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"Ich nehme den Film an!"

Premiere "Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben" im Cinenova

Man kennt ihn seit vielen Jahren als gnadenlosen Kritiker der deutschen Literatur, seine Meinung kann den Werdegang neuer Autoren maßgeblich beeinflussen. Doch Marcel Reich-Ranicki hat nicht nur viel gelesen, er hat auch viel erlebt. Auf ergreifende Weise wird dies verdeutlicht durch die Verfilmung seiner Autobiographie "Mein Leben", die am vergangenen Mittwoche im Cinenova Köln-Ehrenfeld Premiere feierte.  

Von Julia Schmitz

"Ich sage allen Beteiligten Danke für diesen Film. Vielen Dank." Marcel Reich-Ranicki war sichtlich ergriffen, als Produzententeam und Schauspieler ihn nach rund 90 Minuten auf die Bühne holten, handelt der Film doch von den jungen Jahren seines eigenen Lebens. Diese waren nicht nur von seiner intensiven Liebe zur Literatur, sondern vor allem durch die grausame Unterdrückung durch die Nazi-Diktatur geprägt. 

Marcel Reich wurde am 2. Juni 1920 in Wloclawek als polnischer Jude geboren. Nach der erfolgreichen Beendigung seiner schulischen Laufbahn in Berlin ist es sein Wunsch, dort Germanistik zu studieren. Aufgrund seiner Herkunft wird ihm dies jedoch verweigert, er wird nach Polen deportiert. Es folgen Jahre voll widriger, unwürdiger Verhältnisse im Warschauer Ghetto, in welchem er und seine Familie ab 1940 zu wohnen gezwungen werden, und unter welchen er seine große Liebe Teofila Langnas, genannt Tosia, kennenlernt. 

Gemeinsam gelingt es dem jungen Paar der Deportation durch die Nationalsozialisten, der unter anderem die Eltern und der Bruder Reich-Ranickis zum Opfer fallen, zu entgehen und bei einem nicht-jüdischen Paar auf dem Land ein Versteck zu finden. Mit eisernem Überlebenswillen und dem Erzählen von Geschichten überstehen die Beiden Hunger und Kälte, bis sie durch die Rote Armee befreit werden. 

Einen Film zu drehen unter den Augen des gefürchteten Literaturkritikers sei gar nicht so einfach gewesen, gab Regisseur Dror Zahavi im Anschluss der Vorführung zu. Die Bürde, es ihm recht zu machen, habe "wie ein Damoklesschwert" über den Dreharbeiten gehangen. Mit dem Ergebnis seien jedoch alle sehr zufrieden. Es bestünde auch keine Angst mehr, Reich-Ranicki könnte auf die Bühne treten und sagen "Ich nehme den Film nicht an!", sagte Michael Schmid-Ospach, Leiter der Filmstiftung NRW, die die Produktion unterstützt hatte. 

Der Produzentin Katharina M. Trebitsch ist es gelungen, die Autobiographie des polnischen Kritikers, der sich trotz all dem, was ihm die Deutschen angetan haben, mit der Literatur dieses Landes verbunden fühlt und seit vielen Jahren hier lebt, zu einem eindringlichen Portrait umzusetzen. Matthias Schweighöfer und Katharina Schüttler brillieren in den Rollen Marcel und Tosia, aber auch die Nebenrollen erweisen sich als geschickt besetzt. Besonders Joachim Król in seiner Rolle als Vater David Reich sticht heraus mit seiner Darstellung der Zerbrechlichkeit und Labilität dieses Menschen.

Der Film hinterlässt Beklemmung und Nachdenklichkeit bei den Zuschauern. Und das Gefühl, Worte und Handeln der kontroversen Person Marcel Reich-Ranickis von nun an besser verstehen zu können. 

"Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben" wird am 10. April um 21 Uhr auf ARTE, sowie am 15. April um 20:15 Uhr auf ARD ausgestrahlt.

(Erstellt am 19. März 2009 - 9:35 Uhr; aktualisiert 19. März 2009 - 17:03 Uhr)


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Kommentare

"Es gibt kaum Menschen, die

"Es gibt kaum Menschen, die sich ehrlicher und unverstellter äußern und
mit einer solchen Klarheit und seinem profunden Wissen ihre Meinung und
Kritik äußern."

Genau das ist es ja, was häufig kontrovers diskutiert wird. Nicht von mir allerdings. Ich halte Herrn Reich-Ranicki für einen großartigen Literaturkritiker!

 

Ich möchte noch etwas

Ich möchte noch etwas hinzufügen. Es betrifft die beiden Schlusssätze:
Der Film hinterlässt Beklemmung und Nachdenklichkeit bei den Zuschauern. Und das Gefühl, Worte und Handeln der kontroversen Person Marcel Reich-Ranickis von nun an besser verstehen zu können. - heißt es da. Was bitte, ist an Marcel Reich-Ranitzki kontrovers, und inwiefern sollte man ihn besser verstehen können. Es gibt kaum Menschen, die sich ehrlicher und unverstellter äußern und mit einer solchen Klarheit und seinem profunden Wissen ihre Meinung und Kritik äußern. Dieser letzte Satz liest sich so, als suchte man eine Rechtfertigung für die Haltung des Mannes, die er nicht nötig und nicht verdient hat.

Der Film ist hervorragend.

Der Film ist hervorragend. Er hatte nichts von dem "Reißerischen" vergleichbarer Filme in Deutschland, was ich befürchtet hatte, sondern war im Gegenteil sehr unspektakulär inszeniert. Gerade das Unspektakuläre hat eine große Rührung erzeugt; es war richtig. Genau so hat es stattgefunden. Durch die eingespielten Dokumentaraufnahmen bekam er noch zusätzlich Authentizität, was durch die Leistung der Schauspieler noch untermauert wurde. Das Casting war optimal. Sämtliche Darsteller lagen künstlerisch auf einem Level. Gutes Zusammenspiel, großartige Darsteller, gute Schauspielerführung, ein Film der auf sentimentale Effekthascherei verzichtet und die ungeschminkte Wahrheit der deutschen Geschichte dieser Zeit wirft - ohne euphemistische Verklärung und Mitleidsheischerei. Diesen Film sollte sich jeder ansehen.

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