111 Orte:
Ein Römerskelett im Holzgeschäft
Graue Herbsttage eignen sich bestens um ins Museum zu gehen - oder in die Holzhandlung. Mitten im Herzen der Kölner Südstadt hat Holzhändler Wiljo Schumacher sein Geschäft und das ist geschichtsträchtiger als man glaubt. 2.000 Jahre Geschichte liegen hier begraben, unter anderem ein römisches Skelett.
Ein Römergrab in der Holzhandlung? Das klingt zunächst einmal befremdlich. Aber der Holzhändler Wiljo Schumacher ist auch Kunsthistoriker und leidenschaftlicher Archäologe. Und deshalb findet sich hier, unter Glas und einer Holzklappe, ein römisches Skelett. Der Tote lag in einem Armengrab in der Südstadt, bedeckt lediglich mit einem Dächlein aus ausrangierten Tonziegeln. Seine Überreste bilden die vielleicht aufregendste Station jener Führungen, die der Firmenchef stets höchstpersönlich leitet.
"2000 Jahre Geschichte im Vringsveedel" heißt das Motto, und dieses große Grundstück an der Ecke Achter- und Landsbergstraße hat tatsächlich eine bewegte Historie hinter sich. Im 13. Jahrhundert stand hier das Kloster Sion, bald darauf folgten ein Beginenkonvent und das Kloster Zur Heiligen Dreifaltigkeit. 1848 entstand dann an der Landsbergstraße 16 jenes prächtige neogotische Wohnhaus, das 1910 in den Besitz der Schumachers kam.
2000 Jahre Geschichte in der Holzhandlung

Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch "111 Kölner Orte, die man gesehenhaben muss" von Bernd Imgrund und Britta Schmitz (Fotos).
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Im Hof der Holzhandlung sind noch zwei Erkerköpfe zu besichtigen. Sie stammen von Eduard Renard, dem Erbauer des Heinzelmännchenbrunnens. Wer genau hinsieht, erkennt: Die linke Figur, einen schelmisch grinsenden Mann mit Revolutionsmützchen, lehnte er an den schon damals populären Jan von Werth an. Wie dieses Haus, so wurde auch die nebenan gelegene Volksbadeanstalt (1891–1945) ein Opfer der Weltkriegsbomben. Die Rückwand dieses Gebäudes, in dem man einst Duschen und Wannen mieten konnte, ist heutzutage in das Holzlager integriert.
Letzte Station jeder Führung ist stets der museale Ausstellungsraum in den Hallen der Holzhandlung. Hier finden sich zahlreiche zum Teil sehr wertvolle Fundstücke aus zwei Jahrtausenden, fein geordnet nach den verschiedenen Epochen. Sehr interessant sind neben den kulturhistorischen Dokumenten auch jene Werkzeuge, Stiche und Urkunden, die sich mit der Geschichte der Holzwirtschaft beschäftigen.
Adresse: Landsbergstraße 16 in Köln
Öffnungszeiten: Nach Voranmeldung unter: 0221/31 60 65
ÖPNV: Bahn 15,16 bis Haltestelle Chlodwigplatz oder Bus 132, 133 bis Haltestelle Rosenstraße
Dieser Artikel ist ein Auszug aus demBuch "111 Kölner Orte, die man gesehen haben muss - Band 2" von Bernd Imgrundund Britta Schmitz (Fotos). Dieses Buch jetzt bestellen. Hier geht es zum Writer's Blog von Bernd Imgrund.
(Erstellt am 12. Oktober 2012 - 10:42 Uhr; aktualisiert 15. Oktober 2012 - 8:13 Uhr)
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