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Der Sammler, der den Nazis trotzte

Museum Ludwig ehrt Josef Haubrich

Eigentlich könnte das Museum Ludwig auch den Namen von Josef Haubrich tragen. Denn als der Kölner Rechtsanwalt 1946 seiner Geburtsstadt seine Sammlung moderner Kunst schenkte, wurde damit der Grundstock der zeitgenössischen Museumssammlung gelegt. In Auswahl schon immer Teil der Dauerausstellung, werden jetzt ausgesuchte Gemälde und Plastiken in neuer Anordnung und neuer Sichtweise gezeigt.

Haubrich (1889 – 1961) hatte sein künstlerisches Erweckungserlebnis 1912 beim Besuch der Sonderbund-Ausstellung, die gerade vom Wallraf-Richartz-Museum rekonstruiert wird. Fortan kaufte er Künstler, die noch um ihre breite Anerkennung kämpften: Expressionisten wie Emil Nolde, August Macke, Ernst-Ludwig Kirchner, Wilhelm Lehmbruck, aber auch Paula Modersohn-Becker und Marc Chagall. Nach dem Ersten Weltkrieg auch die Vertreter der Neuen Sachlichkeit, Heinrich Hoerle, George Grosz oder Otto Dix.

Auch nach seiner Schenkung sammelte der Kunst- und Frauenfreund weiter. Über den Haubrich-Fond ermöglichte er der Stadt noch bis zu seinem Tod weitere Ankäufe. Das besondere an ihm: Er kaufte auch unter der Nazi-Diktatur Kunst, die offiziell als „entartet“ galt. Und das, obwohl er wegen seiner jüdischen Frau, die sich 1944 aus Angst vor Verfolgung das Leben nahm, selber ins Visier der Nazis geriet und aus dem Rechtsanwaltsbüro ausscheiden musste, dass er mit einem Partner betrieb.

So beleuchtet die Ausstellung „Meisterwerke der Moderne“ auch ein merkwürdiges Kapitel der faschistischen Kunstpolitik: Auf der einen Seite die offiziell „entartete“ Kunst, auf der anderen Seite Nazigrößen, die diese Kunst persönlich sehr wohl zu schätzen wussten oder sie – versehen mit dem Etikett „international verwertbar“ – als Devisenbringer zu nutzen wussten.

Ein wichtiger anderer Aspekt, der hier gründlich und über zwei Jahre lang untersucht wurde, ist die Herkunft der Bilder. Hat Haubrich sie legal erworben? Oder waren sie enteigneter jüdischer Besitz, wurden sie unter Zwang verkauft? In 50 Fällen kann diese Frage nicht beantwortet werden. In allen anderen Fällen war alles in Ordnung, die Bilder gehörten vorher deutschen Museen. Eine Ausnahme: Otto Muellers Bild „Zwei weibliche Halbakte“. Schon 1999 wurde es an die Familie Littmann, Nachfahren des ehemaligen Besitzers, zurückgegeben, schon ein Jahr später aber für das Museum zurückgekauft.

In der Ausstellung ist es jetzt eines von 77 Gemälden und Plastiken der insgesamt fast 700 Arbeiten umfassenden Sammlung, davon über 400 Grafiken, die vor vielen Jahren zum letzten Mal gezeigt wurden. Und zwei Bilder sind erstmals zu sehen: Es sind die Rückseiten von zwei Gemälden Ernst Ludwig Kirchners und eines von Alexej von Jawlensky. Durch eine einfallsreiche Hängung mit Spiegeln ist es möglich, beide Seiten gleichzeitig zu betrachten. (js)

„Meisterwerke der Moderne. Die Sammlung Haubrich im Museum Ludwig“ – bis 31.8.2012, Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, Köln, Di-So 10-18 Uhr, Eintritt: 10/7 Euro, Katalog: 36 Euro

(Erstellt am 6. August 2012 - 10:48 Uhr; aktualisiert 6. August 2012 - 12:22 Uhr)


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