Gefeierte Premiere
Triumphale Aida in der Kölner Oper
Von EDGAR FRANZMANN
Kölns Oper ist wieder mal eine Reise wert: Giuseppe Verdis "Aida" erlebte eine triumphale Premiere, und das im alten Opernhaus am Offenbachplatz, das eigentlich wegen Sanierung bereits geschlossen sein sollte. Unbedingt ansehen!
Regisseur Johannes Erath verzichtet auf jeden ägyptischen Pomp, trotzdem - oder deswegen - gelingen ihm Szenen von größter Eindringlichkeit. Die heidnischen Hohepriester und der Sonnenkönig treten auf im Gewand katholischer Bischöfe und des Papstes, was aber durchaus keine einseitige Kritik an der römischen Kirche ist, sondern Symbol für jede Form fundamentalistischer oder totalitärer Macht.
Die großartigste Szene ist der Triumphmarsch am Ende des zweiten Aktes. Erath nutzt nicht nur die gesamte Tiefe der Bühne (Kaspar Glarner), aus der ein Heer von Sklaven die siegreichen Helden ins Licht ziehen, sondern er bezieht den gesamten Zuschauerraum mit ein. Die Hundertschaft des Chores, Frauen und Männer in Alltagskleidung, bewegt sich langsam Richtung Bühnenrand, wo links und rechts die berühmten Verdi-Trompeten ihr "Ta taaaa tatata taa taa taa tatata taa ta ta" spielen. Die singenden Massen drängen langsam vor auf die Bühne, wo immer mehr deutlich wird, wie Menschen in Sieger und Besiegte geteilt werden, wie am Ende eine Schar von Sklaven selektiert wird, denen der Tod droht.
Selten wird so eindringlich gezeigt, dass es der direkte Nachbar oder man selbst ist, der Täter oder Opfer werden kann, und wie totalitäre Machthaber sich die Massen gefügig machen.
Die Opfer in dieser Oper sind Aida, äthiopische Prinzessin, und ihr Volk, die den Krieg gegen die Ägypter unter der Führung des heldenhaften Radames verloren haben. Radames bittet beim König/Papst um Gnade für die Gefangenen, der gewährt sie, aber die Hohepriester/Bischöfe inszenieren trotzdem ihr Rache-Gemetzel und ermorden ihren Herrscher gleich mit.
Amneris, die Tochter des Königs, soll den siegreichen Radames heiraten. Der französische Modeschöpfer Christian Lacroix, in dieser Inszenierung für die Kostüme zuständig, hat ihr ein atemberaubendes Hochzeitskleid mit endloser Schleppe geschneidert. Doch Radames liebt Aida, die feindliche Prinzessin, zur Strafe wird er lebendig unter dem Tempel begraben, wo Aida sich zu ihm gesellt und wo Amneris ewig trauert.
Unter der musikalischen Leitung von Willi Humburg wird der Abend zu einem außerordentlichen Musikgenuss. Das Gürzenichorchester spielt in Höchstform, Chor und Extrachor der Oper (Leitung: Andrew Ollivant) begeistern ebenso wie die sensationellen Solisten Hui He (Aida), Scott MacAllister (Radames) und Jovita Vaskeviciute (Amneris).
Das Premierenpublikum spendete minutenlangen, begeisterten Beifall.
Nächste Aufführungen: 18./19./21./22./23./25./26./28./29./30. Januar.
Weitere Informationen auf der Website der Oper Köln.
(Erstellt am 17. Januar 2011 - 11:26 Uhr; aktualisiert 17. Januar 2011 - 15:52 Uhr)
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Vorheriger Artikel: Viel Beifall für Premiere von Tschechows „Kirschgarten“
Kommentare
Den Applaus habe ich aber
Den Applaus habe ich aber ganz anders wahrgenommen! Er war höflich und nur aus Respekt vor der Leistung der beiden Künstlerinnen und des Chores habe ich nicht BUH gerufen!
Diese AIDA-Aufführung war die Euro 100,-- Eintrittsgeld nicht wert!









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