Klassentreffen
Kölner Tatort-Kommissare ermitteln in Kulturhauptstadt Essen
Wenn der Kölner "Tatort"-Kommissar Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) selbst unter Mordverdacht gerät, dann steckt eine attraktive Frau dahinter. In dem neuem "Tatort - Klassentreffen" (Sonntag, 10. Januar, 20.15 Uhr, ARD) bringt Ballauf die Begegnung mit einer Jugendliebe in erhebliche Schwierigkeiten.
Dabei hatte der Ermittler für das Klassentreffen in seiner Heimatstadt Essen sogar Anzug und Krawatte herausgelegt. Doch der Abend verläuft turbulent. Zwar freut sich der Kommissar über das Wiedersehen mit seiner Jugendliebe Katja Dorn (Karoline Eichhorn), mit ihrem Ehemann und seinem ehemaligen Schulfreund Stefan Dorn gerät Ballauf aber handgreiflich aneinander. Dennoch verbringt Katja die Nacht mit Ballauf. Doch am nächsten Morgen wird ihr Mann ermordet aufgefunden. Die Essener Hauptkommissarin Vossbeck (Angelika Bartsch) lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihrem Kölner Kollegen den Mord an seinem Nebenbuhler durchaus zutraut.
In Köln müssen derweil Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Assistentin Franziska Lüttgenjohann (Tessa Mittelstaedt) den Tod des Bauunternehmers Franz Tarrach aufklären. Bald vermutet Schenk einen Zusammenhang zwischen beiden Taten, denn als Geschäftsführer der "RUHR.2010 Stiftung" war Stefan Dorn auch für die Vergabe lukrativer Bauaufträge verantwortlich. Rasch mehren sich Anzeichen für Korruption bei den prestigeträchtigen Kulturhauptstadt-Projekten. Entgegen Schenks eindringlichem Rat ermittelt Ballauf in eigener Sache weiter. Doch der Versuch, seine zwischenzeitlich unter Tatverdacht geratene Schulfreundin Katja zu entlasten, erweist sich als Eigentor.
Ausflug nach Essen ist Zeichen der Verbundenheit
Zum Auftakt des Kulturhauptstadtjahres 2010 schickt der WDR seine beliebten Kölner "Tatort"-Ermittler für eine Folge nach Essen. Der Leiter des WDR Programmbereiches Fernsehfilm, Kino und Serie, Gebhard Henke, sieht darin ein Zeichen der Verbundenheit seines Senders mit dem Ruhrgebiet. Der "Tatort" sei die erste einer Reihe von Kooperationen mit der Kulturhauptstadt 2010, betonte Henke.
Schade nur, dass den «Tatort»-Machern zum Handlungsort Essen nicht allzu viel eingefallen ist. Es gibt die obligatorischen Szenen an den Sehenswürdigkeiten Gasometer, Baldeneysee und der Zeche Zollverein, dabei hat Essen einiges mehr zu bieten. So wirkt die Exkursion in die Kulturhauptstadt mehr als Pflichtübung denn als Herzensangelegenheit.
Auch die Idee, den Ermittler unter Mordverdacht zu stellen, ist weder neu noch originell.
Unterhaltsamer Krimi
Dennoch gelingt es Regisseur Kasper Heidelbach, einen insgesamt unterhaltsamen Krimi zu inszenieren. Präzise arbeitet der «Tatort»-Routinier den beachtlichen Peinlichkeitsfaktor von Klassentreffen heraus, auf dessen Höhepunkt Ballauf sich zu einem Fausthieb gegen seinen früheren Nebenbuhler hinreißen lässt.
Drehbuchautor Jürgen Werner steuert gleich eine ganze Riege ebenso starker wie böser Frauen bei, die durchaus bereit sind, für ihre Interessen über Leichen zu gehen. Hier ragt Jasmin Schwiers in der Rolle der ehemaligen Geliebten des Mordopfers heraus.
Leider bemühen Schenk und Ballauf dann für die Lösung ihres Falls einen ziemlich abgestandenen Trick, dabei hat das Duo nun wirklich mehr drauf. Allerdings nutzt Klaus J, Behrendt in "Klassentreffen" die Gelegenheit, seiner Figur mehr Tiefe zu geben. Sein Max Ballauf muss reichlich konsterniert feststellen, dass sein Privatleben - falls überhaupt vorhanden - in Trümmern liegt.
(Erstellt am 7. Januar 2010 - 11:48 Uhr; aktualisiert 10. Januar 2010 - 17:02 Uhr)
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