"Meine Russischen Nachbarn"
Wladimir Kaminer macht Lesung zu Lachmarathon
Am Freitagabend hatte das Publikum auf dem Literaturschiff der Lit.COLOGNE reichlich zu lachen. Dort stand Kultautor Wladimir Kaminer auf der Bühne und bescherte ein Gagfeuerwerk aus seinem Buch "Meine russischen Nachbarn", neuen Texten und spontanen Alltagsgeschichten.
Von Ronja Gasper
Es folgt eine fast willkürliche Konstellation aus Roman-Auszügen, neuen Texten, die Kaminer ausdruckt und lose aufeinander gestapelt mitgebracht hat, und Alltagsgeschichten, die er auch manchmal spontan innerhalb eines Kapitels einwirft. Ein ungeplantes Durcheinander, das den Autor authentisch macht und seine Wirkung zeigt: Das Publikum ist begeistert, gibt eifrig Applaus und kann nicht genug von seinen Erzählungen über seine russischen Mitmenschen bekommen, die er rund anderthalb Stunden zum besten gibt.
Russen und ihre Verständigungsschwierigkeiten
Im Zentrum seiner Geschichten steht, wie man es von Kaminer gewohnt ist, das Leben von Russen in Deutschland. Diese haben es nicht leicht: Sie reden zu gerne, finden keine Gesprächspartner und müssen, wie sein Nachbar Andre, schließlich auf Notlösungen zurückgreifen. Zum Beispiel auf die Zeugen Jehovas, die er kurzerhand in seine WG einlädt und für immer gefangen hält.
Dass Russen durchaus an der deutschen Kultur interessiert sind, beweist eine andere Geschichte. Bei dem Versuch, den Duden auswendig zu lernen und so die deutsche Sprachkultur besser kennenzulernen, muss Andre bei einem Blick in die Fernsehsendung "Big Brother" schnell feststellen, dass die Deutschen selbst nur einen Bruchteil ihrer eigenen Sprache verwenden. Der Nachbar ist enttäuscht, lässt sich jedoch nicht weiter abschrecken.
Gerade seine scheinbar planlose Textauswahl macht den Charme Kaminers aus. Zwischen seinen Erzählungen macht er oft Pausen, schaut ins Publikum und fragt, ob es denn noch Fragen an ihn gäbe. Auch während des Vorlesens kann er es nicht lassen, abzuschweifen und spontan ein paar Anektdoten aus seinem Alltag miteinfließen zu lassen. Doch gerade diese Planlosigkeit findet Anklang. Als Kaminer sich verabschiedet, hagelt es Applaus und Jubelrufe seitens des Publikums. Trotz der recht kurzen Lesungsdauer von 90 Minuten, ist an diesem Abend wohl so gut wie jeder mit einem Lächeln von Bord gegangen.
(Erstellt am 13. März 2010 - 10:46 Uhr; aktualisiert 13. März 2010 - 16:36 Uhr)
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