lit.COLOGNE-Matinee
Mit Gerhard Polt auf zynischer Weltreise
Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Von Sprachproblemen, ungewohnter Küche, seltsamen Einheimischen und von vielen Dingen, die einfach nicht so sind, wie zuhause. Und das weiß auch Gerhard Polt, der zusammen mit der italienischen Trio Grupo Converso am Sonntagmittag einludt, die Welt zu erkunden: Der bayerische Kabarettist las aus seinem und Hanns Christian Müllers Buch "Da fahren wir nimmer hin" - einem Sammelsurium bitterböser Urlaubsimpressionen.
Zur absoluten Höchstform lief Polt auf, wenn er seine Lesevorlage beiseite legte und in freiem Vortrage den Urlaubsspießern, Möchtegernglobetrottern oder selbsternannten Experten fremder Länder die Maske ihrer Unwissenheit, Einfältigkeit und Selbstbeweihräucherung vom Gesicht riss. Dabei gebärdeten sich die Protagonisten der Polt'schen Urlaubshorrorgeschichten so absurd, weltfremd und doch wieder authentisch, dass man es manchmal kaum glauben mochte.
Tafelspitz vom Waran ist aus(gestorben)
Und das ist die Welt des Polt - vor niemandem und gar nichts haltmachen, keine auch noch so heilige Kuh unbehelligt lassen, politisch stets unkorrekt sein. Das hat Polt mit der Serie "Fast wia im richtigen Leben" begonnen, in Filmen wie "Kehraus" oder "Man spricht deutsh" einem breiten Publikum bekannt gemacht, auf vielen seiner Soloauftritte weiter geführt und bis heute durchgezogen.
Oder wie sonst soll man die reiche und schöne Weltenbummlerin auffassen, die sich auf "Gastronomic Adventuretrips" einlässt, nicht jedoch ohne sich darüber zu mockieren, dass man in Asien den versprochenen Tafelspitz vom Waran nicht erhielt, weil dieser vor drei Monaten einfach ausgestorben sei. Genau wie der Deutschlandhasser Harry, der in der spanischen Anlage seinen Lebensabend verbringen will und Hausmeister Horge, den einzigen Spanier vor Ort, deswegen so nett findet, weil dieser so freundlich mit "Heil Hitler" grüßt - und man sich dann fast wie zuhause fühlt.
All die Kapitel vorgelesener und vorgetragener Urlaubshorroszenarien wurden von musikalischen Intermezzi der Grupo Converso aufgelockert. Von der "bella Tarantella" über italienische Lieder der Straße bis hin zu einem originär klingenden "O Sole mio" brachte das Trio trotz der kabarettistischen knallharten Seitenhiebe Urlaubsgefühl unter das ausverkaufte Schauspielhaus. Eine gelungene Matinee - bei der einem das Lachen so manches Mal im Halse stecken geblieben wäre, wenn man nicht hätte so lachen müssen.(hl)
(Erstellt am 16. März 2009 - 12:45 Uhr; aktualisiert 18. März 2009 - 18:12 Uhr)
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