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Premiere für den Dauerbrenner

„Faust I“ im Schauspiel: Erst „Blablabla“, dann Puppensex

Von Jürgen Schön

Goethes „Faust“ gilt als das deutsche Drama. Schüler werden damit im Deutsch-Unterricht gequält, auf den Bühnen gehört es zum Dauerbrenner. Jetzt hat es Moritz Sostmann im Kölner Schauspiel inszeniert. Eine eigenwillige Interpretation nicht nur, weil er – wie es sein Markenzeichen ist – jedem menschlichen Akteur eine Puppe als „Double“ zur Seite stellt. Doch ist sie nicht immer überzeugend.

Es beginnt mit dem „Prolog im Himmel“: Die Schauspieler, als eindrucksvolle schwarze Todesvögel mit großen ausklappbaren Flügeln verkleidet, betreten mit Sarg und Trauermarrsch die Bühne und eröffnen die Wette von Gott (eine Puppe mit zottligem Bart, die nicht weiß, ob sie Männlein oder Weiblein ist) mit Mephisto: Kann er den Gelehrten Doktor Faust vom Weg der Tugend abbringen? Wie’s weitergeht, sollte jeder wissen, denn der Handlungsstrang verzettelt sich im Folgenden des Öfteren, taucht in schönen Bildern unter.

Auftritt Faust: Klavierspielend in seiner Gelehrtenstube, spricht er seinen klassischen Monolog zunächst nur als „Blablabla“ – als sollte es eine satirisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Klassiker geben. Doch dann leiht er die echten Worte seiner Puppe.

"Vom Eise befreit..."

Auftritt Mephisto (Yvon Jansen): Er verspricht Faust Erkenntnis und das Blaue vom Himmel – irgendwie. Und gemeinsam begeben sie sich auf die Reise. Der Osterspaziergang („Vom Eise befreit sind Strom und Bäche“ – freudig hält sich der Zuschauer an diesem und anderen zum Volksgut gewordenen Sätzen fest) gerät zu einem großen Bild mit einem von Puppen bevölkerten Boot. Grandios auch der Hexensabbat, bei dem zwei Affen (Magda Lena Schlott und Lutz Großmann, die auch andere Rollen übernehmen und die Puppen führen) mit (Welt-)Kugeln spielen.

Faust verlangt von Mephisto, ihm eine Frau zuzuführen. „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“, fragt er die Frauen im Publikum und findet dort sein Gretchen (Katharina Schmalenberg) – das aber entkommt ihm in die Pause.

Zurück von Sekt und Brezel, erwarten das Publikum drei Puppen auf einem Sofa: Das einleitende „Vorspiel im Theater“ wurde vom Anfang hierher verlegt. Die eine trägt die Züge von Hausherr Stefan Bachmann, die zweite die von Chefdramaturg Thomas Laue, die dritte ist der launige Künstler-Regisseur: Ein selbstironisches Streitgespräch über Sinn und Aufgabe des Theaters zwischen Geldverdienen und die Welt zu verbessern – Ende offen.

Faust stürzt sich ins Nachtleben

Nun treffen also Faust und Gretchen (sie im wattierten roten Anorak, auf dessen Rücken steht „Romance is dead“) zusammen und finden nicht zuletzt über die Musik zueinander . Philipp Pleßmann glänzt nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Pianist, der sich durch Klassik und Pop arbeitet. Mit Katharina Schmalenberg – nicht ganz so virtuos – spielen sie auch vierhändig.

Faust stürzt sich ins Nachtleben, angefeuert von seinem Famulus Wagner (Guido Lambrecht). Der entpuppt sich mit zwei kleinen Haarhörnchen als Satan, beschwört das „leuchtende Gold und den goldenen Schwanz“, zu dem alles drängt und lässt sich die geheimen Wünsche von Männern und Frauen vom Publikum durch dessen lautes „Ja“ bestätigen.

Plessmann darf sich im Laufe des Abends zwar einmal komplett ausziehen, die Nacht mit Gretchen wird dann aber den Puppen überlassen. Wobei Mephisto-Puppenführerin Yvon Jansen den Puppen-Faust besonders stark ruckeln darf. Eine zunächst sanfte, dann derbe Szene. Insgesamt aber werden die sonst bei Sostmann gewohnten poetischen und leicht daher kommenden Puppen-Auftritte doch stark vermisst. Auch der andere Blick ins Selbst ihrer Rolle, den die Puppen sonst ermöglichen, bleibt diesmal oft oberflächlich.

Der Vorhang fällt, das Publikum wartet – doch es ist noch nicht das Ende. Das Schlussbild zeigt Gretchen im Kerker. In einem großen Ohrensessel versunken, den Anorak wie ein Baby umschlungen, erwartet sie ihre Hinrichtung als Kindsmörderin. Den Einflüsterungen Fausts, sich von ihm befreien zu lassen, widersteht sie. Faust macht sich ohne sie aus dem Staub.

Jetzt endlich – nach dreieinhalb Stunden inklusive Pause – bricht der laute Premierenbeifall los, der besonders den Schauspielern gilt (zu erwähnen noch Steffi König, Johannes Bennecke und Nicolas-Frederick Djuren).

Faust I“ – die nächsten Vorstellungen: 12. und 19. (jeweils 16 Uhr), 22. Februar, 3. März (jeweils 19.30 Uhr), Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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