Festkomitee Kölner Karneval
So frech werden die Rosenmontags-Wagen
Der Rosenmontag wird von den Kölnern mit Spannung erwartet - auch wegen der bunten Wagen im Rosenmontagszug. Zugleiter Christoph Kuckelkorn stellte am Mittwoch die Wagen für den närrischen Höhepunkt vor. Auch in diesem Jahr wird politisch provokant persifliert. Themen gab es 2009 schließlich mehr als genug, erklärte Kuckelkorn.
Von Christian Rentrop
In Köln, aber auch national und international war 2009 ein überaus turbulentes Jahr. Das Festkomitee und die Karnevalsgesellschaften lassen es sich deshalb nicht nehmen, dieses Geschehen im Rahmen des Rosenmontagszuges mit 32 Persiflage-Wagen humorig zu verarbeiten. So veralbern die Wagen nicht nur die Wirtschaftskrise und den Regierungswechsel, sondern auch Barack Obama, die Energiesparlampe oder die Blitzer auf der Zoobrücke. Insbesondere Oberbürgermeister Roters und der Einsturz des Stadtarchivs hat es den Karnevalisten angetan.
Stadtarchiv, Roters und die Energie
So zeigt ein Wagen einen dicken Elefanten mit einem U-Bahn-Symbol, der das Stadtarchiv zum Einsturz bringt. Daneben sitzen die drei bekannten japanischen Sanzaru-Affen als KVB, Stadt Köln und Gutachter in einem Berg Archivalien und halten sich Augen, Ohren und Mund zu. Der Wagen spiegelt recht gut das Gefühl, das viele Kölner nach dem Einsturz des Stadtarchivs hatten.
Auch der Wechsel im Rathaus wird thematisiert. Auf einem Wagen steht Oberbürgermeister Roters als Herkules im Adamskostüm und schwingt - frei nach der griechischen Mythologie - die Klüngelkeule gegen Korruption und Pleitegeier im Augiasstall Köln. Auf dem Wagen zum zehnjährigen Jubiläum der Kölner Lichter wird die Glühbirne Schramma von der kölschen Jungfrau gegen die Energiesparlampe Jürgen Roters ausgetauscht. "Den Rest können Sie selbst interpretieren", lacht Zugleiter Kuckelkorn während der Vorstellung des Wagens.
Elektroautos und Atomkraftwerke
Auf dem Wagen "Kölner Rotlichtmillieu" wird die neue Blitzanlage an der Zoobrücke auf die Schippe genommen, die bei vielen Kölnern unangenehme Erinnerungen weckt. Und auch die Liebesschlösser an der Hohenzollernbrücke sind Thema eines Wagens.
Auch an deutschlandweiten Themen haben die Vereine einiges zu bieten: Der Wagen "Einschuldung" zeigt, wie es rapide mit den deutschen Staatsschulden aufwärts geht, während die Bildung leidet. Und der Wagen "Der Umwelt zuliebe" zeigt das Risiko der aktuellen Elektroauto-Manie, nämlich, dass vermeintlich grüne Technik extrem umweltschädlich sein kann, dann nämlich, wenn sie von einem Atomkraftwerk gespeist wird.
Obama, Ahmadinedschad, Merkel und die Schweiz
International boten vor allem die gescheiterte Klimakonferenz, Barack Obama das Minarettverbot und die Finanzkrise Steilvorlagen für amüsante Wagenpersiflagen: Der "Finanz-Thriller" zeigt die drei Zombies "Bankster", "Finanzguru" und "Manager", wie sie aus ihrem Grab auferstehen, um die Welt wieder zu bedrohen. Ein anderer Festwagen zeigt Barack Obama im Bett mit dem chinesischen Premier, wie einst John Lennon mit Yoko Ono. Angela Merkel steht sauertöpfisch als Göttin Europa daneben und hält ein Nudelholz mit "gemeinsamen Werten".
Überhaupt, Obama: Der amerikanische Präsident muss im Rosenmontagszug einstecken, der Wagen "Das dicke Ende kommt noch" zeigt Irans Präsident Ahmadinedschat, wie er ein trojanisches Pferd mit einer Atombombe in das vom US-Präsidenten besetzte Fort der freien Welt zieht. Und auch die Schweizer müssen sich wegen des Minarettverbots veralbern lassen.
Noch einige Überraschungen
Die Wagen verheißen wieder etwas mehr politische Brisanz im Rosenmontagszug. Christoph Kuckelkorn zeigte sich zuversichtlich: "Provokation ist hoffentlich genug dabei." Doch nicht nur die großen Persiflagewagen sind einen Blick wert, auch die Baggagewagen haben in diesem Jahr viel Potential. "Seien Sie sicher", orakelt Kuckelkorn, "dass im Rosenmontagszug noch einige Überraschungen auf Sie warten."
(Erstellt am 20. Januar 2010 - 16:36 Uhr; aktualisiert 21. Januar 2010 - 16:08 Uhr)
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Kommentare
> Themen gab es 2010
> Themen gab es 2010 schließlich mehr als genug, erklärte Kuckelkorn. <
Ihr meint ja wohl 2009 das Jahr 2010 hat ja gerade erst begonnen.
Sie haben Recht. Wir waren
Sie haben Recht. Wir waren unserer Zeit nicht voraus, sondern haben den Fehler jetzt korrigiert.









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