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Jüngster am Kabinettstisch ist der 36-jährige Rösler

HINTERGRUND: Die Ministerriege der schwarz-gelben Koalition

Berlin (AFP) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat künftig eine Reihe neuer Minister am Kabinettstisch: Sechs Bundesminister sind Anfänger in ihrem Amt, allerdings haben die meisten Erfahrungen aus Länderregierungen. Der jüngste Minister ist der 36-jährige Philipp Rösler (FDP/Gesundheit), der älteste der 67-jährige Wolfgang Schäuble (CDU/Finanzen).

ANGELA MERKEL (CDU) ist unangefochten in ihrer Chefposition. Die 55-Jährige hat sich als Kanzlerin der großen Koalition Respekt und Achtung erworben, auch wenn ihr manchmal zögerliches Taktieren vorgeworfen wurde. Bei ihrem Aufstieg von der Vizesprecherin der ersten frei gewählten DDR-Regierung zur CDU-Chefin und Kanzlerin ließ sie eine ganze Reihe gewiefter CDU-Größen hinter sich. Auch aus Verhandlungen ist bekannt, dass sie mit Zähigkeit und Unbeirrbarkeit ihre Positionen durchsetzt.

GUIDO WESTERWELLE (FDP) wird Deutschland als Außenminister und Vizekanzler repräsentieren. Der smarte Rheinländer erregte früher Aufsehen, weil er oft unkonventionell auftrat. In den vergangenen Jahren schuf sich der FDP-Chef aber ein Image als seriöser Politiker. Der 47-jährige Jurist sieht sich als Ziehsohn großer Altliberaler wie Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

WOLFGANG SCHÄUBLE (CDU) sorgte für die erste Überraschung im Personalkarussell: Er wechselt vom Innenressort ins Finanzministerium. Der Wirtschaftsjurist war bereits unter Helmut Kohl sieben Jahre lang Minister, die meiste Zeit im Kanzleramt. Der 67-jährige Protestant aus Baden ist aufgrund seines Sachverstands und seiner rhetorischen Schärfe bei Gegnern gefürchtet. Diese Eigenschaften dürften wichtige Faktoren gewesen sein, ihm in der andauernden Finanzkrise das wohl schwierigste Amt am Kabinettstisch anzuvertrauen.

RONALD POFALLA (CDU) übernimmt als Kanzleramtsminister einen Posten, der sein enges Verhältnis zur Kanzlerin spiegelt. Merkel machte den heute 50-Jährigen 2004 zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden und 2005 zum Generalsekretär der Partei. Auf diesem Posten wurde der Rechtsanwalt wegen mangelnden Profils kritisiert, denn Pofalla verhielt sich als Generalsekretär selten aggressiv, sondern eher zurückhaltend - Eigenschaften, die ihm in seinem neuen Amt nun zugute kommen könnten.

THOMAS DE MAIZIERE (CDU) war bisher Chef des Kanzleramts und Koordinator der Geheimdienste. Er war lange für das Ressort des Finanzministers vorgesehen, nun wechselt er ins Innenministerium. Das Innenressort hatte er schon einmal in Sachsen inne, wo er sich zwischen 1999 und 2005 seine Sporen als CDU-Politiker verdiente. Der 55-Jährige gilt als sehr enger Vertrauter Merkels und organisierte für sie geräuschlos und effizient das Kanzleramt.

KARL-THEODOR ZU GUTTENBERG (CSU) bekommt ein neues Ressort: Der Star der Union im schwarz-roten Kabinett wird Verteidigungsminister. Seine Beliebtheitswerte sind so hoch, dass es für die Kanzlerin ein Muss war, den adligen Franken wieder ins Kabinett aufzunehmen. Mit Verteidigungspolitik hatte der 37-Jährige schon als Fraktionssprecher für Abrüstung zu tun, bevor er Wirtschaftsminister wurde. Guttenberg ist außerdem Unteroffizier der Reserve bei den Gebirgsjägern - persönliche Erfahrungen kommen bei der Truppe immer gut an.

PHILIPP RÖSLER (FDP) ist erst 36 Jahre alt. Der Arzt soll das schwierige Gesundheitsministerium in Berlin leiten. Der gebürtige Vietnamese war vor sechs Jahren hauptberuflich in die Politik gegangen, erst in diesem Jahr wurde er Wirtschaftsminister in Niedersachsen. Meist deutlich in der Sache, aber freundlich im Ton, verschaffte er sich schnell Respekt - auch auf Bundesebene.

