Jubiläums-Gala
Kölner Theaterpreise 2009: Das sind die Gewinner
Köln - Zum 20. Mal wurden in diesem Jahr die Kölner Tanz- und Theaterpreise der SK Kulzur verliehen. Im Jubiläumsjahr kam mit dem Kölner Darstellerpreis eine neue Auszeichnung dazu. Bis auf den Kölner Ehrentheaterpreis, den in diesem Jahre die Tänzerin und Choreographin Katharine Sehnert erhält, blieben wie immer alle Preisträger bis zum Öffnen der Umschläge geheim.
Kölner Theaterpreis
Dotiert mit 10.400 Euro, bereitgestellt von der Sparkasse KölnBonn, Biofactory und dem Kulturamt der Stadt Köln
Jury: Jessica Düster, Susanne Finken und Hans-Christoph Zimmermann
„noch nicht. Desinformationsabend für inoffizielle Mitarbeiter", Eine Koproduktion von Hofmann & Lindholm und Schauspiel Köln, Konzept, Text und Regie: Hofmann & Lindholm (aufgeführt in der Schlosserei)
„Hofmann & Lindholm beherrschen das Jonglieren mit Fragen der Realität und Authentizität, von Spiel und Rolle virtuos und man muss nicht darauf hinweisen, dass die Bedeutung dieser Begriffe weit über das Theater hinausweist. So funktionieren ihre Stücke zugleich als Seismographen einer gesellschaftlichen Normativität, die minutiös auf Spielräume des Individuellen abtastet wird. ‚Noch nicht’ nimmt die Bedrohung der Privatsphäre ernst und macht den Versuch, mitten in der Wirtschaftskrise nach Werten zu fragen und das subjektiv Wertvollste dann coram publico in Sicherheit zu bringen. Es geht darum, den Gerinnungsprozess des Privaten wie des Öffentlichen an einzelnen Stellen zu verflüssigen; den Umschlag vom einen ins andere zu beobachten. Der Platz von Hofmann&Lindholm ist dabei immer am Scheitelpunkt der kommunizierender Röhren. So klug, so virtuos und so unterhaltsam wie in ‚Noch nicht’ wurde man schon lange nicht mehr in eine erkenntnisreiche Irre geführt – dafür gebühren Hannah Hofmann und Sven Lindholm der Kölner Theaterpreis 2009." (Auszug aus der Laudatio von Hans-Christoph Zimmermann)
Kölner Tanztheaterpreis
Dotiert mit 5.200 Euro, gesponsert vom Kölner Stadt-Anzeiger
Jury: Thomas Linden, Nicole Strecker und Simone Thielmann
Der Kölner Tanztheaterpreis wird in diesem Jahr geteilt zwischen:
"SITE SPECIFIC//you are not alone anyway!" von movingtheatre.de, Choreographie und Tanz: Massimo Gerardi & Emanuele Soavi, aufgeführt im Rahmen von „sommerblut" im Bürgerhaus Stollwerck
„Berühren - Zerreissen" Choreographie: Britta Lieberknecht in der Alten Feuerwache
„Entscheidung für zwei Choreographien, die dieser Spielzeit den Stempel aufgedrückt haben, die beide aus der Masse herausragen und die beide Elemente besitzen, die wir jeweils für preiswürdig, ja preisnotwendig halten. [...]Ihre Choreographien sind radikal und brutal. Sie tun weh – vor allem und nicht nur physisch: wobei: Beim Zerren am Jeansstoff gab es sicherlich so einige Brandblasen. Nein sie tun weh, weil sie in soziale Wunden stechen. In die Verletzungen, die die Liebe und die Zweisamkeit hervorbringen, genauso wie in die Sprachlosigkeit, mit der sich ein geteiltes Volk auf einmal wieder begegnet. Beide Choreographien schonen uns nicht. Das macht sie stark. Und beide, entwickeln dabei eine Tanzsprache, die erzählerisch ist, die präzise ist, die zum Denken anregen kann." (Auszug aus der Laudatio von Simone Thielmann)
Kölner Kinder- und Jugendtheaterpreis
Dotiert mit 5.200 Euro, gestiftet von Citroën Deutschland
Jury: Ulli Türk, Thomas Linden und Hannah Schneider
„Wo der Pfeffer wächst", monteure, Inszenierung und Choreographie: Andrea Lucas, monteure und Britta Lieberknecht (aufgeführt im Bürgerhaus Stollwerck)
„Britta Lieberknecht, Andrea Lucas und ihr Ensemble haben mit ‚Wo der Pfeffer wächst’ ein mitreißendes Tanztheaterstück übers Streiten und Sich-Vertragen entwickelt, dass Stillsitzen komplett unmöglich macht. [...] So unkonventionell das fantasievolle, ein bisschen ausgeflippte Kindertheaterstück ist - es hat eine subtil eingestreute, ganz und gar nicht oberlehrerhaft wirkende Moral: dass Streitereien gar nicht böse enden müssen, manchmal auch ganz konstruktiv sein." (Auszug aus der Laudatio von Hannah Schneider)
Kölner Darstellerpreis
Preisgeld 5000 Euro, gesponsert von JTI
Jury: Mitglieder der Jury Kölner Tanz- und Theaterpreise (ausgenommen S.Thielmann und N.Strecker)
Bettina Muckenhaupt, Mitglied des Rose-Theegarten-Ensembles für ihre Rollen u.a. in „Romeo und Julia", Regie: Rüdiger Pape im Comedia Theater Köln „Ein Schaf fürs Leben"(s.o.) und „Vor dem Ruhestand", Regie: Volker Lippmann im Theater Tiefrot
