Autor präsentierte neuen Krimi
Mankell-Lesung: Viel Afrika, wenig Wallander
Darauf hatten sich viele eingefleischte Krimi-Fans gefreut: Der schwedische Bestseller-Autor Henning Mankell präsentierte im Rahmen der lit.Cologne seinen neuen Wallander-Krimi. Zu hören gab es ein Kapitel des langersehnten Werks sowie jede Menge über Afrika und leider wenig Anekdoten und Hintergrundwissen über die beliebten Krimis.
Erst nach fast 45 Minuten gab es das erste Interessante über Wallander zu erfahren. "Eines Tages fühlte ich, das da noch eine Geschichte zu erzählen ist", so Mankell zum neuen Wallander-Krimi, der nach nunmehr zehn Jahren erscheint. Das Geheimnis der Beliebtheit des kauzigen Polizisten liege darin, das er eben sei "wie Du und ich". Er verändere sich, mache Entwicklungen durch wie jeder andere Mansch auch.
Wallander - ein Name aus dem Telefonbuch
In gut verständlichem Englisch gab Mankell einige wenige Anekdötchen zu Besten: etwa wie der Kommissar zu seinem Namen gekommen sei - hier habe der Schriftsteller einfach mal zum Telefonbuch gegriffen. Unter Diabetes leide Wallander, weil Mankell einen befreundeten Arzt befragte, welche Diagnose zum etwas beleibten Protagonisten passen würde, der sich nicht gerade gesund ernährt und auch nicht viel von Bewegung hält. Der Freund habe ohne Umschweife geanwortet: "Diabetes".
Nach dem Interview mit dem Autoren folgte eine Lesung eines Kapitels aus dem neuen Krimi von Axel Milberg, bekannt als Kieler Tatort-Kommissar Klaus Borowski. Milberg, der den aktuellen sowie die weiteren Wallander-Romane als Hörbuch eingesprochen hat, fesselte mit der neuen Geschichte die Zuhörer. Wer dachte, der Kalte Krieg sei ein alter Hut von gestern, der wird im neuen Krimi eines besseren belehrt. Hierin macht sich Wallander auf die Suche nach Hakan von Enke, dem neuen Schwiegervater seiner Tochter Linda.
Korvettenkapitän, Kalter Krieg und Kopfschmerzen
Der ehemalige Korvettenkapitän der schwedischen Marine verschwindet auf merkwürdige Art und Weise nach dem angeblichen Selbstmord seiner Frau. Und irgendwie scheinen dabei die alten Geschichten aus seiner Militärszeit immer noch eine Rolle zu spielen. Wallander selbst bleibt sich dabei wie immer treu und ermittelt notfalls auch auf eigene Faust, auch seine Einschlafprobleme, die morgendlichen Kopfschmerzen, seine Wortkargheit - all das bleiben ihm auch dieses Mal erhalten.
Nach 40 Minuten hatten die Zuhörer einen ersten Einblick in den neuen Fall Wallanders erhalten, der Lust auf mehr machte und auch hier wieder fesselte die Zuhörer vor allem wieder die Sprache Mankells, die eben den Bestseller-Autoren ausmachen. Eine Auswahl diverser Passagen aus mehreren Kapiteln des Buchs, wie häufig auf anderen Lesungen, wäre vielleicht aber noch spannender gewesen, so wirkte die Auswahl etwas lieblos ausgesucht ohne zu viel Mühe zu investieren.
Milberg outete sich selbst als eingefleischter Wallander-Anhänger, der das typisch Nordische am Kommissar schätzt. Seine Frau habe ihn mit der Leidenschaft für die Kriminalromane Mankells angesteckt: "Als meine Frau nicht mehr mit mir redete, nahm ich ihr das Buch weg". Danach legte auch er jenes nicht mehr aus der Hand.
Der letzte Wallander
So sehr der Vorgeschmack nach der Gesichte auf das Buch auch angewachsen war, einen kleinen Wermutstropfen gab es für die Fans leider doch zu hören: "Das wird definitiv der letzte Wallander-Roman gewesen sein. Wer das Ende des Buchs gelesen hat, wird wissen warum." Mankell beruhigte die Fans aber im gleichen Zug: "Nein, sterben wird Wallander nicht."
Im Anschluss an die Veranstaltung gaben Mankell und Milberg noch geduldig Autogramme für die mehreren hundert wartenden Zuschauer und wer zu einer Lesung mit Mankell geht, muss wohl immer auch auf seine Afrika-Leidenschaft gefasst sein. (kb)
(Erstellt am 18. März 2010 - 8:51 Uhr; aktualisiert 18. März 2010 - 12:11 Uhr)
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