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Ai Weiwei und Herta Müller

"Man verschafft sich auch im Zwang eine Würde"

Es war ein ganz besonderer Moment währen der 10. lit.COLOGNE: Am Donnerstagabend kamen der chinesische Künstler Ai Wei Wei und die Nobelpreisträgerin Herta Müller zu Lesung und Diskussion im Schauspielhaus zusammen. 

von Julia Schmitz

Die beteiligten Gäste der Lesung haben noch nicht alle Platz genommen, da zückt Ai Weiwei bereits eine kleine Digitalkamera und fotografiert seine Gesprächspartnerin des Abends, Herta Müller. Denn es ist diese Kamera, die ihn auf Schritt und Tritt in seinem Leben begleitet, mit der er die Geschehnisse in seinem Heimatland China festhält und die ihm die dort herrschenden Repressalien ertragen lassen. 

Seit vielen Jahren wird Weiwei, der mit seinen regimekritischen Installationen und Aktionen längst in der internationalen Kunstszene angekommen ist, von seinem Heimatstaat überwacht und verfolgt.

Er nimmt es mit Humor: Fotos zeigen ihn dabei, wie er versucht, die vor seinem Wohnhaus installierten Kameras zu verdrehen oder dem Kaiserpalast auf dem Platz des himmlischen Friedens in Peking den Mittelfinger zeigt. Für den Versuch, dass Verschwinden von 5.000 Schulkindern während des schweren Erdbebens in der Region Sichuan aufzuklären, wurde er verhaftet und gefoltert. Die daraus resultierende Gehirnblutung hätte ihn fast das Leben gekostet. 

"Denen ist es doch egal, was wir denken!"

Auch Herta Müller, vor kurzem mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt, hat schmerzliche Erfahrungen mit Unterdrückung und Überwachung im eigenen Land gemacht. Als Banater Schwäbin in Rumänien geboren, lernte sie schon früh ihre Worte mit Bedacht zu wählen, sobald sie das Haus verließ.

Als sie sich weigerte mit dem Geheimdienst des Ceauşescu-Regimes zusammenzuarbeiten, verlor sie ihren Arbeitsplatz. Durchsuchungen ihrer Wohnung, Vorwürfe der Spionage und stundenlange Verhöre bestimmten fortan ihr Leben, bis sie 1987 nach Deutschland ausreiste. 

Bezugnehmend auf die Lebengeschichte des Vaters von Ai Weiwei, einem chinesischen, frankophilen Dichter, der denunziert und als Toilettenputzer in die Wüste Gobi verbannt wurde, betont Müller: "Man kann sich auch unter Zwang eine Würde verschaffen." Gleichzeitig verurteilt sie die noch immer herrschenden Menschenrechtsverletzungen und die Arroganz der chinesischen Regierung: "Denen ist es doch völlig egal, was wir über sie denken!" Ai Weiwei sieht sich in seinem Denken bestätigt. Wenn China in dieser Form weiter existiere, sei dass eine Katastrophe für die Menschheit, erklärt er.

 

(Erstellt am 12. März 2010 - 8:59 Uhr; aktualisiert 12. März 2010 - 13:05 Uhr)


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