Der neue Köln Krimi
"Millionenallee": Reich sein ist nicht alles
Ein grüblerischer Milliardärssohn, ein ominöser Frauenarzt und ein einbeiniger Landstreicher: Die Charaktere im neuen Köln Krimi „Millionenallee“ sind alles andere als gewöhnlich. Mit seinem ersten Roman ist Journalist Edgar Franzmann ein spannendes und abwechslungsreiches Debut gelungen.
von Julia Schmitz
"Farina Gegenüber" und "4711": zwei Namen, die weit über die Stadtgrenzen Kölns für ihre Parfumprodukte – und ihre Konkurrenz zueinander - bekannt sind. Aber kennen Sie auch das Imperium der Familie von Franckenhorst, die mit ihren Duftwässerchen in Köln besagte Konkurrenz weit hinter sich lässt? Edgar Franzmann wirft in seinem ersten Roman einen Blick hinter die Kulissen einer fiktiven und millionenschweren Dynastie – und trifft auf Korruption, Betrug und Mord.
Eigentlich sollte Franck von Franckenhorst an seinem dreißigsten Geburtstag zehn Prozent des Familienbesitzes erhalten, immerhin stolze hundert Millionen. Doch ausgerechnet bei der feierlichen Übergabe macht ihm Vater Ferdinand einen Strich durch die Rechnung: Franck sei ein nichtsnutziger, fauler Taugenichts, dem rein gar nichts am Erhalt des Familienunternehmens läge. Wolle er das Geld, so müsse er ab sofort aktiv mitarbeiten. Franck sagt zu, soviel Geld sollte man sich schließlich nicht entgehen lassen. Außerdem ist seine Schwester davon überzeugt, das es im Hause Franckenhorst nicht immer legal zugeht – vielleicht könnte er ja mal nach dem Rechten sehen.
Unangenehme Überraschungen
Doch dann kommt alles anders als erwartet, die Ereignisse überschlagen sich, Franck wird brutal überfallen und bevor er sich versieht, befindet er sich bereits in einer mehr oder weniger illustren Runde aus einem einbeinigen Penner, einer alkoholkranken Landstreicherin und einem ominösen Frauenarzt, die zusammen in der ausrangierten Trauerhalle des Melatenfriedhofes hausen. Als ihm dann auch noch die Leiche seiner Freundin Fanny in einem Teppich vor die Füße geworfen wird, schwört sich Franck, die Machenschaften seiner Familie aufzudecken. Nicht immer stößt er dabei auf Unterstützung...
Anders als in den meisten Köln Krimis steht bei „Millionenallee“ nicht nur der Lokalkolorit, der Wiedererkennungswert, im Mittelpunkt, auch wenn gewisse geographische Kenntnisse der Stadt von Nutzen sind. Hier ist der Fokus vielmehr auch auf die Charaktere gerichtet: den nachdenklichen, von Selbstzweifeln geplagten aber dennoch selbstbewussten Franck von Franckenhorst, der lernen muss, dass Familie und Freundschaft nicht immer gemeinsam auftreten. Und das Geld nicht alles ist.
Oder den liebevoll gezeichneten Jean „Schäng“ Leclerc, den einbeinigen Landstreicher vom Melatenfriedhof, der seine Zeit nicht nur mit dem Sammeln von Pfandflaschen, sondern besonders gerne mit dem Zitieren von Brecht-Gedichten verbringt. Und Ferdinand von Franckenhorst, kaltherziger Geschäftsführer des Unternehmens und bereit, über Leichen zu gehen – zur Not auch über die seines Sohnes. Spannendes Lesevergnügen garantiert!
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(Erstellt am 6. November 2009 - 21:28 Uhr; aktualisiert 9. November 2009 - 14:06 Uhr)
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