Diffamierender Explosiv-Beitrag

Empörung in der Gamer-Szene nach TV-Bericht

Seit wenigen Tagen geht eine Protestwelle durch die Welt der Gamer. Der Grund: Am 19. August portraitierte die RTL Sendung Explosiv die Besucher der Spiele-Messe Gamescom als stinkende, gewaltverherrlichende, biertrinkende Nerds. Das Technik- und Entertainment Portal GIGA startete bereits eine humorvolle Gegenkampagne. User rufen zur Programmbeschwerde auf. RTL entschuldigte sich inzwischen auf seiner Webseite für den Beitrag.

Von Viola Niedenhoff

 "Die Verallgemeinerung und Überzeichnung des Beitrags war ein Fehler. Wenn wir damit Gefühle verletzt haben sollten, entschuldigen wir uns ausdrücklich dafür," heißt es auf rtl.de. Ob damit den Protesten der Wind aus den Segeln genommen wird, wird sich zeigen müssen.

Doch woran entfachte sich die Empörung der Spiele-Fans? Am Freitag der Gamescom brachte RTL in der Sendung Explosiv einen Beitrag über die Gamescom, den Moderatorin Nazan Eckes mit diesen Worten ankündigte: "Sollten doch irgendwann Außerirdische auf der Erde landen, könnten sie auf folgender Veranstaltung wirklich enge Freundschaften schließen". Die rund 275.000 Gäste der fünftägigen Veranstaltung, vom 17. bis 21. August, werden in dem darauf folgenden Beitrag als unhygienische, alkoholisierte, gewalt-verherrlichende Dauerdaddler - schlichtweg als abstruse Sonderlinge darstellt.

Als Expertin des Beitrages fungiert eine Messehostess, die die "Computerfreaks" in drei verschiedene Typen kategorisiert: Sie unterscheidet die "Verkleideten", die "In-sich-gekehrten" und die "Unhygienischen". Anschließend führt sie das Reporterteam durch die Messehallen, um passende Beispiele zu finden.

"Ich glaube, er legt nicht viel Wert auf sein Äußeres" urteilt sie über einen Messebesucher und bemängelt sein unrasiertes Gesicht. Auch der Off-Sprecher des Beitrages kommt zu dem Schluss, dass der Einheitslook der Messebesucher aus dunklen Schlabberklamotten besteht, "die manchmal etwas streng riechen".

Empörung in der Gamer-Szene

"Komisch, dass das RTL-Team die Gamescom lebendig verlassen hat", kommentiert Youtube-User BisaLP das Video, dass mittlerweile hundertfach auf der Videoplattform gepostet und mehrere tausende Male geklickt wurde. Auch in Spieleforen wie http://www.areagames.de wird sich über die einseitige Berichterstattung des Privatsenders empört.

Viele Gamer fühlen sich beleidigt und fordern andere User auf, eine Programmbeschwerde gegen RTL einzureichen. So auch Zword, ein Communitymitglied von http://www.wartower.de, der auf das Bürgerportal der Landesmedienanstalten www.programmbeschwerde.de verweist, über das man online Beschwerde gegen Sendungsformate und einzelne Beiträge einlegen kann.

Und offenbar funktionieren Protest-Aufrufe wie diese: Am Donnerstagmittag (25. August) veröffentlichten die Medienanstalten einen Hinweis, dass in kürzester Zeit bereits über 6.800 Online-Beschwerden eingegangen seien. Auf Grund einer Überlastung des Servers ist die Website sogar zeitweise nicht verfügbar.

Böse-Facebook Kommentare vom verantwortlichen RTL-Redakteur

Obwohl für alle bundesweit verbreiteten Fernsehprogramme die allgemeinen Programmgrundsätze, insbesondere die Achtung der Menschenwürde gilt, zeigt sich der zuständige und für den Beitrag verantwortliche RTL-Redakteur, Tim K., uneinsichtig. Seine Facebookseite hat der Angestellte inzwischen auf privat gestellt, damit diese nicht mehr für die Öffentlichkeit einsehbar ist. Dennoch zitieren Spiele-Portale seine unangemessenen Bemerkungen auf der Pinnwand, die an die Klischees im Beitrag anknüpfen. 

"Nachdem was die Freaks mir so schreiben, glaube ich, man hätte die in ihrer Mehrzahl noch härter angehen müssen. Viele kranke Hirne unterwegs", soll er laut http://www.areagames.de nach Eingang der ersten Beschwerden gepostet haben. Mittlerweile entschuldigt sich K. auf der Facebook-Seite der Gamescom für seine "unüberlegten Kommentare"; ein ausführliches Statement zu seinem Beitrag gibt er allerdings nicht ab. Sein Arbeitgeber distanziert sich von den Äußerungen, in der Stellungnahme auf rtl.de heißt es dazu: "Der bei facebook privat gepostete Kommentar des RTL-Redakteurs war ausschließlich dessen private Meinung und in keinster Weise die von RTL".

GIGA kontert mit Veräppelungs-Video

Redakteure des Technik- und Unterhaltungsportals GIGA haben mittlerweile auf den RTL Explosiv Beitrag reagiert und den Spieß umgedreht - ganz nach dem Motto "Wer sich mit den Gamern anlegt – legt sich auch mit GIGA an!". Herausgekommen ist ein Videobeitrag, der ironisierenderweise die "schrecklichen Zustände, die bei RTL herrschen" offenlegt. Gezeigt werden körperlich-füllige RTL-Mitarbeiter mit dicker Fast Food-Ration in der Mittagspause, sowie langhaarige, männliche Mitarbeiter mit Pferdeschwanz.

Während die Antwort auf die Gamescom-Reportage im Internet immer mehr Fans aufweist (auf Youtube wurde das Video seit Donnerstag, dem 24. August, 145.683 geklickt), reduziert sich Anzahl der online verfügbaren RTL Videos. Wegen des Urheberanspruchs des Senders sind viele der Videos mittlerweile nicht mehr verfügbar. 

In der Annahme, dass RTL das Video Schritt für Schritt aus dem Netz ziehen will, rufen Youtube-Nutzer dazu auf sich das Video herunterzuladen und auf dem lokalen Rechner zu sichern. Noch ist der Beitrag jedoch "on demand" auf der Website des Senders verfügbar.

Unfreiwillig verfügbar war zeitweise auch eine Anzeigetafel mit dem Text "GAMEZ" auf RTL.de - eine Hacking-Attake, die den Unmut der Gamer demonstriert.

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