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Premiere

"Istanbul": Deutsch-türkische Beziehungen im Schauspiel

 

Von Jürgen Schön

Am Ende war zwar viel geredet worden, doch näher gekommen war man sich nicht – im Gegenteil: Deutsche und Türken in Köln hatten sich weiter voneinander entfernt als geplant. Am Ende gab es für „Istanbul“ im Schauspiel zwar viel Premierenapplaus – aber jeder wusste, es war eben nur Theater und man hatte zumindest einmal darüber gesprochen.

Mit „Istanbul“ setzt Regisseur und Autor Nuran David Calis fort, was er mit „Die Lücke“ und „Glaubenskämpfer“ so hoffnungsvoll begonnen hatte: Den Versuch, Deutsche und Türken in Köln näher zu bringen, mit authentischen Laien Verständnis für beide Seiten zu wecken. Im ersten Stück ging es um die Verdächtigungen nach dem Nagelbombenanschlag in der Keupstraße von 2004, nach dem die Opfer zu Tätern gemacht wurden. In „Glaubenskämpfer“ um die Bedeutung der Religion, um die unterschiedlichen Wege zu Gott zu finden.

„Istanbul“ – so heißt es im Programmheft – sollte das „Porträt“ einer Stadt werden, die auch für die zweite und dritte Generation der in Deutschland lebenden Türken noch Symbol für Heimat und kosmopolitisches Zusammenleben ist. Der gescheiterte Putsch türkischer Militärs im Vorjahr und die anschließenden maßlosen Repressionen, von Staatspräsident Erdogan vorangetrieben, machte Calis einen Strich durch die Rechnung.

Und so streiten sich Deutsche und Türken, Türken und Türken, eine Deutsche und ein Deutschire über Geschichte und die Verantwortung von Staat und Individuum. Und immer wieder wechseln die Fronten – einig ist man sich selten.

Wird in der Türkei gefoltert? 

Wird in der Türkei etwa gefoltert? Ines Marie Westernströer verliest einen Brief Journalistin Asli Erdogan, der wegen angeblicher Gründung einer Terrororganisation sechs Monate im Gefängnis saß. Noch erschütternder und bewegender die Erinnerungen von Dogan Akhanli. Der heute in Köln lebende Schriftsteller saß 1986 zwei Jahre in haft wegen eines angeblichen. Politisch motivierten Raubs im Gefängnis. Er floh nach Deutschland. Als er 2010 – inzwischen deutscher Staatsbürger – seinen sterbenden Vater in der Türkei besuchen wollte, wurde er erneut verhaftet, dann aber freigelassen und später freigesprochen.

Die Aussagen der beiden zur erlitteten Folter sind eindeutig - doch Folter in der Türkei gibt es nicht, beharrt Ayfer Sentürk Demir (sie hatte auch schon in den beiden ersten Stücken mitgespielt). Schon gar nicht von Staats wegen und wenn – dann sind es nur einzelne Menschen, die das tun. Das Publikum bleibt ruhig, tuschelt nur empört, wie schon vorher, als die Geschäftsfrau bekundete, sie habe bei dem Referendum für eine neue türkische Verfassung mit „Ja“ gestimmt. Erdogan sei ein guter Mensch, und er habe dafür gesorgt, dass sie ihr Kopftuch mit Würde tragen könne. Auch das nationalistische Staatsverständnis Ismet Büyüks (IG Keupstraße) stieß auf Befremden.

Dass die Deutschen ihre Schwierigkeiten mit „Ausländern“ haben, beschreibt Kutlu Yurtseven, Gründer der „Mikrofon Mafia“, am Beispiel seiner siebenjährigen, in Deutschland geborenen Tochter. Als sie für einen türkischen Klassenkameraden übersetzte, war sie plötzlich eine Türkin. Und der Deutschire Sean McDonagh berichtet, wie er als Kind dazu erzogen wurde, nicht als Ausländer aufzufallen. Die Angst davor könnten Deutsche eben nicht nachvollziehen, erklärt er.

Zum Schlussbild setzt Calis eine eigenwillige Pointe: Yurtseven, Damir und Büyk setzte er auf eine harte Bank, Westernströer, McDdonagh und Akhanli auf ein weiches Sofa – dazwischen eine große Lücke. Der Beifall für das ganze Team war stark, aber kurz. Besonders viel Applaus erhielt Akhanli.

„Istanbul“ – die nächsten Vorstellungen: 16. und 30. Mai, 1., 5. und 13. Juni, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten gint es bei KölnTicket

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