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Premiere in der Schlosserei

"Wir Kinder von Theben" können nicht überzeugen

Eine griechische Tragödie, streng in Szene gesetzt, aufgelockert durch ein bisschen Kabarett, selbstironische Kritik am Theater, saloppe Kommentare. Von allem ein bisschen, aber nie konsequent – und darum nichts Ganzes und nichts Halbes: „Wir Kinder von Theben“, die Interpretation des fast 2.500 Jahre alten Euripides-Werks „Die Phönizierinnen“ in der Schlosserei kann nicht so recht überzeugen.

Von Jürgen Schön

Es beginnt mit lauter, brachialer Gewalt: Eine Stadt wird zu Trümmern getreten. Und Theben droht weiteres Unheil: Die Brüder Eteokles und Polyneikes streiten über die Regentschaft. Ihre Truppen stehen zur Schlacht bereit. Vergeblich versucht die Mutter Iokaste zu vermitteln. Doch bevor es zur kriegerischen Auseinandersetzung kommt, treten sie zum Zweikampf an. Und sterben beide in einer dramatisch inszenierten Unterwasserschlacht.

Damit erfüllt sich das Schicksal, das die Götter ihnen bestimmt haben. Das Schicksal, dem sie und die anderen sich zu widersetzen suchten und gerade dadurch den Götterspruch zur Erfüllung brachten. Ödipus (Carlo Ljubek), das von seinem Vater Laios ausgesetzte Kind, wird unwissend zum Vatermörder und heiratet seine Mutter Iokaste (Julia Wieninger). Auch ihre Söhne Eteokles (Carlo Ljubek) und Polyneikes (Renato Schuch) sowie die Töchter Antigone (Marina Frenk) und Ismene sind fluchbeladen.

Lediglich Menoikeus (Orlando Klaus), Sohn von Iokastes Bruder Kreon (Yorck Dippe), gehorcht den Göttern, die durch den Seher Teiresias (abwechselnd gespielt von den Mädchen Joke Lefherz und Rosa Wilms-Posen) sprechen: Er verhindert die Zerstörung Thebens durch seinen Selbstmord. Kreon hatte dies verhindern und Menoikeus außer Landes schicken wollen.

Marx und Freud geben philosophisch-psychoanalytischen Senf dazu

Regisseur Robert Borgmann scheint seinen kraftvollen Bildern einer „klassischen“ Inszenierung griechischer Tragödien mit Protagonisten und Chor allein nicht zu trauen. Da darf Antigone im Kreis laufen und auf der Stelle treten und Kreon auf dem Klavier klimpern. Trümmer werden fein säuberlich gestapelt. Marx und Freud tauchen mit ihren übergroßen Bärten auf und geben ihren philosophisch-psychoanalytischen Senf dazu. Es gibt eine „Werbeunterbrechung“, die aber keine Pause für das knapp 100 Minuten lange Stück einläutet. Und am Schluss liegen sieben weiße Engel auf der Bühne und lassen es bluten.

„Da haben wir den Salat“, meint Iokaste einmal lakonisch. Das ist ein bisschen wenig, ist das Thema des Stücks doch höchst aktuell. Man braucht nur nach Ex- Jugoslawien, nach Pakistan oder in den Irak zu gucken. Wo verschiedene Ethnien lange mehr oder weniger friedlich zusammenlebten, genügte ein Funken und Nachbarn ermordeten sich gegenseitig. Die alte Ordnung zählt nicht mehr, jeder will nur noch Recht, sprich, die alleinige Macht haben. Und wer die hat, braucht sich nicht um mehr an Abmachungen zu halten. Auf strafende Götter warten wir heute vergebens.

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„Wir Kinder von Theben“ – weitere Termine: 26. und 27.12., 11. und 12.1., jeweils 20 Uhr, Schlosserei des Schauspiels Köln, Krebsgasse, Karten: Kartenservice im Opernhaus, Offenbachplatz, 50677 Köln, Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa 11-18.30 Uhr, Tel. 0221 / 22 12 84 00, tickets@buehnenkoeln.de, www.schauspielkoeln.de


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Kommentare

Halt, Jürgen!!! Da fehlt

Halt, Jürgen!!! Da fehlt ein wichtiges Wort: "können MICH nicht überzeugen"! Das ist das schlimme an kritikern: Sehen ihre eigene Meinung immer als allgemeingültig an! Es gibt genaug Leute die das bestimmt gut und toll finden!!!

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