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Wut und Unverständnis bei Anwohnern

KVB-Infoabend: Viele Emotionen, wenig Neues

Von Fabian Radix

KVB, Stadt Köln und Baufirmen setzten sich am Mittwochabend im Gürzenich mit den Fragen der Kölner Bürger auseinander. Was als Information zur Lage am Heumarkt geplant war, wurde von den Zuhörern in eine teils sehr emotionale Ansammlung von Schuldzuweisungen umgemünzt.

Die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB), die Stadt Köln und die Arbeitsgemeinschaft der am U-Bahn-Bau beteiligten Firmen (Arge) luden am Mittwochabend ins Gürzenich. Fast vier Stunden dauerte die Informationsveranstaltung, die sich ursprünglich auf die Situation am Heumarkt fokussieren sollte. Die mehreren hundert Gäste, meist besorgte Anlieger der Baustellen, rückten jedoch den Einsturz des Stadtarchivs sowie die jüngsten Enthüllungen über Bau-Pfusch und mangelnde Aufsicht in den Vordergrund. 

Bildergalerie: Wut und Frust bei der Info-Veranstaltung

Schon die erste Minute der Veranstaltung vermittelte einen Eindruck von der aufgeheizten Stimmung. KVB-Pressesprecherin Gudrun Meyer, die die Veranstaltung moderierte, konnte nicht einmal ihren ersten Satz zuende sprechen. "Verbrecher!" hallte es aus den Reihen des Gürzenich, und trotz Einsatz von Mikrofonen musste der Redebeitrag unterbrochen werden. Es sollte nicht das einzige mal bleiben. Bereits vor der Veranstaltung hatten etwa 20 Mitarbeiter eines privaten Sicherheitsdienstes Stellung bezogen - auch dies ein Beleg für die Anspannung auf beiden Seiten.

Emotional wurde es auch während einer spontanen Gedenkminute für die beiden Toten. Neben den versammelten Anwohnern erhob sich auch das Podium.

"Wir glauben euch einfach nicht mehr!"

KVB-Vorstand Walter Reinarz und Bauingenieur Jochen Keysberg stellten die Ereignisse mit einem Powerpoint-Vortrag dar. Sie zeigten Vermessungsprotokolle, Fotos aus den Baustellen, Detailaufnahmen der aufgestemmten Schlitzwände. Doch Zahlen und Diagramme allein reichten den aufgebrachten Zuhörern nicht. "Das Vertrauen in die handelnden Personen geht gegen Null", fasst ein Anwohner die Ausgangslage zusammen. Die Beteuerungen Keysbergs, alle Baustellen seien sicher, sorgten bei den wenigsten für Erleichterung - die Aussage von KVB-Vorstand Walter Reinarz, die U-Bahn werde bald fahren, gar für schallendes Gelächter.

Fast ein Jahr nach dem Einsturz des historischen Stadtarchivs, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren und Archivgut von unschätzbarem Wert verschüttet wurde, sitzen Angst und Frust bei den Anwohnern gleichermaßen tief. Zum ersten mal stellten sich alle Beteiligten gemeinsam den kritischen Fragen der Öffentlichkeit. Und Fragen gab es viele, Aussagen und Kommentare jedoch noch mehr. Viele nutzen die Gelegenheit um Dampf abzulassen. Druck, der sich über Monate hinweg angesammelt hat. "Wir glauben euch einfach nicht mehr!" ruft ein Fragesteller, "Es ist ein Skandal wie hier mit Ängsten umgegangen wird!" ein anderer. 

Schuld und Verantwortung weiter ungeklärt

Für Unverständnis bei den Bürgern sorgt noch immer, dass auch ein Jahr nach dem tragischen Unglück kein Verursacher feststeht. "Warum übernimmt niemand die Verantwortung?" ruft ein aufgebrachter Teilnehmer in den Saal. Die Anwort von Keysberg: "Wir würden Schuld akzeptieren, wenn sie erwiesen wäre". Die vermutlich durch einen Polier gestohlenen Eisenbügel schieden als Ursache für die Havarie am Waidmarkt aus.

Stadtdirektor Guido Kahlen warb unterdessen um Verständnis für den langwierigen Prozess der Ursachenfeststellung: "Wir müssen unbedingt die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten. Dieser aufwändige Prozess der direkten Beweisführung dauert zwar seine Zeit, ist aber notwendig, um eindeutige Schuld feststellen zu können." Zur Ermittlung der Unglücksursache soll ein eigenes Bauwerk in der Baugrube am Waidmarkt errichtet werden, um mögliche Unregelmäßigkeiten beim Bau der Schlitzwand genau betrachten zu können. Kahlen: "Wir sind es den Toten schuldig, die Unglücksursache ohne jeden Zweifel festzustellen."

