Der ewige "kölsche Jung"
100 Jahre Willy Millowitsch
Der Volksschauspieler Willy Millowitsch wäre heute 100 Jahre alt geworden. Für viele ist der Schauspieler, Sänger und Theaterprinzipal bis heute der Inbegriff des Kölners schlechthin.
Von ddp-Korrespondent Markus Peters
Willy Millowitsch kam am 8. Januar 1909 in Köln als Sohn des Schauspielers Peter Millowitsch zur Welt. Die Familie ist seit Generationen dem Theater verbunden, 1896 gründete Willys Großvater die mundartliche Volksbühne, in der sein Enkel in jungen Jahren erste Theatererfahrungen sammelte. Eine klassische Schauspielausbildung hatte Willy Millowitsch nicht. «Gelernt habe ich im Grunde nichts, nicht einmal meinen Beruf», sagte er. Seine Kinder erzählten später, dass ihr Vater sich auch eine Laufbahn als Ingenieur hätte vorstellen können.
Stattdessen übernahm er 1940 die Leitung des Familientheaters. Den Sprung ins Fernsehen gelang Millowitsch am 18. Oktober 1953, als der damalige Nordwestdeutsche Rundfunk das Stück «Der Etappenhase» live als Ersatz für eine kurzfristig ausgefallene Sportübertragung sendete. Es folgten über 100 Übertragungen aus dem Theater in der Kölner Innenstadt. Später wirkte Millowitsch als Nebendarsteller in zahlreichen Filmkomödien und Fernsehproduktionen mit, erhielt als 80-Jähriger als «Kommissar Klefisch» sogar noch eine eigene Krimiserie im WDR-Fernsehen.
Auf der heimischen Bühne reüssierte der Mime bevorzugt in volkstümlich-harmlosen Schwänken und seit Jahrzehnten bewährten Verwechslungskomödien, die ganz auf den Hauptdarsteller zugeschnitten waren. Dabei zeigte der Komödiant eine beachtliche Bühnenpräsenz, die er zumindest gelegentlich für Ausflüge ins ernste Fach nutzte. So spielte er die Hauptrolle in Molieres «Der Bürger als Edelmann» und den Totengräber in Shakespeares «Hamlet».
Auch als Sänger war Millowitsch erfolgreich, sein Hit «Schnaps, das war sein letztes Wort» verkaufte sich mehr als 900 000 Mal. Zum Klassiker wurde aber sein musikalisches Glaubensbekenntnis «Ich bin ne kölsche Jung». In späten Jahren wurde Millowitsch mit Ehrungen überhäuft, unter anderem wurde er Ehrenbürger seiner Geburtsstadt.
Dabei scheute er sich nicht, Stellung zu beziehen: Als 1992 in Köln Bands und Künstler unter dem Motto «Arsch huh - Zäng usseinander» vor rund 100 000 Menschen auftraten, um ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen, war auch Millowitsch mit dabei.
Sohn Peter war es bestimmt, die Geschicke der geschichtsträchtigen Volksbühne zu übernehmen, doch lange Zeit konnte sich der gesundheitlich angeschlagene Senior nicht zum Generationenwechsel durchringen. Der zermürbende Vater-Sohn-Konflikt wurde teilweise öffentlich ausgetragen, zumal Peter Millowitsch kein Hehl daraus machte, wie schwierig sein Vater sein konnte. Erst ein Jahr vor seinem Tod gab Willy seinem Sohn als alleinigen Intendanten den Segen.
Neben Peter entschied sich auch Millowitsch-Tochter Mariele nach einem Studium der Tiermedizin für eine Schauspieler-Karriere. Sie wurde als Hauptdarstellerin in den Fernsehserien «Girlfriends» und «Nikola» zum Publikumsliebling.
Anfang 1999 verneigten sich Bevölkerung und Honoratioren der Domstadt zum neunzigsten Geburtstag vor dem Mimen, und Millowitsch genoss die Hommage sichtlich.
Am 20. September 1999 starb Willy Millowitsch an Altersschwäche. Die Totenmesse wurde im Kölner Dom gehalten, der Trauerzug zum Familiengrab auf dem Friedhof Melaten im WDR-Fernsehen übertragen - ein Abschied eines kölschen Staatsmannes würdig.
Der WDR sendet zu Ehren Willy Millowitschs am Freitagabend um 20:15 Uhr "Lachgeschichten" rund um Willy Millowitsch und das Millowitschtheater.
(Erstellt am 8. Januar 2009 - 9:23 Uhr; aktualisiert 8. Januar 2009 - 11:43 Uhr)
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Kommentare
Lieber Willy,sag dem Petrus
Lieber Willy,
sag dem Petrus mal, dass er die Heizung langsam wieder anstellen kann.
Ich erinnere mich, wie ich dich kurz vor deinem Tod im studio dumont
getroffen habe. Damals wurden großformatige Fotos für einen guten Zweck
versteigert. Von dir war ein lebensgroßes Porträt dabei, du als
Müllmann vor einem Kindergarten.
Ich habe das Foto, das ja schon mehr ein Plakat war, ersteigert. Es
hing dann jahrelang in meiner Küche. Willy, du warst sozusagen mein
guter Geist.
Du warst damals schon sehr schwach. Du saßt mit gekrümmten Rücken
auf deinem Stuhl. Aber dann stand plötzlich eine TV-Kamera vor dir und
ein TV-Mann, der ein Interview mit dir machen wollte. In derselben
Sekunde noch spannte sich dein Körper, du wusstest, dass du jetzt
wieder auf der Bühne warst, dass du deinem Publikum etwas sagen musstest.
Und da warst du plötzlich 30 Jahre jünger, der wunderbare und
liebenswerte "kölsche Jung".
Willy, für mich bleibst du ewig so jung. Mach et joot!









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