OB fordert "klare Ursachenanalyse"
Kölner gedenken der Opfer des Einsturzunglücks
Rund 1200 Menschen haben zwei Wochen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs und zweier Nachbarhäuser der Opfer des verheerenden Unglücks mit zwei Toten gedacht. Bei einer Gedenkstunde im voll besetzten Saal des historischen Kölner Gürzenich sagte Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU), das Unglück habe eine "klaffende Wunde" mitten im Herzen der Domstadt hinterlassen.
"Fassungslos stehen wir vor den Trümmern", sagte Schramma. Eine tiefe, offene Wunde klaffe seit dem 3. März mitten in unserer Stadt. Schramma drückte den Angehörigen und Freunden sein Mitgefühl aus und versprach alles zu tun, um die Ursachen des Unglücks aufzuklären. Im Namen aller Bürger der Stadt Köln sowie im Namen von Rat und Verwaltung sprach Schramma den Angehörigen sein Beileid aus: "Wir alle fühlen mit Ihnen. Leiden mit Ihnen."
> Die Rede von OB Schramma als Download
Am Morgen zuvor war Kevin K., eines der beiden Opfer, von seiner Familie in Köln beigesetzt worden. Rund 200 Freunde hatten den 17-jährigen Bäckerlehrling auf seinem letzten Weg begleitet. Der 24-jährige Design-Student Khalil wurde bereits am Sonntag in Marokko beigesetzt. Seine Familie nahm am Dienstag nicht an der Gedenkfeier teil.
In seiner Rede versprach Schramma, alles für die Aufklärung des Unglücks zu tun. "Wir müssen wissen, wo sind vielleicht Fehler gemacht worden, wo gab es Versäumnisse, wo sind unvorhersehbare Entwicklungen aufgetreten. Nun müsse die Verantwortung für das Unglück geklärt und die "nötigen Konsequenzen" gezogen werden. Das mindere natürlich nicht den Schmerz über die Opfer und Verluste. Aber es hilft uns, das Geschehene zu verarbeiten, so Schramma. Und es sei unabdingbar, um die Sorgen und Ängste abzubauen und Sicherheit zurückzugewinnen.
Menschen seien fehlbare Wesen, so der OB weiter. Das müssten wir uns eingestehen. "Wir haben - so schmerzlich das ist - nicht auf alle Fragen eine Antwort. Aber alle beantwortbaren Fragen werden beantwortet werden müssen", sagte Schramma im Gürzenich. "Nur mit einer klaren Ursachenanalyse sind wir imstande, alles dafür zu tun, dass sich das Unglück nicht wiederholen kann."
Schramma: Nord-Süd-Bahn wird fertig gebautGleichzeitig stellte Schramma klar, dass die Nord-Süd-Bahn fertig gebaut werden. Er habe in vielen Gesprächen mit Anwohnern und Geschäftsleuten der Severinstraße gehört, dass sie die Fertigstellung wollen, damit die Severinstraße, damit das Viertel wieder aufblühen kann. Das wolle er auch. Allerdings gehe in jedem Falle die Sicherheit vor, wie er betonte.
Die Veranstaltung im Kölner Gürzenich am Mittag sollte laut der Stadt Köln ein Angebot an alle Betroffene sein, sich in Trauer und Solidarität miteinander zu einem gemeinsamen Gedenken zu versammeln. Die Initiative zu der Feier ging von dem Kölner Oberbürgermeister Schramma aus.
Zudem blieben um 14 Uhr zum Beginn der Gedenkveranstaltung Busse und Bahnen der KVB im gesamten Netz an den Haltestellen stehen, um der Opfer und der Verluste durch das Unglück am Waidmarkt zu gedenken. Im ganzen Unternehmen KVB waren die Beschäftigten zur Teilnahme aufgerufen. Auch auf den Baustellen der Nord-Süd Stadtbahn wird derzeit eine Bauruhe eingelegt: Die Schicht von 13 Uhr bis 20 Uhr entfällt laut KVB - mit Ausnahme der sicherheitsrelevanten Arbeiten und Aufsichten.
Schweigemarsch und Informationsveranstaltung
Für die Opfer des eingestürzten Stadtarchivs und zweier benachbarter Häuser in Köln finden am heutigen Dienstagabend zudem noch ein großer Schweigemarsch und eine Informationsveranstaltung für Geschäftsleute des Severinsviertels statt. Der Schweigemarsch beginnt um 18:30 Uhr am Chlodwigplatz. In Höhe der Löwengasse soll sich der Zug teilen und fünf Minuten lang eine Lichterkette rund um die Sperrzone bilden. Die Kirchengemeinden, die einen Schweigemarsch für Freitag geplant hatten, schließen sich diesem Aufruf an.
Die Stadt lädt alle Geschäftsleute des Severinsviertels ab 19.30 Uhr zu einer Informationsveranstaltung ins Alte Pfandhaus (Kartäuserwall 20) ein. Oberbürgermeister Schramma, Wirtschaftsdezernent Nobert Walter-Borjans und die Interessensgemeinschaft Severinsviertel nehmen Stellung zu verschiedenen Hilfsangeboten für durch das Unglück in Mitleidenschaft gezogene Betriebe und Geschäfte. (sar, ddp; Foto: ddp)
(Erstellt am 17. März 2009 - 9:16 Uhr; aktualisiert 18. März 2009 - 1:21 Uhr)
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