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Vom Friedhofsgrab ins Internet

Kölner Steinmetz meißelt QR-Codes auf Grabsteine

QR-Codes auf Grabsteinen, die auf Webseiten über Verstorbene weiterleiten: Was manche Kritiker als voyeuristisch und pietätlos abtun, könnte zu einem neuen Trend auf den Friedhöfen Deutschlands werden. Steinmetzmeister und Bildhauer Andreas Rosenkranz aus Köln ist nach eigenen Angaben bislang der einzige in Deutschland mit dieser Idee.

Von Alexander Wolf

Wenn Anton Stuckenberger an das Grab seiner verstorbenen Mutter tritt, hat er nicht nur Blumen dabei, sondern auch sein Smartphone. Innerhalb weniger Sekunden scannt der 51-Jährige aus München den sogenannten QR-Code von einem kleinen Sockelstein ein. Es ist ein Viereck aus schwarzen und weißen Punkten. Dann öffnet sich auf seinem Handy die Trauerseite, die er für seine Mutter im Internet angelegt hat. "Das ist eine geniale Verknüpfung von realem und virtuellem Erinnerungsort", sagt Stuckenberger.

Der QR-Code am Grab zeige den Besuchern, dass da noch mehr ist als nur der Name der Verstorbenen und die Daten ihrer Geburt und ihres Todes. Was manche Kritiker als voyeuristisch und pietätlos abtun, könnte zu einem neuen Trend auf den Friedhöfen Deutschlands werden. In QR-Codes können relativ einfach Text oder ein Direktlink verschlüsselt werden. Derzeit werden die Codes, die ursprünglich für die Lagerlogistik eines Autokonzerns entwickelt wurden, primär in der Werbung eingesetzt. Auch Zeitschriften und Zeitungen drucken das Symbol ab und bieten damit ein zusätzliches Angebot im Internet.

"Es gibt einfach Bedarf"

Steinmetzmeister und Bildhauer Andreas Rosenkranz aus Köln ist nach eigenen Angaben bislang der einzige in Deutschland, der einen solchen Code in einen Grabstein gemeißelt hat. Stuckenberger zählt zu seinen ersten Kunden. "Bereits vor vier Jahren gab es in Japan QR-Codes auf Grabsteinen", sagt Rosenkranz. Anfang des Jahres habe er für einen Wettbewerb ein Grabsteindesign mit integriertem Code entwickelt, kurze Zeit später kam die erste Kundenanfrage. "Es gibt einfach Bedarf", sagt der 48-Jährige, "denn in der heutigen Welt wird der Toten nicht mehr nur auf dem Friedhof gedacht - sondern eben auch immer mehr im Internet."

Bei Anbietern wie emorial.de oder stayalive.com können Angehörige Trauerseiten einrichten, inklusive der Möglichkeit, Fotos hochzuladen, ein Gedenkbuch zu schalten oder virtuelle Kerzen anzuzünden. Auch Privatleute richten Trauerseiten ein. "Ein QR-Code ist platzsparend und kann sehr ansprechend gestaltet werden", sagt Steinmetz Rosenkranz. Anderthalb Tage benötigt er, um den Code zu erstellen und auf den Grabstein zu übertragen. Im Nachhinein kann die Verknüpfung noch geändert werden - es muss also nicht immer dieselbe Seite verlinkt werden.

Verband warnt vor Missbrauch

Beim Bundesverband Deutscher Bestatter stößt die Innovation auf Interesse. Generalsekretär Rolf Lichtner sagt, es sei völlig klar, dass die neuen Medien auch auf dem Friedhof Einzug erhielten. "Solange keine Datenschutzprobleme entstehen oder anstößige Seiten verlinkt werden, sehen wir das neutral", sagt er. Vielleicht belebe der Trend sogar den Friedhof als Kulturort und biete neue Möglichkeiten zum Beispiel für Friedhofsführungen.

Rosenkranz hat bisher nur den Auftrag von Stuckenberger umgesetzt. Dennoch ist er von seinem Angebot überzeugt. "Es gibt viele Nachfragen, besonders von Menschen, die nachträglich einen Code an ein Grab hinzufügen möchten", sagt er. Anton Stuckenberger denkt schon weiter: "Ich wäre froh, wenn auf diesem Wege irgendwann auch meine Urenkel noch erfahren könnten, was ich für ein Mensch war."

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