"Erschließung für Investoren"
Flugblatt-Vorwürfe gegen den U-Bahn-Bau
Von Sebastian ReichertEin unscheinbarer Mann in Jeans, schwarzer Jacke und mit schwarzem Rucksack verteilt in der U-Bahn nach der Station "Friesenplatz" Flugblätter. "Genug geplant! Genug gemurkst! Genug zerstört! Völlig unnötiger U-Bahn-Bau gehört sofort gestoppt!" steht dort drauf. Die Hauptthese: Die Nord-Süd-Bahn werde eigentlich nur gebaut, damit der Großmarkt für einen "sich viel Profit versprechenden Investor" erschlossen wird.
Hinter dem Flugblatt steckt die Bürgerinitiative "Natur, Bildung und Soziales, Bürger informieren Bürger" (Nabis) - verantwortlich zeichnet Ottmar Lattorf. "Wir können der offiziellen Begründung zum Bau der U-Bahn nicht glauben", erklärt Lattorf koeln.de auf Nachfrage. Wenn es um die Anbindung der Südstadt gegangen wäre, hätte auch kostengünstiger die alte Rheinufer-Bahn wieder in Betrieb gesetzt werden können. Volkswirtschaftlich mache der U-Bahn-Bau auch keinen Sinn.
1000 Flugblätter hat Lattorf zunächst nach eigenen Angaben drucken lassen und diese mit mit fünf, sechs Nabis-Leuten zum Trauermarsch am 17. März verteilt. "Alle Flublätter waren in zehn Minuten weg", sagt Lattorf, der noch einmal 4000 Exemplare nachdrucken ließ. Mittlerweile habe der Nabis-Mann rund zehn verschiedene Versionen des Flublattes gesehen. "Die Bürger kopieren sich das Blatt und verteilen die Din-A5-Zettel." Auch der Verteiler am Friesenplatz habe nicht zu Nabis gehört.
Weitere Indizien sprechen laut Lattorf für die publik gemachte These: Denn der Großmarkt, der sich dort befindet, wo die neue U-Bahn enden soll und wo bisher kaum jemand wohne, müsse eigentlich auch nicht verlegt werden. Genau das plane aber die Stadt. Den von der Stadt kritisierten Lkw-Verkehr könne man nämlich auch einfach dadurch aus der Südstadt entfernen, indem die existierende Schienenanbindung genutzt werde.
"Übrig bleibt nach der Verlegung des Großmarktes - ein Gebiet, so groß wie ein eigener Stadtteil - ein städtebauliches Filetstück allererster Güte", so Lattorf, der sagt, dass er als Musiker einen Proberaum im Großmarkt habe. Alle städtebaulichen Filetstücke, die die Stadt Köln in den letzten 15 Jahren geschaffen habe, seien an den Esch-Oppenheim-Fond gegangen. "Es passt alles. Ich fresse einen Besen, wenn das nicht auch mit dem Großmarkt-Gelände so kommt", sagt Lattorf.
Das Fazit des Flugblattes: Es gehe bei dem Bau der U-Bahn in erster Linie um die Erschließung des Großmarkts im Kölner Süden und der Gebiete drumherum. Denn nur in gut erschlossenen Gebieten lasse sich mit neuen Bau-Projekten viel Geld verdienen. Unterdessen will Nabis eine von der Politik unabhängige Bürgerversammlung zum Thema U-Bahn-Bau ins Leben rufen. Eine vorbereitende Sitzung solle deshalb am Dienstag, 31. März, ab 19 Uhr in "Ricos Saloon" in der Severinstraße 68-70 stattfinden.
(Erstellt am 26. März 2009 - 12:30 Uhr; aktualisiert 27. März 2009 - 18:34 Uhr)
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Kommentare
Was ist den so schlimm daran
Was ist den so schlimm daran dass 10.000 Wohnungen gebaut werden sollen? Seien Sie doch froh über solche Projekte. Soll derartiges in Düsseldorf oder Bonn umgesetzt werden?
Es war schon immer so, dass Bahnen zur Entwicklung von Gebieten gebaut/genutzt werden.
Der in Köln jahrzehntelange, lieblos- zusammengeklatschte Nachkriegs-Billigbau könnte "Was Neues" sehr gebrauchen.
Die Bürgerschaft sollte nur darauf achten, dass dies auch im Sinne von Mensch und Stadtbild geschied. Entscheidungen für oder gegen Stadtbild/Mensch ist nicht mit einem schlampigen U-Bahn Bau verknüpft oder abhängig. Es gibt in Köln genug Flächen die dringend eine Auffrischung vertragen könnten.
Wenn der Oppenheim-Esch-Fonds zur Projektentwicklung nicht passt nehmen sie halt einen anderen.
Ich habe nichts gegen 10.000
Ich habe nichts gegen 10.000 Wohnungen. Es ist nur immer die gleiche Heimlichtuerei in Köln. Dieses Geschiebe der Geschäfte unter den immer gleichen Leuten. Der Oppenheim Esch-Fond kommt bisher z.B. immer risikolos weg. Das Risiko und die Kosten trägt letztendlich die Stadt Köln, d.h. wir Kölner.
Und wer vertritt die Kölner Bürger?
Es sind nicht nur die lieblos zusammengeklaschten Billigbauten. Die werden ja mittlerweile nach und nach durch noch hässlichere Betonbauten ersetzt die ein grausiges Stadtbild fördern.
Uns gehen in Köln die Naturplätze verloren. Wir laufen nur noch auf Beton, Beton, Beton. In Köln benötigen wir aber unbedingt begrünte Flächen und kleine Parkanlagen für die kleine Erholung beim Einkauf, zum durchatmen, für Familien mit ihren Kindern.
Eben in kurzen Abständen kleine Naturinseln innerhalb der Stadt.
zu JSW am 26. März 2009 -
zu JSW am 26. März 2009 - 20:05. :
Bravo! Genau so ist es.
Im übrigen ist es halt auch einfach nur ärgerlich, wenn man bei der Stadtverwaltung denkt, man müsse ja lieber dem Prestige genüge tun (U-Bahn, wow!) anstatt eine genauso funktionelle, aber einfachere Lösung zu verwirklichen (Reaktivierung der alten Rheinuferbahn, wie im Flugblatt erwähnt).
Um per Rheinuferbahn die neuen 10000 Wohnungen an das Bahnnetz anzuschließen hätte dann sogar ein kleiner Kopfbahnhof im dortigen Veedel genügt, der an die Rheinuferstrecke "angeflanscht" geworden wäre - bzw. warum nicht einfach zusätzlich die alte Linie 6 reaktivieren??? Die hatte doch sogar am Bonner Wall ne Haltestelle, soviel ich weiß... Aber nein, so eine naheliegende Lösung war denen da oben wohl zu "ordinär"...
In Bürgerkreisen geht
In Bürgerkreisen geht dieses doch schon lange umher. Der Großmarkt soll verlegt werden um einem Investor für mehr als 10.000 Wohnungen Platz zu schaffen. Voraussetzung für die Investition war aber eine Anbindung an die Innenstadt.
Was aus Köln baulich in den letzten 10 Jahren geworden ist, ist eine Schande.
Was man bei Stadt Köln
Was man bei Stadt Köln vielleicht nicht bedenkt: Die Meinung der Bürger zum U-Bahnbau könnte sich angesichts des enstandenen Mißtrauens und den sichtbar gewordenen Unfähigkeiten durchaus geändert haben...Da wären diplomatischere Worte der Stadtsprecherin Schürmann etwas besser angekommen. Aber die Wahl des Inhaltes ist sicher nicht allein ihre Verantwortung.










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