Bildergalerie: Wut und Frust bei der Info-Veranstaltung 

Kahlen: "Stadt hat Risse eventuell nicht ausreichend geprüft."

Der Stadtdirektor musste jedoch einräumen, dass die Stadt im Januar 2009 mögliche Hinweise auf eine Gefährdung des Stadtarchivs übersehen haben könnte. Kahlen: "Die Risse im Stadtarchiv haben wir eventuell nicht ausreichend untersucht." Es sei auch innerhalb der Stadt "erhebliche Aufarbeitung" nötig.

Ein Umdenken in der Stadtspitze hat es offenbar bereits beim jüngsten Ärgernis für die Anwohner der Severinstraße gegeben: Sie müssen sich nun doch nicht wie ursprünglich geplant finanziell an der Sanierung der Straße beteiligen. Oberbürgermeister Jürgen Roters habe dies vor wenigen Stunden entschieden, teilte Kahlen mit. Zum ersten und einzigen mal brandete Beifall auf für eine Aussage die vom Podium kommt. Anerkennung erntete der Stadtdirektor auch für das Versprechen, eine Nacht in einem der betroffenen Häuser zu verbringen, um die Ängste der Bewohner besser nachvollziehen zu können.

(Erstellt am 25. Februar 2010 - 9:09 Uhr; aktualisiert 2. März 2010 - 17:05 Uhr)


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Kommentare

es geht weiter KÖLN kann

es geht weiter

KÖLN kann auch Anders: http://tixweekly.blogspot.com/

Gut, dass Reinarz mal

Gut, dass Reinarz mal hautnah erlebt hat wie wenig seine Verschleierungstaktik bei der Bürgerschaft ankommt. Gut auch, dass er den Vertrauensentzug deutlich zu spüren bekam.

Als man vor einem halben Jahr zu dem Thema mal was KVB-Kritisches, OB-Schramma-Kritisches oder was Stadt-Köln-Kritisches dazu schrieb wurde man noch ordentlich niedergemacht, als Dummschwätzer und schlimmers tituliert...das obwohl die Katastrophe erst ein paar Monate her war.

In den letzten 10 bis 11 Monaten hatte ich auch nicht den Eindruck, dass die beiden Todesopfer, Kevin und Khalil, irgendwie noch ein Thema waren, das von "oben" noch wirklich gewollt war. Wollen wir doch mal ehrlich bleiben...

Unglaublich auch die ersten Ermittlungsversuche der kölner Staatsanwaltschaft vor einem Jahr:

Man ließ den Herren mehrere Wochen Zeit Beweismaterial auf freiwilliger Basis und in freiwiliiger Kooperation mit der Staatsanwaltschaft bei dieser abzuliefern!!!

Das nach einer solchen Katastrophe. Kölner, wieso konnte man da keinen finden, der mit einem mal auf die Straße gegangen ist? Das war doch eine solcher Schlag ins Gesicht der kölner Bürgerschaft...wo gibt es das denn sonst noch?

Es steckt uns im Blut; bloß nicht nach oben meckern! Besser man lenkt sich ab und bauchpinselt sich gegenseitig. Man muss auch leider sagen, dass dieser Teil der Mentalität es den gutsherrengleichen Oberen in Köln extrem leicht macht trotz all ihrer Unprofessionalität ein liderliches Geschäft mit uns zu treiben.

Wie kann es sein, dass ein zuständiges städtisches Amt nur ganz lax seiner Kontrollpflcht nachkommt?

Wie kann es sein, dass die KVB als Bauherrin die Bauaufsicht ausführt (das ist an sich noch nicht ungesetzlich), diese offenbar zu eigenen, kurzfristigen, Nutzen durch Nichtausübung missbraucht und sich seit dem Tag der Katastrophe so hinstellt als wäre sie ein Unschuldsengel!

Und das sind noch lange nicht alle Fragen, die man in der Sache stellen kann.

Jetzt sollen wir innerhalb von drei Wochen nach erneuten Horrormeldungen, die Sicherhet der geplanten U-Bahn betreffend, schon wieder glauben gemacht werden, dass die Bahn gaaaaanz sicher sein wird.