URSULA VON DER LEYEN (CDU) bleibt in ihrem Ressort. Als Familienministerin brachte sie in den vergangenen vier Jahren sogar ihre eigene Partei öfter zum Staunen. Für die 51-jährige Niedersächsin dürfte dies kein Problem sein: Denn die gelernte Ärztin managte bereits in der Vergangenheit neben dem Ministerjob noch ihren Haushalt mit sieben Kindern.

Animation: das schwarz-gelbe Kabinett

Animation: das schwarz-gelbe Kabinett

RAINER BRÜDERLE (FDP) wurde mit 64 Jahren nun im Ressort Wirtschaft spät ins Amt eines Bundesministers berufen. Der Mann mit den "kessen Sprüchen" brachte die erste Hälfte seiner Karriere in der Pfälzer Landespolitik zu, seit elf Jahren arbeitet er in der Bundestagsfraktion. Der FDP-Vize hat ein ausgeprägtes Profil als Wirtschaftsexperte, denn er war elf Jahre lang in Mainz Wirtschaftsminister. Dort schaffte er den Spagat zwischen Chemieindustrie und Weinbauern und erwarb sich einen Ruf als Vermittler.

SABINE LEUTHEUSSER-SCHNARRENBERGER (FDP) erlebt in der schwarz-gelben Koalition ein persönliches Comeback. Die 58-Jährige war schon einmal von 1992 bis 1996 Bundesjustizministerin. Damals trat sie aus Protest gegen die Zustimmung ihrer Partei zum großen Lauschangriff zurück. Die bayerische FDP-Vorsitzende ist nicht nur eine Expertin für Justiz, sondern auch eine ausgewiesene Liberale, die eher dem linken Flügel der Partei zugerechnet wird.

FRANZ JOSEF JUNG (CDU) ist der neue Arbeitsminister. Nicht immer unumstritten, hat es der Vertraute des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch jedoch vermocht, sein bisheriges Ressort, das Verteidigungsministerium, skandalfrei über die letzten vier Jahre zu bringen. Der 60-Jährige soll sich nun nicht mehr um die Truppe kümmern, sondern um die Arbeitslosen.

ANNETTE SCHAVAN (CDU) darf noch einmal auf Bundesebene für Bildung und Forschung streiten. Bisher habe sie es an Profil fehlen lassen, werfen ihr Kritiker vor. Die 54-Jährige aus Baden-Württemberg, die als enge Vertraute von Merkel gilt, erhält für ihren Bereich nun eine bessere finanzielle Ausstattung.

NORBERT RÖTTGEN (CDU) stand bisher in der zweiten Reihe, verfügte dort aber über großen Einfluss. Vom Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion stieg der 44-Jährige nun auf zum Umweltminister. Zuletzt machte er mit seinem Buch "Deutschlands beste Jahre kommen noch" auf sich aufmerksam. Es heißt, die Kanzlerin habe den promovierten Juristen unbedingt ins Kabinett holen wollen, weil sie ihm vertraut und sein Rat ihr wichtig sei.

ILSE AIGNER (CSU) durfte Horst Seehofer vor einem Jahr auf dem Posten des Ministers für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz beerben. Nun darf die 44-Jährige verlängern. Aigner ist eigentlich Forschungspolitikerin, hat sich aber mit ihrem Ressort gut angefreundet. Auch die Bauern akzeptieren die gelernte Elektrotechnikerin und unterstützen sie.

PETER RAMSAUER (CSU) wird der neue Verkehrsminister der Bundesregierung. Der 55-Jährige war zuletzt CSU-Landesgruppenchef im Bundestag und machte in Berlin bei Weißwurst und Brezen Werbung für bayerische Positionen. Der promovierte Ökonom und Müllermeister ist bekannt für seine deftigen Sprüche. Im Verkehrsressort steht ihm viel Arbeit bevor - Infrastruktur und Deutsche Bahn sind keine leichte Kost.

DIRK NIEBEL (FDP) erhält einen Posten, den die FDP eigentlich abschaffen wollte: den des Entwicklungshilfeministers. Der 46-jährige ehemalige Arbeitsvermittler aus Baden-Württemberg darf seine Nominierung durchaus als Belohnung für seine Arbeit als FDP-Generalsekretär sehen. Niebel ist außerdem Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und engagiert sich für Frieden im Nahen Osten.

(24. Oktober 2009 - 13:38)

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