Unbürokratisches Vorgehen gefordert
Stadtarchiv-Chefin wegen Urheberrechts-Äußerung in der Kritik
Die Initiative "Digitales Historisches Archiv Köln" bietet seit dem 7.März Wissenschaftlern die Möglichkeit, Reproduktionen der Archivalien aus dem eingestürzten Stadtarchiv online zu stellen, um so die Restaurierung der Dokumente zu unterstützen. Ausgerechnet die Leiterin des Stadtarchivs, Bettina Schmidt-Czaia, kritisiert nun mit Hinweis auf mögliche Urheberrechtsverletzungen das ambitionierte Projekt und sorgt damit für Empörung.
"Viele Wissenschaftler, denen wir auf Anfrage mal Kopien unserer Archivalien zugesandt haben, stellen diese Kopien ins Internet, um sie nach der Katastrophe anderen zugänglich zu machen", sagte Schmidt-Czaia dem Kölner Stadt-Anzeiger. Dies verletze jedoch die "Copyright-Rechte" der Dokumente. "Besser wäre es, uns diese Kopien zur Verfügung zu stellen", forderte sie die Wissenschaftler auf.
Im Internet stieß die Aussage auf heftige Kritik. So wird im Forum Archivalia unter anderem darauf hingewiesen, dass das Urheberrecht eines Dokuments 70 Jahre nach dem Tod des Autors verfällt; die meisten der Archivalien sind somit gemeinfrei und dürfen weitergegeben werden.
"Spendenbereitschaft überdenken"
Besonderen Unmut erregt dort die Tatsache, dass sich die Leitung des Stadtarchivs in einer solchen Situation, in der sie auf die Hilfe engagierter Mitbürger angewiesen ist um die Dokumente zu retten, übertrieben bürokratisch an Dinge wie das Urheberrecht klammert. Gerade jetzt sei es wichtig, die Wissenschaftler nicht vor den Kopf zu stoßen sondern das derzeitige Interesse zu nutzen, um möglichst viele Reproduktionen der Dokumente sowie finanzielle Unterstützung zu erhalten. Sowohl im Forum als auch über den Dienst Twitter wurde sogar bereits dazu aufgerufen, seine Spendenbereitschaft gegenüber dem Archiv zu überdenken.
Bemängelt wird dort auch die benutzerunfreundliche Gebührenordnung des ehemaligen Stadtarchivs, welche eine Gebühr von je 2 Euro für ein Digitalfoto eines der Dokumente erhob, auch wenn man eine eigene Kamera mitbrachte. Diese strikte Ordnung könnte, nach Meinung der User, verhindert haben, dass mehr Archivalien digitalisiert wurden.
(Erstellt am 16. März 2009 - 11:07 Uhr; aktualisiert 17. März 2009 - 15:54 Uhr)
Schon gelesen?
Vorheriger Artikel: Justizzentrum wird zur Hochsicherheitszone
Kommentare
Eigentlich sollte man dem
Eigentlich sollte man dem Archiv keine Kopien mehr zur Verfügung stellen ... zumindest nicht kostenlos.
Wenn sie Hilfe bei der Rekonstruktion brauchen, sollen sie auch dafür bezahlen. Sie haben ja auch 2€ pro Aufnahme (!) verlangt, wenn ein interessierter Mensch das Allgemeingut/Kulturgut abfotografieren wollte ... copyright auf Jahrhundertealte Kunstwerke, so ein Schwachsinn. Am Ende soll ich noch bezahlen, wenn ich irgendwo ein historisches Bauwerk fotografiere?
Denkt mal nach, da wollen Menschen mithelfen Kulturgut das uns _allen gehört_ wieder herzustellen und irgendwer kommt mit copyright an - ja für welches der Dokumente soll denn so ein angebliches copyright gelten? Ich dachte die sind so wertvoll weil sie so alt sind ... Oder am Ende das copyright eines Fotografen der ein Foto von etwas gemacht hat? Habt ihr jetzt Angst das ihr im Nachhinein zu irgendner Strafe verklagt werdet wenn _jemand anderes_ etwas copyrightgeschütztes veröffentlicht?
Ach was reg ich mich auf.
Das Gebot der Stunde ist m.