Glauben ist so eine Sache. In Köln sind wir zwar katholisch, aber nicht blind-glaubend (= dumm).

Weltfremder, frecher und in völliger Blindheit in Sachen Gefühl für Menschen kann man doch wirklich nicht mehr sein. Allein dieser Umgang mit der Bürgerschaft zeigt wieder mal in peinlichster Weise auf, welche Traumtänzer und Minderleister uns da zu beeindrucken versuchen!

Sie haben es immer noch nicht begriffen. Wir schauen längst nicht mehr zu ihnen auf, sondern spucken nur noch verächtich auf sie runter!

Ja es stimmt; in Köln haben wir keine Kompetenz an den verantwortlichen Stellen sondern Parteibuch-Klöngelköpp. Meist solche von der Art, die in einem marktwirtschaftlichen Unternehmen maximal in der mittleren Angestelltenposition wären.

Daran haben wir aber als Bürgerschaft eine Mitschuld! Denn wir waren doch sehr lange Zeit mit bissel Fußball, Kölsch und Gemütlichkeit ruhig zu stellen. Jeder, der genauer hinsah und drüber sprach wurde von seinem Nebenmann sofort als Spaßbremse und Idiot abgetan.

Das muss man ändern! Hinschauen und offen drüber reden, rechtzeitig klar machen, dass man das genau wissen will...das zahlt sich aus!

Nie hat eine Bürgerschaft eine bessere Führung als sie sich erkämpft hat!

Seit langer Zeit schon stehe ich für: Ich liebe Köln und es ist auch ein zeichen von Zuneigung, wenn man auf Schwachstellen aufmerksam macht!

Ein Grundgedanke, der sich in kölner Leben wirklich noch tiefer verankern muss.

In diesem Sinne allen ein schönes Wochenende und frischen Mut für ein Köln mit neu erarbeiteten Stolz zu stehen.

Hallo, tja dieser Herr

Hallo,
tja dieser Herr Kahlen,hat der wirklich geglaubt die Anwohner der Severinsstr würden für die Neugestaltung noch was bezahlen!!Ich betrat vor ca 1 1/2 Jahren den Kiosk neben dem ehemaligen Stadtarchiv,und sah wie in den Wänden ca.2cm breite Risse waren,darauf antwortete der anwesende Bauarbeiter:Wenn die Risse breiter werden,sollen wir schnell aus dem Kiosk laufen.Die oberen Herren werden sich noch wundern wieviel Mieter dort wegziehen.
Grüsse Ne kölsche Jong

Was sich die Bauaufsicht der

Was sich die Bauaufsicht der KVB geleistet hat ist nur mit Unvermögen,Ignoranz, Dummheit und grober Fahrlässigkeit zu beschreiben.
Spätestens als der Kirchturm sich neigte, hätte man wach werden müssen das Gefahr im Verzug ist, aber nichts geschah. Der U-Bahnbau hatte nichts damit zu tun und alles wurde verharmlost und vernebelt.
Der Kirchturm wurde ja von der Versicherung bezahlt, Ursache unbekannt.(Siehe die kölsche 3 Aape)
Wann werden in Köln mal Fachleute anstatt Parteibuch Pfeifen in die Führungsebenen geholt?
Der Kirchturm scheint schon vergessen und spielt dank Vertuschung und Vernebelung schon bei den Ermittlungen von Pfusch am U-Bahnbau keine Rolle mehr.
Bei der Pumpenleistung von 23 Pumpen am Waidmarkt wurde nur einmal Wöchendlich das Wasser auf mit geführtes Bodenmaterial untersucht, aber noch nicht einmal von KVB-Prüfern. Wieviel Pumpenleistung hatte man denn schon damal in Kirchturmnähe?
Diese "Prüfer" haben anscheinend so viel Ahnung von ihren Aufgaben wie ein Fisch vom Marathonlauf.
Auch diesmal wird am Ende keiner zur Verantwortung gezogen, darauf könnte ich wetten.

@Eisenbarth Alles wird

@Eisenbarth
Alles wird seinen geordneten Gang gehen und alles wird vernünftig aufgeklärt!
Wann..??
Na spätestens dann wenn wir mal eine vernünftige Demokratie haben.Das was wir im Moment hier in der BRD haben ist eine Staatsmonopolistische Kapital Gesellschaft und nie und nimmer eine Demokratie!!!
Glaube dass Sie das verstehen..!?
Oma Hutzinger

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