"Mir fehlt die Kraft"

Papst Benedikt XVI tritt zurück

Papst Benedikt XVI. gibt sein Pontifikat am 28. Februar ab. Das teilte Joseph Ratzinger am Montag überraschend während eines öffentlichen Konsistoriums in Rom mit. Er kündigte seine ungewöhnliche Entscheidung in lateinischer Sprache an und sagte, er spüre nicht mehr die Kraft für sein Amt. Er habe lange über diese Entscheidung nachgedacht und sie aus Rücksicht auf die Kirche getroffen.

Benedikt XVI. war im April 2005 zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt worden. Er ist mittlerweile 85 Jahre alt. Der italienischer Kardinal Angelo Sodano sagte laut italienischen Medienberichten: „Das ist ein Donnerschlag aus heiterem Himmel.“

Erster Fall seit Jahrhunderten

Der Rücktritt des Papstes ist im Kanon 332, Paragraph zwei des Kirchenrechts geregelt. Dort steht, dass der Papst zurücktreten darf, wann immer er will. Er muss dafür niemanden um Erlaubnis fragen.

Rücktritte eines Papstes waren in der Kirchengeschichte sehr selten. In den vergangenen 2000 Jahren der Kirchengeschichte ist nur ein einziger Rückzug eines Papstes bekannt. Am 13. Dezember 1294 gab Papst Coelestin V. seinen Rücktritt nach nur fünf Monaten im Amt bekannt. Für Kirchenhistoriker galt Coelestin als „einfältiger Sonderling“. Offenbar hatten ihn die Kardinäle nur zum Papst gewählt, weil sie sich auf keinen anderen Kandidaten einigen konnten. ...

Die Rücktrittserklärung des Papstes im Wortlaut

Papst Benedikt XVI. hat seinen Rücktritt am Montag in Rom laut Radio Vatikan mit folgenden Worten angekündigt:

"Liebe Mitbrüder! Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen.

Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."

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