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Alles andere als verstaubt

Stadtmuseum zeigt das "deutsche Staubarchiv"

Zuhause staubt er nur da, wo man’s sieht. Anderswo sammelt er Staub, der schon lange „herumliegt“. Mit Vorliebe in prominenten Gebäuden wie Kirchen, Rathäusern oder Museen. Rund 1.000 solcher Stäube aus aller Welt hat der Kölner Künstler Wolfgang Stöcker inzwischen in seinem „Deutschen Staubarchiv“ gesammelt. Eine Auswahl seiner Kölner Beute stellt er jetzt im goldenen Kubus des Kölnischen Stadtmuseums aus.

Er war im Speicher über der Goldenen Kammer von St. Ursula, im Turm des Stadtmuseums, über dem Hanse-Saal im Historischen Rathaus, in St. Gereon und im Hansa-Hochhaus. Ex-OB Jürgen Roters schickte ihm persönlich eine Staubprobe aus seinen Amtsräumen.

Staub ist für den Bildhauer ein Zeugnis der Vergangenheit. Und dessen Beseitigung ein Beweis für die Ehrfurcht, die man einem Gebäude entgegenbringt. Aus dem Staub lässt sich Geschichte lesen. So fand er im Staub des Kölner Doms Reste versteinerter Korallen – der Wind hatte ihn aus der Sahara an den Rhein getragen.

Ob „Wollmäuse“ oder „richtiger“ Staub: Stöcker mischt ihn mit Wachs und gießt daraus kleine „Reliquienschreine“. So wie das in der katholischen Kirche mit den Reliquien von Heiligen üblich ist, wenn dort die Behältnisse auch aus kostbarerem Material wie Gold, Silber und Edelsteine sind.

Wenn er in Kellern und auf Speichern und zwischen Heizungsanlagen auf der Suche nach altem Staub herumklettert, macht er gleichzeitig Fotos. Die erlauben einen Blick in Orte, die dem normalen Besucher eines Hauses verborgen sind. So setzt er dem bekannten und öffentlichen „Makrokosmos“ die Geheimnisse des „Mikrokosmos“ entgegen. Das alles zusammen macht eine alles andere als eine verstaubte kleine Ausstellung. (js)

Kubus-Ausstellung „Unter Kölner Dächern – Kölner Staub als Objektkunst und Fotografie“ – bi 5. Juni 2016, Kölnisches Stadtmuseum, Zeughausstr. 1-3, 50667 Köln, Tel. 22 12 57 89, Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, jeden 1. Donnerstag eines Monats: 10-22 Uhr. Eintritt: 5/3,50 Euro

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