Neue Ausstellung im Haus der Geschichte
Vom Müntefering-Schal bis zur Schröder-Faust
Bonn (dapd-nrw). Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) ballt die Faust, ver.di-Chef Frank Bsirske zeigt den Mittelfinger und die Hells Angeles tragen Rockerkutten: Der Bedeutung und Botschaft von Zeichen spürt eine neue Ausstellung im Bonner Haus der Geschichte nach.
Ob Straßenverkehrszeichen, das Konterfei von Che Guevara oder ein Kuss: "Unsere Welt steckt voller Zeichen", sagt Ausstellungsdirektor Jürgen Reiche zur Schau "Zeichen - Sprache ohne Wort", die von Freitag (9. Dezember) bis 15. April 2012 zu sehen ist. Gleich im Eingangsbereich hängt eine überdimensionale Polizeikappe als Zeichen für Uniformität. Dazu passen Pickelhaube, der rote Hut des Richters und die Kapitänsmütze. Papst Benedikt XVI. hat mit einem weißen Pileolus eine originale Kopfbedeckung gestiftet.
Nonverbale Sprache
Markant sind vor allem die Zeichen des Politbetriebs: Wer kennt nicht den roten Müntefering-Schal oder die Fliege des Gesundheitsexperten Karl Lauterbach? Ein Mitschnitt aus verschiedenen Talkshows suggeriert, dass alle Politiker irgendwie mit den gleichen Gesten spielen. Sie halten die Hände parallel, zeigen eine glatte Handfläche oder bilden einen Fingerring - alles mit gezielter Wirkung.
In dieser Reihe darf natürlich auch der gefallene und wieder auferstandene Politstar Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) nicht fehlen, der Zeichen setzen kann wie kein Zweiter. Ihm wurde eine drehbare Litfaßsäule gewidmet. Mal trägt er einen feinen Zwirn, mal eine Flieger-Montur oder eine Lederhose. Man kennt die Fotos.
Zeichen geben immer auch Auskunft über die soziale Gemeinschaft, deren Normen, Werte, Wünsche und Ängste, wie die Ausstellung zeigt. Hierzu gehören die Rockerkutten genauso wie das Kopftuch. Manche Zeichen können auch nach hinten losgehen, wenn sich Kleidungsstücke und Gesten unterschiedlich deuten lassen. Schwarze Strümpfe können sexy oder ein Zeichen der Trauer sein. Mit seinem bekannten "Victory"-Zeichen hätte Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann in Australien eine Beleidigung hervorgerufen.
Liebesbeweise
Auch die Zeichen der Liebe sind permanent vor Augen: Hochzeitsfotos haben offensichtlich die gleiche Masche - die Braut lässt sich in den kräftigen Arm des Bräutigams fallen. Verliebte Pärchen ritzen ihre Initialen in die Baumrinde oder verewigen sich mit einem Vorhängeschloss an einer Brücke. Zu diesen Hinterlassenschaften zählen auch die "Ich war hier"-Sprüche und die derzeit aktive Strick-Guerilla, die Bäume und Laternen mit Wolle verziert.
Der Anti-Atom-Protest bekommt durch die gelbe Sonne und die "Occupy"-Bewegung durch die Maske des Verschwörers Guy Fawkes ein Gesicht. Doch es gibt auch verlorene Zeichen. Die DDR ist Geschichte. Damit verschwinden auch das DDR-Kennzeichen am Trabi, die Kerze im Fenster als Zeichen der Solidarität mit den Leipzig-Protesten und die weiße Bluse der jungen Pioniere.
Weitere Informatioenen: www.HdG.de
(Erstellt am 8. Dezember 2011 - 16:17 Uhr; aktualisiert 8. Dezember 2011 - 16:27 Uhr)
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