„Oh, it’s like home“: Uraufführung in der Halle Kalk

Langeweile mit vier Schauspielern und einem Pianisten

Von Jürgen Schön

Das Publikum blickt in eine verwinkelte Tagungsstätte. Hinten Garderobenschränke, vorne eine fast leere Bücherwand, beiseite geschoben erlaubt sie den Blick in einen Schlafsaal. Durchfallbraune Fliesen auf dem Boden, eine Durchreiche zur Küche, ein Kamin, eine Treppe führt nach oben. Modern, sachlich, langweilig ist das Bühnenbild – passend zum Stück „Oh, it’s like home“, das darin uraufgeführt wird.

Vier Personen treten auf: dick und unbeholfen Egon Richter (Josef Ostendorf), klein und zierlich die Säuglingschwester Ilse Schafleitner (Silvia Fenz), die füllig-gemütliche Metzgerstochter Hanna Lendi (Bettina Stucky) und die elegante, langbeinige Gunda Krass (Sasha Rau). Abwechselnd bewältigen sie ihre Erinnerungen: das Schlachthaus, die Säuglingsstation, eine chemische Reinigung, der Mann erzählt von einem Kinderheim. Ein geheimnisvolles Überwachungssystem wabert.

Jeder erzählt für sich in gezwirbelter Sprache. Richtige Dialoge gibt es nicht. Wird eine Frage gestellt, kommt eine Antwort, die nicht dazu passt. Immer wieder bleiben halbfertige Sätze in der Luft hängen. Skurrile Formulierungen sorgen für vereinzelte Lacher: Da haben die Tauben Reißverschluss-Schnäbel und der Kopf fängt am Fisch zu stinken an.

Musik von Satie, Schostakowitsch, Cage und anderen untermalt die Tristesse. Gefühlvoll gespielt wird sie von Pianist Bedix Dethleffsen, der sich auch als Glühbirnenauswechsel und Tischdecker betätigen darf. Gemeinsame Aktivitäten gibt es nur einmal: Als die drei Frauen dem Mann in den Mantel helfen wollen – und am Ende die kleinste des Frauentrios darin steckt. Doch halt: In einer Weihnachtsfeier singen alle zusammen das Lied „Leise rieselt der Schnee“ und albern dezent „das Christkind wird alt“.

Zwischendrin verschwindet Schafleitner mal zum Lesen im Kamin. Schnee rieselt auf sie herab. Und als sie eine Zigarette raucht, steigt auch Rauch aus dem Schornstein des beleuchteten Bühnenmodells, das Bettina Stucky auf die Bühne getragen hat. Welcher technische Trick steckt dahinter, lenkt sich der Zuschauer ab.

Leid tun können die Schauspieler, die in dieser Trostlosigkeit ihr Bestes geben. Das gilt selbst für Sasha Rau, die den Text geschrieben hat, und die mit Vorliebe an den Wänden riecht und um eine Denkpause bittet. Geschrieben hat sie das Stück mit Förderung des Kölner Kunstsalons. Der hat sein Geld bestimmt schon mal besser angelegt. Aber immerhin – mit diesem Stück hat das Kölner Schauspiel nun endlich auch eine Inszenierung vom großen Christoph Marthaler.

Einige Zuschauer hielten es am zweiten Aufführungstag nicht aus und verließen das Stück vorzeitig. Der Schlussbeifall war höflich verhalten, viele beteiligten sich nur kurz daran. Bei der Premiere gab es einige Buhs für den Regisseur.

„Oh, it’s like home“ – weitere Termine: 22. und 23.1., 25. bis 27.1. (18 Uhr!) , 31.1. bis 3.2., jeweils 19.30 Uhr, Halle Kalk, Neuerburgstraße, Köln-Kalk. Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de

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„Oh, it’s like home“: Uraufführung in der Halle Kalk
Langeweile mit vier Schauspielern und einem Pianisten
Modern, sachlich, langweilig ist das Bühnenbild in der Halle Kalk – passend zum Stück „Oh, it’s like home“, das darin uraufgeführt wird. Vier Schauspieler bewegen sich in diesen Kulissen, doch Dialoge sind Mangelware, jeder erzählt für sich. Am Ende gab es nicht mehr als höflichen Beifall.
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