Einsturz des Stadtarchivs
Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Pfusch beim U-Bahn-Bau
Von Sabine Meuter und Markus PetersKöln (ddp-nrw). Im Zusammenhang mit dem Bau der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft gegen zwei leitende Mitarbeiter der beteiligten Unternehmen wegen Pfusch am Bau.
Bildergalerie: Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs
Einen Zusammenhang mit dem folgenschweren Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser am 3. März vergangenen Jahres sieht die Ermittlungsbehörde aber derzeit nicht.
Gegen einen Polier und einen weiteren verantwortlichen Bauarbeiter seien Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Unterschlagung und des Betrugs eingeleitet worden, erklärte ein Justizsprecher am Dienstag. Sie sollen in einer Außenwand, die das U-Bahn-Bauwerk sichern sollte, weniger Eisenbügel als vorgegeben eingeflochten haben. Die so eingesparten Stahlstangen sollen an einen Schrotthändler verkauft worden sein. Der Bauarbeiter will auf Anweisung seines Poliers gehandelt haben.
Kein Zusammenhang mit Einsturz
«Es sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass die fehlerhafte Montage in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Havarie der Baugrube am 3. März steht», betonte der Sprecher weiter. Aus diesem Grund würden die Ermittlungen auch in einem getrennten Verfahren geführt.
Polier weist Vorwürfe zurück
Der beschuldigte Polier soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Er ist laut der Online-Ausgabe des «Kölner Stadt-Anzeigers» vom Dienstag an den U-Bahn-Arbeiten für die Wehrhahn-Linie in Düsseldorf beteiligt. Dort werde das gleiche Bauverfahren angewandt wie in Köln, der sogenannte unterirdische Schildvortrieb.
Der Mann wurde inzwischen von seinem Arbeitsplatz abgezogen. «Bis zur abschließenden Klärung der Vorwürfe in Köln möchte ich möglicherweise involvierte Personen nicht mehr auf U-Bahn-Baustellen in Düsseldorf sehen», erklärte der Düsseldorfer Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU). Die Sicherheit gehe vor. Zusätzlich werde die Stadt die Bauarbeiten noch schärfer kontrollieren. Für den Bau der auch in Düsseldorf verwendeten Schlitzwände wurden Sonderprüfungen angesetzt. Dabei werden auch die Schlitzwand-Protokolle geprüft, an denen der beschuldigte Polier beteiligt war.
Bauprotokolle gefälscht?
Der etwa 3,50 Meter breite Abschnitt der Außenwand, in dem die Metallbügel fehlen, befindet sich vor der zur Severinstraße gelegenen Front des zerstörten Archivs. Es soll derselbe Abschnitt sein, in dem ein Gutachter bereits vor Monaten «Auffälligkeiten» entdeckt hatte. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass das gesetzlich vorgeschriebene Protokoll für diesen Bauabschnitt gefälscht worden sein soll.
Als Reaktion auf die Ermittlungsverfahren ließen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) als Bauherrin der Stadtbahn die Schlitzwände sämtlicher Baugruben durch externe Spezialisten überprüfen. Diese hätten keine Auffälligkeiten gefunden. Alle Bauwerke der Nord-Süd Stadtbahn Köln seien in ihrem derzeitigen Zustand stabil und standsicher.
Der Einsturz des Stadtarchivs und zweier benachbarter Wohnhäuser in Köln am 3. März 2009 wird mit dem U-Bahn-Bau in Verbindung gebracht. Damals waren zwei junge Männer ums Leben gekommen und zahlreiche historische Dokumente verschüttet und beschädigt worden. Ein Wassereinbruch in die U-Bahnbaustelle am Stadtarchiv gilt bislang als die wahrscheinlichste Unglücksursache.
Die Ermittlungen zum Einsturz des Stadtarchivs richteten sich weiter gegen Unbekannt, sagte der Justizsprecher.
(Erstellt am 8. Februar 2010 - 20:58 Uhr; aktualisiert 9. Februar 2010 - 23:13 Uhr)
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Kommentare
Wer schon mal ein Haus
Wer schon mal ein Haus gebaut hat, weis wie schnell sich Arbeiter und Handwerker aller Sparten Material unter den Arm klemmen. Es gibt genug Häuslebauer die darunter leiden.
Nur wenn die Aufsicht funktioniert, kann der Baupfusch und der Diebstahl eingedämmt werden.
Zwei Tote (habt Ihr die
Zwei Tote (habt Ihr die schon vergessen???), der Verlust eines Archives von europäischer Bedeutung, ein riesiger Verlust an Kulturgut, Sachschäden in astronomischen Höhen, Vertrauensverluste und was passiert in Köln? Nichts, einfach nichts. Wo ist denn der Bürger-Protest in Köln gegen die Lügen, Rauchbomben zur Vernebelung der Verantwortlichkeiten und die Korruption???
und nichts ist so alt, wie
und nichts ist so alt, wie die Zeitungsnachricht vonm Morgen:
14:20 (AFP)
Staatsanwaltschaft weist Spekulationen zurück
Kölner Stadtarchiv nicht wegen mutmaßlichem Pfusch eingestürzt
Köln (AFP) - Nach Berichten über Pfusch beim Bau der Kölner U-Bahn hat die Staatsanwaltschaft einen Zusammenhang mit dem Einsturz des Stadtarchivs vor fast einem Jahr verneint. Die von einer Zeitung erwähnten Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Baufirma beträfen ein getrenntes Untreue- und Betrugsverfahren und hätten nichts mit den Untersuchungen zu der eigentlichen Unglücksursache zu tun, erklärte die Anklagebehörde am Dienstag in Köln. Es seien keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass "die fehlerhafte Montage der Bewehrungskörbe in einem ursächlichen Zusammenhang" mit dem Einsturz des Stadtarchivs stehe.
