Hinter den Kulissen

Neue Ausstellung zeigt, wie Bühnenbilder wirken

Als Ort der Forschung und Dokumentation entzieht sich die umfangreiche Theaterwissenschaftliche Sammlung der Universität Köln in Schloss Wahn der breiten öffentlichen Präsentation. Jetzt ist sie mit einer kleinen Auswahl zu Gast im Museum für Angewandte Kunst.

Dutzende Modelle, Entwurfskizzen und Fotos zeigen in der Ausstellung „Raum-Maschine Theater“, wie auf der Bühne die Räume entstehen, die die Phantasie der Zuschauer fangen.

Startpunkt für eine Flucht aus der Realität oder Ort heftiger Konfrontation: Das Theater kann beides sein. Doch immer spiegelt sich darin auf vielfältige Art der Zeitgeist – und die Inszenierung kommt nicht ohne Bühnenbild aus. Das gilt auch dann, wenn die Bühne ganz leer sein sollte.

Da ist die Idylle in Stadt und Land, die es um 1900 sogar „von der Stange“ gab: So boten die Rheinischen Werkstätten für Bühnenkunst in Bad Godesberg Entwürfe an, die nach den Wünschen der Kunden variiert werden konnten. In den 1920er Jahren lösten expressionistische Stadtlandschaften den Naturalismus ab. Statt Pariser Betulichkeit die wilden Lichterspiele New Yorks. Und Wilhelm Tell wird in eine wilde Zackenlandschaft geschickt.

„Sakrale“ Räume entstehen. Und immer wieder die Treppe. Nicht nur als für die Inszenierung notwendiges Requisit, sondern als Symbol für das Auf und Ab, für das Labyrinth des Lebens. Dann gibt es die Bühnenbilder, die durch hintereinandergesetzte Kulissen – sieben sind 1882 es bei der Uraufführung von Wagners „Parsifal“ gewesen – einen Tiefensog erzeugen. Andere Inszenierungen kommen mit einer abstrakten „Bühnenskulptur“ aus.

Theater braucht „Verpackung“, ein Gebäude. Das war der Gesellschaft immer etwas wert, es diente ihr zur Selbst-Präsentation. Zahlreiche historische Postkarten zeigen dies. Nicht zuletzt die heftige öffentliche Auseinandersetzung um die Sanierung von Kölns Oper und Schauspiel hat gezeigt, wie wichtig den Bürgern diese Kulturinstitutionen sind.

Zwei Ausstellungen in der Ausstellung greifen dies auf: „Phantomschmerz“ zeigt Aufbau, Kriegszerstörung und Abriss der alten Kölner Oper auf dem Rudolfplatz. „Sehnsuchtsort“ zeigt Aufnahmen ihres Nachfolgers, der Riphahn-Oper. Ein Modell und ein Video-Vortrag erläutern die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen. (js)

„Raum-Maschine Theater – Szene und Theater“ – bis 10.3.2013, Museum für Angewandte Kunst, An der Rechtschule, 50667 Köln, Tel. 0221 / 22 12 67 35, Di-So 11-17 Uhr, erster Sonntag im Monat 10-17 Uhr, Eintritt 4/2,50 Euro, Katalog: 19,90 Euro, umfangreiches Begleitprogramm unter www.makk.de

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