Premiere im Theater im Bauturm
Karl Valentin trifft Willi Ostermann
Urbairische Anarchie und rheinisches Menscheln: Unaufhaltsam rasen die beiden Mentalitäten im Theater im Bauturm aufeinander zu. Kann das gut gehen? Ja, es geht gut. Sogar sehr gut. Langen Beifall gab es für „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“, eine rund 90 Minuten lange, grandiose Mischung aus Sketchen von Karl Valentin und Liedern von Will Ostermann.Von Jürgen Schön
Wer heute einen Valentin-Sketch auf die Bühne bringt, hat es schwer. Zu groß ist der Schatten des Originals, zu präsent das Bild des schlaksig-langen Valentin und seiner Partnerin, der kleinen drallen Liesl Karlstadt. Das Duo Katharina Brenner und Bernhard Bauer entzieht sich dem höchst geschickt durch Rollentausch. Er – groß und kompakt gebaut – streift sich ein eng anliegendes Dirndl über, sie – deutlich kleiner und hager – agiert mit Schiebermütze und Anzug.
Valentins absurden Witz, seine sprachlichen Spitzfindigkeiten, sein Faible für Nonsens behalten sie unter der Regie von Klaus Prangenberg bei, ebenso den bayrischen Dialekt. Doch schleicht sich dabei eine eher rheinische Spielfreude ein, wozu auch kleine Zweideutigkeiten gehören, was nahtlos zu den Liedern von Willi Ostermann überleitet (bei der Premiere am Akkordeon: Ralf Gscheidle)
Die singen die beiden dann wieder so respektlos schräg, aber schön – dass, täte dies ein Kölner in geselliger Runde, er hätte ausgespielt. Fasziniert von dieser Aufmüpfigkeit gegen das kölsche Hätz, traut sich das Publikum – ein kleines Wunder – nicht so recht, mitzusingen oder gar zu schunkeln. Dem Spaß an der Freud tat dies keinen Abbruch.
„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde. Ein rheinisch-bayerischer Abend“ – weitere Termine: 30.6., 5. Bis 7.7., jeweils 20 Uhr, Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42
(Erstellt am 30. Juni 2012 - 16:23 Uhr; aktualisiert 30. Juni 2012 - 16:29 Uhr)
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