonst anders wollte man Textzeilen wie "Schönes Fräulein, Lust auf mehr - Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr" sonst verstehen. Zumindest hat das wüste Texttreiben Rammsteins dafür gesorgt, dass mit Song Nummer 9 auf der Setlist ein indizierter Titel landet, den Lindemann dem jeweiligen Auftrittsort entsprechend kurzerhand umdichtet: Und so kommen die etwa 15.000 in der Arena in den Genuss, dass sich Rammstein, wie passend für die Domstadt, des Themas Fastelovend annehmen: "In Köln gibt es Karneval, Jecken, Narren überall - wir singen Köln Alaaf" intoniert Lindemann.

Metropolis oder Borg-Kubus

Inmitten der grau-metallischen Bühne, die an Kulissen aus Fritz Langs "Metropolis" erinnert - es könnte allerdings auch das Innere eines Borg-Kubus sein - schießen erstmals bei "Waidmanns Heil" meterhohe Flammen aus dem Boden. Die nächste Flammenattacke, begleitet von Knallschäden verursachenden Explosionen, erfolgt bei "Feuer Frei!", dann wieder bei "Benzin", während "Du hast" und so weiter. Irgendwann hört man auf, die pyrotechnischen Effekte zu zählen, die bis auf die Tribüne hinauf den Hitzeschwall in die Gesichter treiben. Zu viel beinahe des Feuerwerks.

Zwischendurch lädt Lindemann die fleischfarbene Kanone, die weißen Schaum in die ersten Reihen spritzt. Eine kleine obszöne Zweideutigkeit am Rande von "Pussy", die aber umgehend durch bunten Konfettiregen wieder entschärt wird. Keyboarder Christian Lorenz lässt sich im Schlauchboot übers Meer aus Händen treiben. Puppen purzeln von der Decke herab und streuen Laser durchs Dunkel der Halle - es ist also nicht nur alles Feuer und Flamme. Doch eine gigantische Show, die mit dem letzten Song, "Engel", tinnitusgeplagte, aber begeisterte Fans und einen heiseren Lindemann hinterlässt. Instrumente und Gesang haben in einem musikuntermalten Actionfilm nur eine Nebenrolle gespielt. Wer noch nicht genug hatte, darf am Montagabend noch einmal ran: Rammstein geben das Kölner Konzert Nummer 2.

Setlist:

- Rammlied
- B********
- Waidmanns Heil
- Keine Lust
- Weißes Fleisch
- Feuer Frei!
- Wiener Blut
- Frühling in Paris
- Ich Tu dir weh
- Liebe ist für alle da
- Benzin
- Links 2,3,4
- Du hast
- Pussy
---------------
- Sonne
- Haifisch
- Ich will
---------------
- Engel

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