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Starker Premierenbeifall im Schauspiel

"Adams Äpfel": Das Märchen vom schlechten Menschen, der zum guten wird

„Es gibt keine schlechten Menschen“, ist Pfarrer Ivan überzeugt und macht es zu seiner Lebensaufgabe, Kriminelle auf den Weg der Tugend zu führen. Hat er Recht oder malt er sich die Welt schön? Das Theaterstück „Adams Äpfel“ entführt das Schauspiel- Publikum in eine Welt, in der vieles anders aussieht, als es ist.

Löchrig ist diese Welt und gewaltig aus den Fugen geraten, zumindest was die christlich begründete Moral und Nächstenliebe betrifft. Schwarze Balken zeichnen das Gebälk einer durchsichtigen Kirche nach, in deren Mitte ein riesiges Kruzifix schwebt, Christus’ linker Arm hängt lose daneben – ein durch seine Kargheit beeindruckendes düsteres Bühnenbild (Nehle Balkhausen).

Das Gotteshaus ist die Werkstatt für Pfarrer Ivans (Jörg Ratjen) Resozialisierungsversuche. Seine Schützlinge sollen sich wie in einer Friede-Freude-Eierkuchen-Familie fühlen, in der keiner dem anderen weh tut. Da sind zunächst der ehemalige KZ-Kapo Poul (Horst Sommerfeld), der sein Tun bereut und langsam dahin stirbt. Dann der Vergewaltiger und Alkoholiker Gunnar (Nikolaus Benda) sowie der Bankräuber Khalid (Mohamed Achour). Beide gehen weiter ungestört ihren alten „Leidenschaften“ nach. Benda und Achour spielen sie mit liebenswürdiger Schlitzohrigkeit, sorgen mit akrobatischer Gelenkigkeit für Lacher beim Publikum.

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Als Neuer hinzu kommt der Neonazi Adam (Robert Dölle). Der setzt sich – freundlich von Ivan „gezwungen“ – als Resozialisierungsziel, einen Apfelkuchen zu backen. Doch bis dahin nimmt das Schicksal seinen Lauf. Da sind nicht nur die Vögel, die den Apfelbaum plündern. Da ist auch der verzottelte, vernunftbesessene Arzt Kolberg (ein intriganter, bösartiger Martin Reinke in Höchstform), den die Nächstenliebe-Idylle stört.

Er verrät Adam die Schwächen des Pfarrers. So lebt er mit einem lebensgefährlichen Tumor im Kopf. Vor allem aber: Die Mutter starb bei seiner Geburt, er wurde vom Vater missbraucht. Seine Frau beging Selbstmord aus Kummer über ihren behinderten Sohn, den Ivan vor der Welt versteckt. Seine Gewissensbisse in diesem Fall verleugnet Ivan auch gegenüber Sarah (Annika Schilling), eine sanfte Alkoholikerin, verzweifelt ob der Wahrscheinlichkeit, mit einem behinderten Kind schwanger zu sein.

Zwei Welten prallen aufeinander

Adam wird zum Werkzeug des Arztes: Er konfrontiert Ivan mit dessen verleugneten Lebensgrundlagen, erniedrigt ihn und macht ihn – er hat inzwischen die geschenkte Bibel gelesen – zu einem modernen Hiob.

So prallen zwei Weltbilder aufeinander: Hier der missionarische Pfarrer, immer den passenden Bibelspruch parat. Vor dem Schlechten in dieser Welt die Augen verschließend, hat er sich in einer schöngeredeten Schweinwelt eingerichtet. Ein verletzlicher Mensch, so – wie ihn Ratjen verkörpert – muss man Mitleid mit ihm haben. Ihm gegenüber der Neo-Nazi Adam (was wohl eher eine „Gegenmarke“ sein soll, denn trotz Hitler-Tatoo auf dem Bauch bleibt unklar, was an ihm etwa rassistisch oder gar faschistisch ist): egoistisch, bullig, düster und verschlossen, durchaus mit Hang zum Brutalen (Ivan blutet bis zum Schluss), aber letztlich ein sanfter Kern in rauer Schale – Dölle strahlt eine verstörende Anziehungskraft aus.

Dann das wundersame Happy-End: Auftaucht Adams Ex-Kumpel Esben, ein eleganter Anzug-Neonazi und Strippenzieher (Simon Kirsch). Es kommt zum Showdown mit Khalid, bei dem Esben Ivan den Tumor aus dem Kopf schießt. Und Adam backt aus dem letzten Apfel, den die Vögel übrig gelassen haben, ein Küchlein und teilt es mit Ivan. Zumindest Adam ist kein schlechter Mensch, irgendwie hat der geschundene Ivan am Ende doch Recht behalten – so das Fazit des modernen Erweckungsmärchens. Wie weit es der heutigen Realität entspricht, lässt die Inszenierung von Therese Willstedt offen.

Am Ende kassieren alle Beteiligten langen Premierenbeifall, Ratjen und Dölle den lautesten. (js, Foto: Tommy Hetzel / Schauspiel Köln )

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Adams Äpfel“ – weitere Vorstellungen: 30. November, 3., 20., 25. und 30. Dezember, jeweils 19.30 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim,
Karten:
Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49,
E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de,
dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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