Man soll halt nicht alles Glauben was in der Zeitung steht ...
Ich fahre gerne mit der
Ich fahre gerne mit der Bahn!
Äußerst seltsam, dass ein
Äußerst seltsam, dass ein Bauarbeiter Baumaterial aus solch einer überwachten Baustelle verkauft haben kann. Wo war die Bauaufsicht? Wo ist die KVB gewesen? Und wo ist die Stadt Köln als oberster Bauherr gewesen, dass Material überhaupt verschwinden kann?
Wer kontrollierte denn überhaupt, was auf den Hochrisiko-Baustellen geschieht?
Verantwortlich bleibt doch die Stadt Köln als oberster Bauherr und damit unser Oberbürgermeister!
wundert mich alles nicht!
wundert mich alles nicht! eigentlich haben sich seit dem mittelalter garnicht so viele dinge geändert. zumindest nicht im kopf der menschen:
die königshäuser mit ihrem adel und hofschranzen sind die heutigen industrieunternehmen. sie herrschen und zerstören (z.B. gerne unsere umwelt) wenn ich dann noch an das raubrittertum einiger der exekutiven (polizei, ordnungsamt etc.) denke fallen mir die büttel und raubritter ein. vielleicht müssten bald mal wieder "ein paar Köpfe rollen" (passte jetzt so gut ins mitteraltliche). nein mal ehrlich, wen wundert es, wenn die fetten immer fetter und die armen immer ärmer und jetzt auch noch schuldiger werden....
alaaf oder bloss kein einsturz-äh-absturz-prost
Wie leicht die Leute zu
Wie leicht die Leute zu täuschen sind.
Ist doch nur der Bauer geopfert worden.
Wer sich im Baurecht ein wenig auskennt, weiß dass es eine gut bezahlte örtliche Bauüberwachung geben muss.
Wer hat da geschlampt?
Das sind wohl nicht die
Das sind wohl nicht die Politiker welche sich am Einsturz schuldig gemacht haben, eher mal einige von den Baufirmen die geschlampt haben und grosses Geld daraus geschlagen haben. Wäre noch schön wenn sich einige Ehrliche zusammen tun und die Wahrheit vielleicht an Licht gebracht wird.
Jetzt kommt also langsam die
Jetzt kommt also langsam die ganze Schmutzwäsche ans Licht. Weiter so - ein Lob an den ehrlichen Arbeiter, der genug Eier in der Hose hatte, mit der Wahrheit rauszurücken! Hoffentlich kommen da auch noch Geständnisse von weiter oben in der Hierarchie nach...
die Richtig schuldige ...
die Richtig schuldige ... die Bosse und Politiker...die gehen Dick und Reich in Pension...sie sind unantastbar... schade ,,,aber traurige Wahrheit
Diese Äußerung kann ich
Diese Äußerung kann ich nicht nachvollziehen. Wer schonmal was gebaut hat, weiss was alles an Baustellen schief läuft. Da werden Materialen abgerechnet die nie verbaut wurden. Material verschwindet, Arbeiten werden nicht Fachgerecht erledigt uvm. Immer nur die Schuld bei den "Bossen" und "Politikern" zu suchen, ist doch etwas zu simpel. Sollte sich das ganze auch so bewahrheiten, wie es derzeit aussieht, hat wohl jemand (und zwar ein kleines Licht) seine persönlichen Interessen über die Interessen aller gestellt. Ist ja nicht unüblich in unserer Gesellschaft. Ob er die Folgen absehen konnte oder nicht, wer weiss das schon. Fraglich ist, ob den vagen Hinweisen des erwähnten Gutachters (wo auch immer der her kam) nicht eine genauere Prüfung hätte folgen müssen. Immer alles auf die Bauaufsicht zu schieben, ist lächerlich. Wo und wie die funktioniert, weiss jeder der schonmal bei einem Großprojekt mitgewirkt hat. Haften für die Schäden muss sowieso der Bauherr. Inwieweit da Regressansprüche an Baufirmen oder die Beteiligten zu stellen sein werden bleibt abzuwarten.
Diese Äußerung kann ich
Diese Äußerung kann ich nicht nachvollziehen. Wer schonmal was gebaut hat, weiss was alles an Baustellen schief läuft. Da werden Materialen abgerechnet die nie verbaut wurden. Material verschwindet, Arbeiten werden nicht Fachgerecht erledigt uvm. Immer nur die Schuld bei den "Bossen" und "Politikern" zu suchen, ist doch etwas zu simpel. Sollte sich das ganze auch so bewahrheiten, wie es derzeit aussieht, hat wohl jemand (und zwar ein kleines Licht) seine persönlichen Interessen über die Interessen aller gestellt. Ist ja nicht unüblich in unserer Gesellschaft. Ob er die Folgen absehen konnte oder nicht, wer weiss das schon. Fraglich ist, ob den vagen Hinweisen des erwähnten Gutachters (wo auch immer der her kam) nicht eine genauere Prüfung hätte folgen müssen. Immer alles auf die Bauaufsicht zu schieben, ist lächerlich. Wo und wie die funktioniert, weiss jeder der schonmal bei einem Großprojekt mitgewirkt hat. Haften für die Schäden muss sowieso der Bauherr. Inwieweit da Regressansprüche an Baufirmen oder die Beteiligten zu stellen sein werden bleibt abzuwarten.









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