„Ja, Bettina Muckenhaupt ist im Kopf wie mit dem Körper eine bewegliche Akteurin, eine großartige Besetzung im Kinder- wie im Erwachsenentheater. (Sie kann übrigens auch stricken.) Ohne distanzlos zu werden, bringt sie uns ihre Rollen nahe. Nie hält sie uns davon ab, manchmal auch den entscheidenden Schritt aus der Szene heraus zu treten, um dem Kopf sein Recht einzuräumen. Sie ist ein Profi, der nie anbiedernd oder überzuckert agiert und der seine Qualitäten in der angemessenen Dosierung einzusetzen weiß. Und sie hat, neben dem sicheren Handwerk und der klugen Agilität, den ganz besonderen Zauber, der sich weder fassen noch messen lässt, das gewisse Etwas: Ausstrahlung, Charisma auf der Bühne." (Auszug aus der Laudatio von Susanne Finken)
Kölner Ehrentheaterpreis
Dotiert mit 2.600 Euro, gefördert von NetCologne
Jury aus ehemaligen EhrentheaterpreisträgerInnen sowie Hans-Georg Bögner (SK Kultur) und Edgar Franzmann (NetCologne)
Katharine Sehnert für ihr Lebenswerk
„In der Begegnung mit Katharine Sehnert erkennt man, dass in ihr, in ihrem Tun und Streben die Seele des Tanzes selbst aufgehoben ist, Heimat gefunden hat. Und aus eben diesem Umstand lassen sich Leben und Werk Katharine Sehnerts vielleicht am ehesten vergleichen mit einem funkelnden Bernstein, der ja in sich auch immer die Erinnerung an den Baum trägt, aus dessen Harz er entstanden ist. [...] Wer aufrichtig liebt, der tut das bedingungslos. Aber nicht grundlos! Katharine Sehnert gehört zu den wenigen Menschen, die uns auf berührende Weise erkennen lassen, warum Menschen den Tanz lieben und warum wir selbst diese Kunstform so sehr lieben. (Auszug aus der Laudatio von Thomas Thorausch, stellvertretender Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln/SK Stiftung Kultur)
Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater
Dotiert mit 5.000 Euro, gestiftet von der Freien Volksbühne Köln
Jury: Anna Dünnebier, Rainer Hofmann, Beatrix Klein, Anne Lütkes, Hans-Georg Lützenkirchen und Hans-Christoph Zimmermann
"Die Kontrakte des Kaufmanns" von Elfriede Jelinek, Koproduktion von Thalia Theater Hamburg und Schauspiel Köln, Inszenierung: Nicolas Stemann
"Es sind keine Rollen, keine Theaterfiguren, die hier sprechen, sondern die Katastrophen, der Verrat, und immer wieder ist es das Geld selbst, das spricht. Mit Leidenschaft und Witz arbeiten sich die Schauspieler durch die Sprachkaskaden. Sie lesen den Text aus einem Manuskript, dessen Seiten nach Erledigen herausgerissen werden. In immer neuem Ansatz umkreisen die Schauspieler diesen Text, klagen, drohen, distanzieren sich, singen zwischen Rap und Requiem, entfalten einen Sog, der einen in diesen Abend hineinzieht.Eine Meisterleistung." (Auszug aus der Laudatio von Anna Dünnebier)
„puck 2009"
Nachwuchspreis für junge Schauspielerinnen oder SchauspielerDotiert mit 2.500 Euro, ausgelobt von der Theatergemeinde Köln, gesponsert von der RheinEnergie
Juryvorsitzender: Dr. Bernhard Paffrath
Nagmeh Alaei
„Beim Verlassen der Vorstellung von ‚Banalität der Liebe’ war die Meinung der Jury-Mitglieder einhellig: mit Nagmeh Alaei hatten wir gerade eine heiße Anwärterin auf den Puck 2009 gesehen. Ihre Verkörperung der Rolle der jungen Hannah Ahrendt verband glaubwürdig unbekümmerte Jugendlichkeit und Frische mit intellektueller Ernsthaftigkeit und Reife. Es gelang ihr mit ihrem facettenreichen Spiel mühelos die Faszination spürbar zu machen, die Ahrendt auf ihren Lehrer Heidegger ausgeübt haben muss. Ihre intensive Bühnenpräsenz zog auch dann die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich, wenn sie keinen Text hatte. Dabei war sie stets vollkommen in ihrer Rolle und behauptete sich souverän in einem äußerst starken Ensemble. [...]Unmittelbar vor der entscheidenden Jurysitzung sahen wir uns Nagmeh Alaei deshalb noch als Putzfrau Tilla in ‘Lust’ an – und unseren ersten Eindruck voll bestätigt. Andere Inszenierung, vollkommen andere Rolle, aber die gleiche intensive Bühnenpräsenz und hohe Professionalität, die gleiche sympathische Integration ins Ensemble, die deutliche Sprechweise, die hier noch von einer guten Singstimme ergänzt wurde, vor allem aber wieder diese ansteckende Lust am Spiel, die in ‘Lust’ auch im gekonnten Spiel mit dem Zuschauer über den Bühnenrand hinweg deutlich wurde." (Auszug aus der Laudatio von Dr. Romana Beyenburg)
Die Kölner Tanz- und Theaterpreise, eine Initiative der SK Kultur, werden unterstützt von:
Citroën Deutschland AG, Kölner Stadt-Anzeiger, Sparkasse KölnBonn, Kulturamt der Stadt Köln, BioFactory Cologne, NetCologne, RheinEnergie AG und Japan Tobacco International (JTI).
(Erstellt am 8. Dezember 2009 - 12:48 Uhr; aktualisiert 8. Dezember 2009 - 14:08 Uhr)
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Vorheriger Artikel: Herta Müller und Henning Mankell bei der zehnten lit.Cologne









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