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Historischer Umzug

Kölner entdeckt Karnevals-Filmaufnahmen von 1913

Ausgerechnet in Moskau hätte wohl niemand die ältesten Filmaufnahmen des Kölner Rosenmontagszuges vermutet. Doch der Kölner Journalist Hermann Rheindorf stöberte die fast 100 Jahre alten Filmrollen in einem Moskauer Archiv auf und stieß dabei auf die wahrscheinlich ältesten Aufnahmen des Kölschen Karnevals überhaupt.

Seit Jahren ist Rheindorf auf der Suche nach Filmaufnahmen des historischen Köln und schickt dafür Rechercheure in Archive auf der ganzen Welt. Dass die Aufnahmen dort liegen, hat seinen Grund: Kurz nach dem zweiten Weltkrieg verschleppten die Siegermächte alles an Kulturgütern, was nicht niet- und nagelfest war. Über mehr oder weniger dunkle Kanäle landet die Kriegsbeute dann in Archiven und bei Sammlern auf der ganzen Welt.

Mehr zufällig wurde dabei im Februar 2009 auch eine Rolle mit einer russischen Wochenschau von 1913 im Moskauer Archiv entdeckt, die Bilder des Kölner Karnevals zeigt. Die Aufnahmen des Rosenmontagszuges wurden mithilfe des Historikers Markus Leifeld exakt auf das Jahr 1913 datiert und zeigen ein Köln aus längst vergangener Zeit. Rheindorf erhielt nach längerem Hickhack um Rechte und Kopierkosten schließlich von den Russen die Erlaubnis, das Material zu kopieren und auf DVD zu veröffentlichen.

Der Film zeigt Szenen eines Rosenmontagszuges vor dem ersten Weltkrieg, aufgenommen am rappelvollen Neumarkt mit der Apostelnkirche im Hintergrund. Menschenmassen jubeln, während die Wagen vorbeifahren, die in ihrem Aufbau deutlich größer sind als heute. Der Grund: Damals gab es weder "Idiotenbrücken", noch Ampeln, Stromkabel oder anderes tiefhängendes in der Stadt. Die Bauweise der Wagen war nach oben offen.

Die ersten Wagen im Film zeigen Motive im Schatten des aufziehenden ersten Weltkriegs. Vorbeiziehende Wagen zeigen Reichskriegsflagge und Kanonen, es folgen kritische Themen: Ein übergroßes Auto fährt das letzte Pferd spazieren, ein Protest gegen die zunehmende Automobilisierung. Ein Großwagen zum damals neuen Glockenspiel am Rathausturm, das vielen Kölnern auf die Nerven ging. Und nach diversen anderen Wagen das Dreigestirn, das auf einem für heutige Verhältnisse gigantischen Wagen sitzt.

Der Film von 1913 ist das Prunkstück der Doppel-DVD "D'r Zoch kütt - der Rosenmontagszug in historischen Filmbildern von Kaisers Zeiten bis heute", deren Aufnahmen von Ludwig Sebus und Nathalie Bergdoll von Center-TV kommentiert werden. Die DVD ist bereits erhältlich, passend zum 11.11. kommt auch die Blu-Ray-Version in hochauflösenden Bildern auf den Markt. Der Preis liegt zwischen 19,80 Euro (DVD) und 24,80 Euro (Blu-Ray). (cr)


Link: rheinvideo.de

(Erstellt am 5. November 2009 - 11:11 Uhr; aktualisiert 2. Januar 2011 - 11:57 Uhr)


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