Widerstand gegen Einkaufszentrum

Bürger wollen Kultur und Wohnungen auf Helios-Gelände

Kein Einkaufszentrum, stattdessen – in dieser Reihenfolge – Kulturstätten, Grünflächen, Kreativ-Wirtschaft und Wohnen: Das wollen die Menschen, die sich am Wochenende zwei Tage lang Gedanken über die künftige Nutzung des Helios-Geländes in Ehrenfeld machten.

Rund 700 waren nach Angaben der „Bürgerinitiative Helios“ gekommen, um in verschiedenen Abeitsgruppen, beraten von Vertretern der Kölner Verwaltung, ihre Ideen zu entwickeln. Am Samstag stellten sie die Ergebnisse des Workshops im Berufskolleg Ehrenfeld vor.

Übereinstimmung herrscht danach auch darüber, dass das rund 40.000 Quadratmeter große ehemalige Fabrikgelände keine die anderen dominierende Nutzung erhalten soll. Weiter wird ein Wegenetz gefordert, das den Zu- und Durchgang von allen umliegenden Straßen – Venloer Straße, Ehrenfeldgürtel, Vogelsanger Straße und Heliosstraße – erlaubt. Gewünscht wird außerdem ein Durchbruch unter der Bahnlinie Köln-Aachen zum Bezirksamt mit dem benachbarten Parkhaus. Schließlich soll das Gelände autofrei bleiben.

Die meisten wollen die denkmalgeschützte Rheinlandhalle unterhalb des Ehrenfelder Leuchtturms in einen Veranstaltungsort für Kulturveranstaltungen umwandeln. Auch das „Underground“ soll erhalten bleiben, eventuell an einer anderen Stelle des Karrees. Unterschiedliche Vorstellungen gibt es über Lage und Art der Wohnungen, die Beibehaltung der „Handwerkermeile“ entlang der Heliosstraße, den Umfang der Gastronomie, die einzelnen Wege und die Ansiedlung der favorisierten Kleingewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Unklar ist auch noch, wie mit den bestehenden Mietverträgen verfahren werden kann.

Umstritten ist die Ansiedlung der von der Universität ins Spiel gebrachten städtischen „Integrativen Universitäts-Schule“, an der „normale“ Schüler und solche mit Behinderungen oder einem besonderen Förderbedarf gemeinsam unterrichtet werden sollen und an der die Universität Lehrerausbildung ausbinden will. Zwar gab es keine grundsätzliche Kritik daran, auch wurde sie als eine Bereicherung des Viertels angesehen, doch schreckt viele der prognostizierte Platzbedarf von bis zu 25.000 Quadratmetern. Hier legte die Stadt allerdings schon Alternativen vor – etwa einen viergeschossigen Bau. Begrüßt wird, wenn die Schulinfrastruktur – z.B. Sporthalle und Mensa – auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann.

Diese Bürgerwünsche sind eine deutliche Absage an die Vorstellungen des Investors Paul Bauwens-Adenauer, in dessen Plänen ein großes Einkaufszentrum im Mittelpunkt steht. Als „Gegenmaßnahme“ gibt es Pläne, dass zumindest ein Teil des Geländes von Bürgern gekauft wird, um dessen Nutzung bestimmen zu können. Dafür sollen schon Zahlungszusagen über 25.000 Euro vorliegen.

Deutlich wurde bei den Beratungen, dass ein umfassendes Entwicklungskonzept des Stadt für ganz Ehrenfeld mit seinen vielen Unterzentren besteht. Im März wird ein zweiter, weiterführender Workshop stattfinden. Bis dahin, so fordern Vertreter der Bürgerinitiative, soll die Stadt für Transparenz beim Fortgang der Planungen sorgen. (js)

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