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Skandalroman nach über 50 Jahren auf die Bühne gebracht

Bölls „Ansichten eines Clowns“: Premiere im Schauspiel gefeiert

Von Jürgen Schön

Anfang der 1960er Jahre erschien Heinrich Bölls Roman „Ansichten eines Clowns“. Die Abrechung mit verlogener, alles anderer als christlicher katholischer Moral und halbherziger Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus sorgte damals für einen Skandal. Jetzt hat Thomas Jonigk den fast vergessenen Roman für die Bühne dramatisiert. Was hat er uns heute noch zu sagen?

Im Mittelpunkt steht der 27 Jahre alte Clown Hans Schnier. Nach einem selbstverschuldeten Unfall infolge zu viel Alkohols ist seine Karriere beendet. Er ist der Außenseiter einer reichen Braunkohlefabrikanten-Familie. Er, ein Protestant, lebte lange mit Marie zusammen, die aus einfachen Verhältnissen kommt. Ohne Trauschein und dann noch mit unterschiedlichen Religionen – undenkbar zu jener Zeit für die Gesellschaft und besonders für Katholiken. Jetzt hat ihn die Geliebte verlassen, will in die (moralische) Ordnung des Katholizismus zurückkehren und heiratet einen Katholiken.

Doch Schnier leidet nicht nur unter Liebeskummer, er verzweifelt auch an den alten Nazis, die sich immer noch unbehelligt bewegen können. Es sind die Leichen, die die Gesellschaft in der Zeit des Wirtschaftswunders im Schrank hat – und in den Hans Schnier sie tatsächlich schickt. Dazu gehören auch seine Eltern, die ihre Tochter Henriette als Flakhelferin in den Tod schicken und dabei deutschen Swing hören.

Trautes Heim in biedermeierlichem Kitsch

Eine aufgestelzte Guckkastenbühne bestimmt das Bild: Hier ist in biedermeierlichem Kitsch die Ordnung zu Hause, die Doppelmoral, das Pflichtgefühl. Hier leben die, die diese Werte blind verehren und zum trauten Familien- und Freundesporträt um das Sofa posieren (Mutter: Annika Schilling, Vater: Stefko Hanushevsky, Thomas Brandt als Maries Ehemann, Mohamed Achour als Prälat Sommerwild, Elisa Schlott als Dienstmädchen Anna). Hier diskutiert man mit vollem Mund, warum Gott grausam sein kann. Hier zieht eine übergroße Muttergottes-Figur ein. Aber auch die Geister der Vergangenheit sind hier zu Hause: Doch wenn die blasse und stumme Henriette (Ester Gyergyay) auftaucht, nimmt nur ihr Bruder sie wahr.

Vor dieser Bühne liegt die Welt, in der Hans Schnier zu Hause ist. Ungeordentlich, wild und mit Lotterbett – in dem er und Marie doch einmal auf dezente Weise glücklich waren. Ratjen spielt ihn mit Zorn und Verzweiflung, mit leisen Tönen und bitterem Humor. Sein Blick zurück ist zugleich Gegenwart und Zukunft – denn er bleibt der arbeitslose Außenseiter. Und der moralische Sieger – hier schreibt Jonigk Bölls Roman weiter.

Unterhaltsamer Blick in die junge Bundesrepublik

Er ist nicht konvertiert. Er hat die finanzielle Unterstützung seines Vaters ausgeschlagen, entgegen der Empfehlung seines Managers. Und mit der „freiwilligen Pflicht“, zu der seine Mutter Henriette in den Tod geschickt hat, kann Schnier ebenso wenig anfangen wie mit der Aufforderung seines Vaters, endlich „reif“ zu werden. Nun trinkt er mit der alten Anna Kaffee, wartet auf eine neue Liebe und neue Engagements. Vielleicht, so überlegt er, könnte dabei auch die Geliebte seines Vaters helfen.

Es ist auch dank des perfekt eingespielten Ensembles der unterhaltsame, aber nie oberflächliche Blick zurück in eine Zeit, die die junge Bundesrepublik geprägt hat. Ein Blick zurück, der das Publikum immer wieder lachen lässt. Ob es besser geworden ist, ob die CDU immer noch wie für Hans Schnier zum Kotzen ist – das muss jeder für sich beantworten. Der lange Premierenbeifall, mit Füßetrampeln gesteigert, gab darauf keine Hinweise.

Ansichten eines Clowns“ – weitere Vorstellungen: 12., 16., 19. (17 Uhr) und 21. Februar, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

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