Das Gebot der Stunde ist m. E. die Rettung der Originale, soweit dies noch möglich ist. Hierauf sollte sich zunächst alle Energie konzentrieren. Ein weiterer Schritt ist sicherlich die Feststellung der Schäden und der Verluste. Die Ergänzung der verlorenen Originale durch Reproduktionen - aus welcher Quelle auch immer - kann sinnvollerweise erst dann erfolgen, wenn die Verluste feststehen. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass nicht nur Urheber- und Eigentumsrechte der Stadt Köln betroffen sind, sondern auch die Dritter, die dann durchaus Schadensersatzansprüche geltend machen können. Bei dem Versuch, das Kölner Stadtarchiv digital zu rekonstruieren, sollte man nach meiner Meinung zudem darauf achten dass das Material aus verlässlichen Quellen kommt, damit möglichste Authenzität sichergestellt ist.
Aber - wie gesagt: Wichtiger als die Kritik an der Bürgerfreundlichkeit von Archivbenützungsordnungen (die nicht ohne Grund in ähnlicher Form sicherlich auch in vielen anderen deutschen Archiven zu finden sind) oder die Dikussion über die Online-Stellung von Dokumenten, scheint mir die Rettung der Originale!
Wolfgang Dippert Dipl. Archivar (FH)
Unglaublich - kann man dazu
Unglaublich - kann man dazu auch Klüngel sagen? Nein, das fällt eher in die Kategorie "verkrustete Amtsverschimmelung"
Zwei Sprichwörter fallen mir ein:
"Man beißt nicht in die Hand, die einen füttert"
und
"Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul"
Das ist ja schön, dass
Das ist ja schön, dass dieses Thema mal öffentlich besprochen wird. Wenn ich z.B. im Museum oder dem Dom ein Photo mache, habe ich dies gemacht. Möchte ich das von mir gemachte Photo veröffentlichen, soll ich an das Museum oder die Domverwaltung ein Honorar für meine eigenen Photos für die Veröffentlichung zahlen.
Obwohl auch diese Gegenstände schon über 70 Jahre alt und zudem steuerfinanziertes Allgemeingut sind.
Hier ist einiges verschoben und braucht Klärungsbedarf.
Schließlich beinhaltet eine Photoveröffentlichung auch eine kostenlose Werbung für jedes Museum, Dom oder Stadt Köln.
Alles richtig und auch meine
Alles richtig und auch meine Meinung. Nur eines muss man mal klarstellen, der Dom ist mitnichten steuerfinanziert, den größten Teil haben die Bürger und die Kirche aus Eigenengagement zusammengetragen, der preußische Anteil am Dom ist dagegen verschwindend gering.
Ich finde diese Regelung auch nur OK, wenn jemand mit den Bildern Geld verdienen will, denn das sind ja Bilder von Allgemeingut. Analog zu dieser Regel sollten natürlich die Bilder des Archivgutes auch zur freien Verfügung stehen. Aber der Amtsschimmel und die Bürokraten tun sich mitunter schwer zu verstehen, dass sie die Gemeingüter nicht besitzen sondern nur verwalten...
...und der Dom hat seit
...und der Dom hat seit Fertigstellung auch keinerlei Wartung, Restauration oder Betriebskosten verursacht?
Diese Kosten werden nicht
Diese Kosten werden nicht vom Steuerzahler übernommen, sondern vom Eigentümer - der Kirche - und freiwilligen Spenden.
Und die Kirche erhält
Und die Kirche erhält Steuern von wem?
:-) Gute Frage...da rate ich
:-) Gute Frage...da rate ich mal mit! Vom Steuerzahler? Liege ich da einigermaßen richtig? Doch nicht nur vom Kirchensteuerzahler. Das priesterliche Personal ist beamtet und wird von allen Steuerzahlern getragen. Daher nennt man die Kirche in Deutschland auch Amtskirche.
Die Bau- und Baupflegemaßnahmen der Kirche werden in der Tat vom Kirchensteuerzahler bezahlt. Die Kirche jetzt aber deswegen arm und unterfinanziert zu nennen wäre ein, sagen wir mal, etwas verfrühtes Warnsignal.





Kommentar hinzufügen