Zwischen Proll und Poll

"Köln 50667": Seifenoper mit Kölsch-Faktor

Am Montagabend (7. Januar) wurde die erste Folge der Scripted-Soap "Köln 50667" ausgestrahlt. Dabei kamen die beeindruckenden Panoramaaufnahmen der Domstadt nur schwerlich gegen die abgedroschene Seifenoper der tätowierten und prolligen Laiendarstellern an.

Zwölf tanzende Darsteller vor einer pinken Köln-Silhouette und die Musik des in die Jahre gekommenden, schwedischen Zahnarztes Dr. Alban ließen die Zuschauer bereist vorahnen, auf was sie sich in den folgenden sechzig Minuten einließen: Auf eine ziemlich trashig-produzierte Soap, bei der sich Kulturkritikern wahrscheinlich die Fingernägel krümmen, Soap-Fans sich hingegen gelassen zurücklehnen und amüsiert in die Chipstüte greifen.

Die flache Story von "Köln 50667" beginnt zunächst mit der Ankunft von Meike am Kölner Hauptbahnhof - einem RTL2-Zuschauern bekannten Gesicht aus "Berlin - Tag und Nacht". Wie bereits auf der Facebook-Seite der Serie angekündigt, kehrt sie der Hauptstadt den Rücken zu, um mit ihrem Schwarm, dem Kölner Barbesitzer Alex, ein neues Leben in der Domstadt zu beginnen. Ein fliegender Soap-Wechsel sozusagen.

Nach drei Minuten der erste Streit

In typischer Soap-Manier kommt es bereits in den ersten Minuten der Sendung zum obligatorischen Streit und Zickenkrieg zwischen den Darstellern: Ordinär ("Willst du mich verar...") beschimpft "sexy Biest" Joleen Alex, als der die Berlinerin kurzerhand zur Barchefin der "Kunstbar" ernennt. Der Streit eskaliert als Sam, die Ex-Freundin von Alex, im Laden auftaucht und dem Barbesitzer eine Eifersuchtsszene macht. Irgendwie vorhersehbar.

Als Zuschauer wird man das Bild nicht los, wie ein Regisseur vor seinen Protagonisten steht, sein Drehbuch zur Seite legt und sagt: "Jetzt streiten... und bitte!" Die Darsteller wirken amateurhaft, obwohl sie scheinbar schon in anderen Sendungen üben konnten: "Die Hälfte der Darsteller kennt man entweder aus X-Diarys oder Big Brother", kommentiert Frä Nzi bei Facebook.

Versucht der Zuschauer das "Geplärre" der Darsteller im Vordergrund aber auszublenden, wird er auf durchaus gelungene Köln-Aufnahmen aufmerksam. In langen Sequenzen werden der Hauptbahnhof, der Rhein, Kölner Veedel und der Dom gezeigt. Die angewendete Stop-Motion-Technik zwischen den Handlungssträngen zeigt, dass die Produktionsfirma (Filmpool GmbH) durchaus das Potenzial besitzt, qualitativ Hochwertiges herzustellen, sich aber bewusst für eine amateurhaft wirkende Kameraführung für den Großteil der Szenen entscheidet.

Unterhaltungspotenzial hatte die Sendung auch, wenn man es sich zur Aufgabe machte, die Drehorte zu deuten: Alex' Loft befindet sich in Ehrenfeld gleich in der Nähe des Rocker-Schuppens "Underground". Im Auto ging es durch den Rheinufer-Tunnel oder die Nord-Süd-Fahrt entlang. Auch auf der Alten Liebe, Kölns Bootshaus auf dem Rhein in Höhe Rodenkirchen, wurde eine Liebeskummer-Szene mit Neu-Kölnerin Meike gedreht.

Bildergalerie: Locations von Köln 50667

Mit einem Glasaufzug ging es auch ein Kranhaus hinauf - die Gelegenheit für den Durchschnitts-Kölner, eine der teuren Kranhaus-Wohnungen einmal von innen zu sehen. Allerdings musste man dafür eine Striptease-Einlage von Joleen und die anschließende Knutscherei mit Student Max auf dem Balkon ignorieren.

"Köln 50667" nur ein  Abklatsch?

Trotz Herumgeprolle und Gezicke wirken die Charaktere von "Köln 50667" ein wenig erwachsener als die von "Berlin - Tag und Nacht": Themen wie "Erziehung von Kindern" und "Beruf" rücken in den Vordergrund. Auch die Musik ist nicht ganz so chartslastig beim großen Vorbild aus Berlin. Trotzdem werfen viele User den Machern der Serie mangelnde Kreativität vor: "Totaler Mist! Billige Nachmache von 'Berlin - Tag und Nacht!' ", schreibt Facebook-User Sebastian M.. "Sorry aber eigene Ideen sind nicht, oder?", bemängelt auch "Rippe Unverbesserlich".

Auch die Tatsache, dass die Tochter von Alex ("Anna") fast genauso heißt, wie die von Joe aus Berlin ("Hanna") und Sängerin Sam in die Fußstapfen von Sofi tritt, stößt den Soap-Fans sauer auf.

Trash-TV-Gucker: Ihr wurdet überführt

Viele, die behaupten keinen "Trash-TV" oder "Unterschichten-Fernsehen" (Stern.de) zu gucken, sei gesagt: Ihr wurdet überführt. Die Facebook-Seite von "Köln 50667" kann einen Tag nach Erstaustrahlung 348.835 "Gefällt-mir" Angaben ihr Eigen nennen. Und auch die Einschaltquote zeigt: 700.000 Deutsche - das ist ein Marktanteil von 10,3 Prozent - haben die Sendung am Montagabend mitverfolgt. Damit kommt "Köln 50667" zwar nicht an "Berlin - Tag und Nacht" heran (Marktanteil 13,3 % am Montagabend), doch was nicht ist, kann ja noch werden.

Sie haben die erste Folge von "Köln 50667" verpasst? Auf RTl2.de kann die Sendung nachträglich angeschaut werden. Alle Infos zu Darstellern und Locations lesen Sie hier.

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