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Ehrenfeld

Pläne zum Helios-Gelände stoßen auf Protest

Rund 700 Menschen hatten sich am Mittwochabend in der Aula des Berufskollegs Ehrenfeld eingefunden. Anlässlich der Infoveranstaltung zum Bestand und der Entwicklung im Stadtbezirk Ehrenfeld kamen Anwohner und Interessierte, darunter viele junge Leute, um über die Zukunft des Helios-Geländes zu diskutieren.

Am Mittwochabend war die Aula des Berufkollegs Ehrenfeld bis auf den letzten Platz gefüllt. Vor der Tür drängten sich weitere 40 Leute auf Zehenspitzen, um mitzubekommen, was sich im Innern des Saals abspielt. Der Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Josef Wirges, hatte zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zur zukünftigen Entwicklung des Helios-Geländes geladen. Nachdem die Bauwens GmbH das Gelände der ehemaligen Helios GmbH vor zwei Jahren erworben hatte, plant sie nun den Bau eines 20.000 Quadratmeter großen Einkaufszentrums mit modernen Wohnflächen. Zum Unmut vieler Anwohner müssten dem Einkaufszentrum umliegende Clubs und Bars weichen, für die der westliche Stadtteil bekannt ist. Außerdem befürchten die Ehrenfelder, ein solches Vorhaben könnte die kleinen Geschäfte, Ateliers und Werkstätten verdrängen.

Baudezernent Bernd Streitberger rechtfertigte am Mittwochabend das Vorhaben. Es ginge darum, ein ungenutztes Gelände neu zu beleben. Man müsse akzeptieren, dass Städte sich entwickeln und wandern. Er wolle "Altes erhalten und Neues schaffen". Er löste großes Entsetzen im Saal aus, denn in seinen Augen führe kein Weg dran vorbei, dass Clubs, namentlich das Underground, weichen müssten. "Die Clubs waren zuerst da." entgegnete das Publikum. Streitberger wolle den Abend nutzen, um den Austausch der Ehrenfelder mit dem Bauherrn, der nicht einfach nur ein Investor sei, voranzutreiben.

Ehrenfelds Wahrzeichen sollen erhalten bleiben

Paul Bauwens-Adernauer, Geschäftsführer der Bauwens GmbH und Co KG, bemühte sich, diesem Bild gerecht zu werden. Im Verlauf des Abends zeigte er sich zunehmend verständnisvoll und versprach, die Einwände der entrüsteten Anwohner Ernst zu nehmen. Er versicherte immer wieder, dass die Wahrzeichen Ehrenfelds  - der Leuchtturm, das Verwaltungshaus mitsamt seiner Funktion und die Rheinhallen - erhalten bleiben sollen. Es gelte nun, den Interessenkonflikt zu lösen, den ein Einkaufszentrum mit Wohnflächen auf der einen Seite und eine Partymeile auf der anderen Seiten mit sich brächte. Mit seinen Plänen wolle er die "Lücken füllen", die eine Potenzialanalyse zur Einzelhandelsentwicklung in Ehrenfeld aufgezeigt hätten.

Als Ralf Beckmann von der mfi-AG, die die Analyse erstellt hatte, seine Ergebnisse vortrug, sah er sich mit lautstarker Kritik der Anwesenden konfrontiert. Mit seinen Zahlen sei niemandem geholfen und es gäbe keine Lücken die einer Füllung bedürfen, hieß es von Seiten der Zuhörer, die ihn immer wieder unterbrachen und ausbuhten. Die Bürger befürchten, das Ehrenfeld das gleiche Schicksal wie Kalk mit den Köln Arcaden drohe. Auf deren Bau hin hätten zahlreiche kleine Läden auf der Kalker-Hauptstraße Geschäftseinbußen erlitten, bis sie schließlich Konkurs anmelden mussten. Auch Hanswerner Möllmann, Sprecher der Bürgerinitiative Helios sieht diese Gefahr: "Diesem Konsumtempel sollen gewachsene Strukturen mit Geschäften, Ateliers, Werkstätten und nicht zuletzt das Underground weichen. Dagegen müssen wir uns wehren."

Wirges: "Wir sind noch ganz am Anfang."

Nach den Präsentationen der Pläne entstand bei vielen Besuchern der Eindruck, der Bau des Einkaufszentrum sei bereits endgültig beschlossen. Das wiederum bestritten Streitberger und Bauwens-Adenauer entschieden. Sie wandten ein, gemeinsam mit den Anwohnern etwas schaffen zu wollen, "ohne Beliebigkeit". Aber "noch sind wir ganz am Anfang", so Bezirksbürgermeister Wirges. "Diese Veranstaltung ist der Auftakt für einen Dialog. Es gibt noch keinerlei Baupläne oder konkrete Entwürfe."

Diese Pläne sollen im Rahmen eines internationalen Architekturwettbewerbs eingereicht werden, was auch die Bürgerinitiative befürwortet. Zuvor allerdings, so fordert sie, solle ein städtebauliches Konzept mit vertiefter Bürgerbeteiligung erarbeitet werden. (km)

(Erstellt am 16. September 2010 - 9:58 Uhr; aktualisiert 18. September 2010 - 17:52 Uhr)


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Kommentare

Dann sollen doch die 700

Dann sollen doch die 700 Brüllaffen das Ding übernehmen und sehen, wie sie mit dem Gelände und den Kosten klar kommen. Das ist zwischenzeitlich ein typisch deutscher Charakterzug."Ich bin dafür, dass wir dagegen sind". Aber dann mämmen, wenn es Arbeitslose gibt. Hauptsache, man hat der Wirtschaft eins ausgewischt.

700 Brüllaffen, soso.

700 Brüllaffen, soso. Leider ist es bei der Planung von Stadtvierteln so, dass es hier nicht lediglich um kostentechnische Überlegungen geht. Dann könnte man ja auch einige Museen einreissen und Einkaufszentren errichten. Bitte überlege einmal, dass in einem Viertel auch Menschen leben, die nicht ohne Grund in dem Viertel wohnen, in dem sie wohnen und sich mit diesem auch identifizieren. Die Institutionen auf dem Heliosglände, so z.B. das Underground, aber auch andere existieren schon sehr lange und sind wichtiger Bestandteil des Viertels. Wer diese Kritik für reines "Hauptsache dagegen" abstempelt, könnte vielleicht ein wenig von üblichen Klischees getrieben sein? Ich glaube nicht, dass alteingesessene Geschäftsleute einem Klischee von "Hauptsache dagegen" Demo Touristen entsprechen. Und nur, weil jemand nicht in heller Stoffhose, blauem Hemd und Pullover über die Schultern daherkommt, ist er ein "Hauptsache dagegen" Charakter. Wirtschaftliche Aspekte sind nicht alles. Ich möchte kein Köln, was nur noch aus Ringdiscotheken, Systemgastronomen und Grossmärkten besteht.

Ziemlich späte Antwort von

Ziemlich späte Antwort von mir, aber ich gebe Stefan-78 recht!!!!!! Genau das habe ich auch nach dem Kommentar von "Gast22" gedacht. Durch den Abriss geht ein Stück Köln verloren und es wäre eine Schande!

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