Zeitlose Eleganz
MAKK schenkt sich zu Weihnachten Stühle
Zum ersten Mal seit über 20 Jahren erhielt das Museum für Angewandte Kunst einen eigenen Ankaufsetat. Mit den 350.000 Euro machte Hausherrin Petra Hesse sich, ihren Mitarbeitern und vor allem den Besuchern ein Weihnachtsgeschenk und ergänzte die Stuhlsammlung. Vor allem die zehn Thonetstühle, vor über 170 Jahren im Rheinstädtchen Boppard erfunden, sind ein Leckerbissen, der in einer kleinen Kammerausstellung gezeigt wird.
Und das machte die Möbel preiswert: Der „Drei-Gulden-Stuhl“ kostete so viel, wie ein gut ausgebildeter Handwerker an einem Tag verdiente. Und als die Wiener Kaffeehaus-Besitzerin Anna Daum um 1850 ihre Wiener Etablissement mit einem Thonet-Modell einrichtete, war der „Café-Haus- Stil“ geboren.
Weil er dort billiger produzieren konnte, verlegte Tonet seine Produktion in den 1860er Jahren ins damals österreichische Mähren. 1862 arbeiteten dort zwischen 800 und 1000 Menschen, jährlich wurden allein 70.000 Stühle gefertigt, fast zwei Drittel für den Export. Aber auch Sofas, Tische, Kindermöbel, Skier oder Tennis-Rackets entstanden hier.
Die zehn unterschiedlichen Modelle, ergänzt von alten Fotos und Zeitungsanzeigen, zeigen die Entwicklung von Form und Technologie. Der Thonet-Stuhl, so Kurator Werner nett, steht am Anfang der Geschichte des modernen industriellen Designs. Für die Gegenwart stehen zwei Stühle von Ron Arad und Satyenda Pakhalé, auch sie konnten neu erworben werden.
Beide Sitzmöbel sind zwar Auflagenstücke, werden aber einzeln gefertigt und sind damit Beispiele für die Nahtstelle zwischen bildender Kunst und Design. Pakhalés „Bell Metal Horse Chair“ sieht aus wie ein archaisches Pferd und wird in einem aufwändigen verfahren aus Bronzesträngen geschweißt. „2 R not“ von Arad ist eine Sesselskulptur in Würfelform, je nachdem, wie er gedreht wird, ist er Tisch oder Stuhl. (js)
(Erstellt am 20. Dezember 2011 - 15:25 Uhr; aktualisiert 20. Dezember 2011 - 16:28 Uhr)
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